Stimme+
Massenbachhausen
Lesezeichen setzen Merken

Vor den Brauchtumsgruppen des Carnevalclubs Massenbachhausen muss man keine Angst haben

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Die Brauchtumsgruppen Streitwaldschrättle und Graustalweible sind bekannt für ihre aufwendig geschnitzten Holzmasken. Doch am 11.11. dürfen die Mitglieder noch nicht in die Fastnacht einsteigen. Für die beiden Gruppen des Carnevalclubs Massenbachhausen beginnt die Saison erst am 6. Januar.

   | 
Lesezeit  3 Min
Die Graustalweible und die Streitwaldschrättle gehören zu den Brauchtumsgruppen des Carnevalclubs Massenbachhausen. Rund 20 Personen wirken mit.
Die Graustalweible und die Streitwaldschrättle gehören zu den Brauchtumsgruppen des Carnevalclubs Massenbachhausen. Rund 20 Personen wirken mit.  Foto: Privat

Ein bisschen gruselig sehen sie auf den ersten Blick aus, die Mitglieder der Streitwaldschrättle und der Graustalweible. Zumindest dann, wenn sie ihre Holzmasken tragen. „Wir sind aber keine Hexen und versuchen, Freundlichkeit rüberzubringen“, erzählt Nadine Seemann, eine der Gruppensprecherinnen im Brauchtumsheer des Carnevalclubs Massenbachhausen (CCM). Und tatsächlich: Wenn man näher kommt und genauer hinschaut, sieht man, dass die sorgfältig bemalten Holzmasken kleine Lachfalten um die Augen haben und über das ganze Gesicht lachen.

Saison beginnt am 6. Januar

Wer nun allerdings hofft, die beiden Gruppen bereits zum 11.11. in Massenbachhausen zu treffen, der wird enttäuscht. Für sie fängt die Saison erst am 6. Januar an, denn dann beginnt die Schwäbisch-Alemannische Fastnacht, die nicht nur in der Schweiz gefeiert wird. „Wir sind natürlich dabei, aber inkognito“, sagt Zunftmeister Thomas Gorzelak.

Die erste Veranstaltung der Gruppen ist das gemeinsame Maskenabstauben an Heilige Drei Könige. Bis dahin dürfen sie weder das Kostüm, das eigentlich Häs heißt, oder die Maske, die als Larve bezeichnet wird, tragen. Am 6. Januar werden außerdem die neuen Mitglieder nach ihrem Probejahr getauft. „Jeder soll herausfinden, ob die jeweilige Gruppe etwas für ihn ist“, sagt Nadine Seemann.

Neue Mitglieder werden getauft

Wenn man sich dann entschieden hat, kommen mehrere Aufgaben auf das neue Mitglied zu, die bei jedem individuell sind. „Ich wurde damals mit kaltem Wasser rasiert. Das ganze Gesicht war voller Schaum“, erinnert sich der Gruppensprecher Christian Wolf. An sich nicht schlimm, wenn er nicht hinter einem Leinentuch gesessen hätte, in dem Löcher für Gesicht und Hände geschnitten waren. Durch die mussten dann zwei weitere Personen die Rasur vornehmen.

„Der, der etwas gesehen hat, hat dem, der seine Hände durchgestreckt hat, Anweisungen gegeben“, erzählt Wolf lachend. Die Aktion vor dem Massenbachhausener Rathaus ging gut aus, Christian Wolf hat weder ein Auge noch seine Nase verloren. „Wir sind da noch relativ human“, sagt Nadine Seemann.

Die Maske wird Larve genannt

Wie sich die Weible und Schrättle zu verhalten haben, wurde in den elf Narrengeboten festgehalten, die auch besagen, wann man Häs und Larve tragen darf und wie man mit ihnen umzugehen hat. Denn besonders die Masken sind kein Schnäppchen. Sie werden im Schwarzwald geschnitzt und bemalt und kosten zwischen 300 und 400 Euro. Auf dem Häs der beiden Gruppen sind Blätter und eine blaue Welle aufgenäht.

„Die Figuren müssen etwas mit der Geschichte des Ortes zu tun haben, wenn man eine Zulassung vom Verband bekommen möchte“, erzählt Thomas Gorzelak. Die Symbole spielen sowohl auf den Wald als auch auf die Quelle im Ort an. Das Häs besteht aus Leinen und soll damit Armut widerspiegeln.

Die Kostüme dürfen nicht verändert werden. Geht eins kaputt, bringt der Besitzer das Kleidungsstück zu einer Schneiderin. Genauso verhält es sich mit den Masken, die an den Schnitzer geschickt werden. Und die man erst ab dem 16. Lebensjahr ausgehändigt bekommt. „Vorher darf man nur das Kostüm tragen“, erklärt Nadine Seemann.

Der Bürgermeister wird mit einbezogen

Wie tief der CCM und die Brauchtumsgruppen in Massenbachhausen verwurzelt sind, zeigt auch die Tradition, den Bürgermeister am schmutzigen Donnerstag zu „verurteilen“. Meist wird sich dann auf Aktuelles aus dem Ort bezogen. Nico Morast, seit zwölf Jahren Rathauschef, weiß davon ein Lied zu singen.

In der Vergangenheit wurde er schon mehrmals ins Zentrum des Interesses gezogen, auch während der Corona-Pandemie. „Wir haben ihm auch mal einen Beauty-Tag verpasst“, erzählt Nadine Seemann. Dabei wurden ihm die Nägel gemacht und die Haare gefärbt. „Er macht das aber alles gerne mit.“

Zwei noch junge Gruppen

Die Graustalweible wurden 2005 gegründet und noch im gleichen Jahr als anerkannte Masken- und Brauchtumsgruppe in den Landesverband Württembergischer Karnevalvereine aufgenommen. Die Figur der Graustalweible ist an „Sage vom Grausental“ angelehnt, die in der Massenbachhausener Ortschronik zu finden ist. Am 6. Januar 2017 wurden die Streitwaldschrättle erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt, im Jahr zuvor wurden sie bereits in den Verband aufgenommen. Der Schrättle ist ein knorriger, aber nicht unfreundlicher, bäuerlicher Typ. Beide Gruppen haben rund 20 Mitglieder.

Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Einstellungen anpassen

Kommentare öffnen
  Nach oben