Auf dem Hermann-Lenz-Weg vom Kocher zur Jagst
17 Kilometer weit führt der literarische Wanderweg von Künzelsau nach Langenburg durch eine der malerischsten Landschaften der Region, durch zwei tiefe Flusstäler und über eine einsame Hochebene. Er war die Lieblingswanderstrecke des Hohenloher Dichters Hermann Lenz. Heute ist er ein Hohenlohe-Lehrpfad im besten Sinne.

Sapperlot - Hermann Lenz würde staunen, würde er am Künzelsauer Volkshochschulgebäude, das seinen Namen trägt, die lila Wegmarke mit seinem markanten Pfeifenraucherprofil entdecken. In der Mitte von Künzelsau, gleich bei der Johanneskirche, hat der Schriftsteller von 1913 bis 1924 seine Kindheit verbracht, und dort, an der ersten Wegmarke, beginnt auch der Hermann-Lenz-Weg. Wahrscheinlich würde sich der Literat, der die Hohenloher Landschaft liebte, sie gern und immer wieder durchwanderte und in seinen autobiografisch geprägten Romanen liebevoll beschrieb, neugierig auf diesen Weg machen.
Nach ersten Schritten im Kochertal geht es schweißtreibend steil den Berg hinauf
Der führt erstmal vorbei am Schloss, durch die Wertwiesen, über den Kochersteg und dann durch Obstwiesen und Schrebergärten gen Osten. Der literarische Wanderweg, der zuerst dem Kocherradweg, dann größtenteils dem Hauptwanderweg 8 des Schwäbischen Albvereins folgt, führt auf rund 17 Kilometern von Künzelsau nach Langenburg. Immer wieder trifft der Wanderer auf Stelen, die aus Lenz' autobiografisch geprägten Romanen zitieren. Ein bisschen ist es, als wäre man mit ihm selbst unterwegs. "Vom Fluss schaute ein grüner Wasserflecken her, als ob's ein Auge wäre, weil das Ufer vom dichten Weiden- oder Erlenbuschwerk glitzernde verdeckt wurde. Sanfte Blätterbewegung. Und der Finger eines Windes", beschreibt er das Kocherufer, und schöner könnte kaum einer die Stimmung des spätsommerlichen Morgens am Kocher beschreiben.

Morsbach, dann Kocherstetten sind schnell erreicht, und von der Höhe herab grüßt schon Schloss Stetten. Schweißtreibend steil, bis auf Vogelgezwitscher still, aber zum Glück auch erfrischend waldeskühl geht's den Schlossberg hinauf. An diesem Morgen scheint das Schloss im Dornröschenschlaf zu träumen, kein Mensch weit und breit. Eine Infotafel erzählt vom Rittergeschlecht, von Fehden, Erbteilungen und der Neuausrichtung des Stettenschen Schlosses im Hier und Jetzt mit Burgfestspielen und Seniorenresidenz. Die Tafel bleibt nicht die einzige, denn der Hermann-Lenz-Weg ist nicht nur ein literarischer Wanderweg, er geizt nicht mit Infos über Historie, Land und Leute - ein Hohenlohe-Lehrpfad im besten Sinne.

Auf der Hochebene umfängt den Wanderer meditative Stille
Durch lichten Wald geht es in Richtung Hohe Straße. Auf der uralten Fernhandelsstraße ist jetzt kaum mehr Verkehr - zu Wanderers Glück, der ein paar Meter auf der Straße zurücklegt. Würde nicht in der Ferne ein Traktor seine Bahnen durch abgeerntete Felder ziehen, möchte er sich auf der ländlich-friedlichen Hochebene fast als einziger Mensch fühlen. Allein unter einer milden Sonne besänftigt der Takt der Wanderschuhe das Schnell-Schnell der Alltagshektik und macht eine meditative Achtsamkeitsübung aus dem Weg.

Der Weg führt durch kleine Waldstücke und Obstwiesen hinunter ins Jagsttal, nach Oberregenbach mit seinen alten Bauernhäusern. Wo immer auch deren Bewohner gerade sein mögen, sie haben ein Herz für Wandersleut. "Hogg di nou, wersch miad sei", heißt es bei einer Bank mit Tisch, und ein kleines Schild weist den Weg zum Kühlschrank mit Getränken. Das hätte Hermann Lenz gefallen, der auch gern Brotzeit unterwegs machte.
Ein Umweg führt zur geheimnisvollen Krypta nach Unterregenbach
Über die steinerne Bogenbrücke führt der Weg nun stracks Richtung Langenburg. Aber Lust auf die schmale Straße, auf der zur Mittagszeit mehr los ist, will nicht aufkommen. Dann doch lieber ein kleiner Umweg der Jagst entlang ins benachbarte Unterregenbach. Hermann Lenz hätte sicher nichts dagegen. Denn vom Jagsttal mit seinen Reihern, Milanen, Bussarden hat er nur so geschwärmt - und zurecht. Am Wegrand: ein Reiher, der in den Jagstauen auf eine Maus lauert, ein Schwätzle mit einer Landfrau, die ihren jungen Ackersalatpflänzchen ein Kompostbett bereitet und die geheimnisvolle Unterregenbacher Krypta.

Über die hölzerne Archebrücke geht's über den Fluss und dann steil hinauf zum ruhigen, schattigen Panoramaweg nach Langenburg. Geradewegs zum fürstlichen Schloss führt er. Im Städtchen kaufte sich Hermann Lenz einst Papier und schrieb: "... das Wetter war hell und warm, und wir gingen von Schloß Langenburg nach Schloß Morstein und zur Ruine Leofels - aus staufischer Zeit, sapperlot." Wir lassen's bei Langenburg, gönnen uns eine Tüte Wibele vom Café Bauer. Dort grüßt uns nicht Hermann Lenz, sondern eine andere Langenburgbesucherin: die Queen - als Pappaufsteller. Sapperlot!
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