Ziehl-Abegg verstärkt sich auch in Asien
Der Ventilatorenbauer hat eines der erfolgreichsten Geschäftsjahre mit einem Rekordumsatz hinter sich. Die Milliarde rückt in greifbare Nähe. Der neue Chef Marc Wucherer sieht Unwägbarkeiten, investiert aber weiter.

Ziehl-Abegg hat im vergangenen Jahr einige neue Weichen gestellt. Nicht zuletzt dafür hat Marc Wucherer als Chef und Nachfolger von Peter Fenkl sein Amt angetreten. Jünger und schneller soll nicht nur das Management des Unternehmens werden, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Allzu viel falsch ist zuletzt aber auch nicht gelaufen, wenn man sich die Zahlen anschaut: 2022 gab es einen Rekordumsatz, und die Mitarbeiterzahl hat weltweit die Marke von 5000 überschritten.
Nur kein Ziel ausgeben, das dann nicht erreicht wird
Um beeindruckende 22 Prozent legte 2022 der Umsatz zu, auf nunmehr 873 Millionen Euro. Geht es so weiter, dann überschreitet der Ventilatorenbauer aus Künzelsau in diesem Jahr die Marke von einer Milliarde Euro. "Das wäre super, und das Geschäftsjahr ist auch gut angelaufen. Aber das Umfeld ist so volatil, dass wir das nicht als Ziel ausgeben", sagt Wucherer.
Einerseits hat sich das Unternehmen damit schon in eine Größenordnung entwickelt, das eine gewisse Neuaufstellung notwendig macht. Das gesamte Führungsteam ist in den vergangenen drei Jahren neu zusammengestellt worden. Es stehen auch hier die Themen Digitalisierung, Datendurchgängigkeit, Modernisierung in vielen Bereichen an. "Wir wollen schneller und auch agiler werden", sagt Wucherer. Das soll letztlich auch auf die Profitabilität einzahlen.
Überall muss investiert werden - das kostet Geld
Zum Gewinn äußert sich das Hohenloher Familienunternehmen nicht. Doch Wucherer lässt durchblicken, dass er hier auf jeden Fall Nachholbedarf sieht. Das Ergebnis sei gut gewesen, "aber wir müssen das Geld erwirtschaften, das wir dann auch wieder investieren wollen" - in neue Software etwa, und in neue Anlagen. Auch der Standort Künzelsau müsse konkurrenzfähig bleiben.

Und natürlich in neue Werke. Bereits bekannt war, dass Ziehl-Abegg rund 100 Millionen Euro in eine neue Fabrik mit Verwaltung in den USA und 50 Millionen in ein Werk in Polen investiert. Auch wenn er offiziell erst im November gestartet ist, sei er in diese Entscheidungen bereits eingebunden gewesen, erklärt der 53-Jährige. Wucherer verrät aber auch, dass bereits die nächste Großinvestition geplant ist: eine neue Produktion in Asien - möglicherweise nicht ganz so groß wie die in Polen. Wo genau, das könne erst mitgeteilt werden, wenn die Verträge unterschrieben sind.
Das neue Werk wird aber weder in China, noch in Thailand gebaut - in den zwei asiatischen Ländern, wo Ziehl-Abegg bereits produziert. Wucherer betont, das sei keine Abkehr von China, und das Land sehe er weiterhin auch nicht besonders kritisch. Zusammengerechnet zehn Jahre hat er bereits in China verbracht, und es bleibe ein wichtiger Markt. Und es gelte für alle Auslandsstandorte: "Wenn wir näher am Kunden produzieren, können wir schneller liefern und es entfällt ein langer Transport." Das wirke sich auf den CO2-Fußabdruck der Produkte aus.
Gut vorbereitet in den Wärmepumpen-Boom
Wachstum ist allerdings auf vielen Feldern möglich - und nicht bei allen denkt man an Ventilatoren. Der Ausbau der erneuerbaren Energie ist eine Chance. Eine Windkraftanlage beispielsweise beherberge mitunter bis zu 50 kleinere und größere Rotoren. Oder die zunehmende Digitalisierung: Tausende Ventilatoren brauchen die großen Serverräume. Gebäudetechnik setzt auf Ventilation. Und Ziehl-Abegg profitiert derzeit auch vom Wärmepumpen-Boom. "Wie lange der in dieser Form anhält, lässt sich schwer abschätzen. Aber wir sind dabei, weil wir frühzeitig ein entsprechendes Produkt entwickelt haben", sagt Wucherer.
Gut weggesteckt hat das Unternehmen auch den Rückzug aus Russland nach dem Kriegsbeginn vor gut einem Jahr. Eine große Herausforderung bleibt aber der Arbeitskräftemangel in Deutschland. Hier hat die Mitarbeiterzahl immerhin von 2600 auf 2800 zugelegt. "Die Möglichkeiten für junge Menschen, mit einer dualen Ausbildung oder einem dualen Studium ins Berufsleben zu starten, werden im Jahr 2023 qualitativ und quantitativ weiter ausgebaut", sagt Wucherer.
Umsatz in acht Jahren verdoppelt
Der Motoren- und Ventilatorenbauer Ziehl-Abegg hat seinen Umsatz innerhalb von acht Jahren mehr als verdoppelt. 2014 lag er noch bei 423 Millionen Euro, 2022 bei 873 Millionen. Im gleichen Zeitraum wuchs die Mitarbeiterzahl von 3400 auf 5100.
Der starke Zuwachs im vergangenen Jahr geht zu einem Teil auf die Inflation zurück. "Auch wir sind um Preiserhöhungen nicht herumgekommen", sagt Vorstandschef Marc Wucherer. Welchen Anteil die höheren Preise am Umsatzwachstum hatten, sei aber nicht beziffern.


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