Die Jagst bei Dörzbach: Energiequelle in mehrerlei Hinsicht
Jürgen Häfele ist mit und an der Jagst aufgewachsen. Für ihn ist der Fluss ein Ort zum Kraft tanken - und Strom produzieren.

Er war viel in der Welt unterwegs und ist doch immer wieder an die Jagst zurückgekehrt: Jürgen Häfele lebt nicht nur an, sondern auch mit und in Teilen von der Jagst. Sein Haus im Dörzbacher Teilort Hohebach liegt am Flussufer, zum Grundstück gehört ein Wasserwerk, das er in zweiter Generation betreibt.
Dabei geht das Erbe Jürgen Häfeles sogar weiter zurück: "Mein Großvater hat nach dem Ersten Weltkrieg schon als Maschinist hier im E-Werk gearbeitet", sagt er. Damals gehörte eine Maschinistenwohnung zum Werk. "Mein Vater ist dort geboren", ergänzt er. Und so könnte man es Schicksal oder Zufall nennen, dass Kurt Häfele nach dem Zweiten Weltkrieg in die Fußstapfen seines Vaters trat. Dadurch verbrachte auch Jürgen seine Kindheit am Fluss.
Als Kurt Häfele den Job wechselte, musste die Familie die Maschinistenwohnung verlassen, zog in die Dorfmitte. Der Bezug zur Jagst blieb: "Wir waren hier unten immer daheim, hatten weiter den Garten und einen Hühnerstall hier", sagt Häfele. "Das war unser Abenteuerspielplatz."
Als die Jagst im Winter noch zufror
Und so erinnert er sich gerne zurück an die Kindertage, in denen er Fische "mit bloßer Hand gefangen" hat oder im Winter mit der zugefrorenen Jagst eine kostenlose Eisbahn vor der Haustür" hatte. Im Sommer stand sie dann als Freibad zur Verfügung. Der Bereich am Wehr ist inzwischen sogar offizieller Badeplatz von Hohebach. Dabei ist Jürgen Häfele froh, dass die Gemeinde Dörzbach die Verantwortung für den Badebetrieb übernimmt, auch wenn es sich um Privatgrund der Häfeles handelt.
Wie es der Zufall wollte, kehrte die Familie Häfele schließlich ganz an die Jagst zurück: 1974 verkaufte die Energie-Versorgung Schwaben das Gelände mitsamt E-Werk. "Man hat damals voll auf Atomkraft gesetzt", erklärt Jürgen Häfele. Sein Vater habe sich dann entschieden, das Gelände zu kaufen.
Und auch wenn Jürgen Häfele damals bereits erwachsen war, gerade seinen Wehrdienst absolvierte, dann zum Elektrotechnik-Studium nach Stuttgart zog und im Anschluss geschäftlich die ganze Welt bereiste, verbrachte er seine freie Zeit so oft es ging zu Hause an der Jagst. "Das ist mein Erholungszentrum, mein Ort zum Kraft tanken", sagt er.
Ehemalige Mühle aus dem 16. Jahrhundert
Das Wohnhaus bauten seine Eltern auf die noch vorhandenen Grundmauern der ehemaligen Mühle aus dem Jahr 1568. Denn schon im 16. Jahrhundert haben Menschen die Kraft der Jagst an dieser Stelle genutzt. Von der Stromgewinnung durch Wasserkraft ist Jürgen Häfele überzeugt. "Wasserkraft ist nachhaltig."
Anders als Solar- oder Windenergie sei sie das ganze Jahr über verfügbar und regulierbar - mit einer Einschränkung: Wegen der zunehmend heißen und trockenen Sommer und dadurch bedingtem Niedrigwasser müsse er das Kraftwerk auch mal einzelne Tage abschalten. Im Jahr erzeuge es dennoch durchschnittlich Strom für etwa 150 Vier-Personen-Haushalte mit mittlerem Verbrauch, sagt Häfele.
Mitte der 90er Jahre baute Jürgen Häfele die Scheune auf dem Grundstück zum Wohnhaus um und zog mit seiner Frau ein. Seine beiden Töchter wuchsen, ebenso wie er selbst, mit der Jagst auf: "Man lebt hier einfach eng an der Natur", schwärmt Häfele. Der einzige Nachteil: Hochwasser. Von denen haben Häfeles einige erlebt.
Hochwasser gibt es immer wieder
"2016 stand das Wasser einen halben Meter hoch im Hof", berichtet er. Allerdings sei damals - beim verheerenden Starkregen, der Ende Mai in der ganzen Region große Schäden verursachte - nicht die Jagst das Problem gewesen. "Das Wasser des Hohebachs kam oben die Straße heruntergelaufen", berichtet Häfele. Wochenlang habe es gedauert, den Schmutz wieder überall zu entfernen.
Und auch der Maschinenraum stand schon des öfteren unter Wasser, wenn es "von unten hochdrückt". Schwer vorstellbar an einem Tag, an dem die Jagst in der Sonne funkelt und so friedlich dahin fließt. Und so fällt es leicht, Jürgen Häfeles Verbundenheit zur Jagst, zu diesem Fleckchen Erde nachzufühlen. Bleibt abzuwarten, was der nächste Zufall für das Leben der Häfeles an der Jagst bereithält.

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