Ziehl-Abegg baut neues Werk in Polen
Der Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg hat 2021 einen Rekordumsatz erwirtschaftet, doch der Gewinn ging zurück. Vorstandschef Fenkl hat dafür eine Erklärung. Neuigkeiten gibt es bezüglich des Baustarts eines neuen Werks.

Der Elektromotoren- und Ventilatorhersteller Ziehl-Abegg ist im vergangenen Jahr kräftig gewachsen. Um zwölf Prozent ging der Umsatz nach oben auf 716 Millionen Euro. Es ist ein neuer Rekordwert. Preiserhöhungen bei Lieferanten ließen sich allerdings nicht komplett weitergeben, wie Vorstandschef Peter Fenkl im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert. Aktuell belastet ihn zudem die Situation in der Ukraine und in Russland. In Polen soll ein neues Werk gebaut werden.
Sorge um die Mitarbeiter in der Ukraine und in Russland
"Wir haben aktuell die 16-jährige Tochter einer Mitarbeiterin in der Ukraine nach Deutschland geholt", erzählt Fenkl. Das Künzelsauer Unternehmen kümmert sich nun um Unterbringung und Betreuung und hofft auf ein Ende des Krieges. Aber auch die still stehende Produktion in Russland konfrontiert das Unternehmen mit schwierigen Fragen.
Was passiert etwa, wenn Russland darauf besteht, die Produktion wieder hochzufahren? "Wir haben unsere Mitarbeiter in Russland bei vollen Bezügen nach Hause geschickt", erzählt Fenkl. Die Sanktionen hält er für richtig. Weil die Komponenten aus Deutschland fehlen, könne das Werk auch nicht mehr anfahren. "Russland will aber, dass wir weiter produzieren." Das Gesetz dafür sei schon erlassen. "Wir befinden uns da in der klassischen Sandwich-Position", sagt Fenkl.
Kurzfristige Änderungen sind an der Tagesordnung
Konkrete Zahlen zum Gewinn gibt das Unternehmen nicht heraus. Im Handelsregister hinterlegt waren für die Jahre 2017 bis 2019 Ergebnisse zwischen 17 und 25 Millionen Euro. 2020 wurde das Ergebnis erst einmal "deutlich gesteigert", 2021 war das Geschäft nach Unternehmensangaben weniger ertragsstark. Schuld daran waren die Preise und die Lieferengpässe.
"Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln - so hat sich das häufig angefühlt, wenn angekündigte Lieferungen ausblieben oder andere plötzlich zugesagt wurden", erzählt Fenkl. Das habe zu Schichtausfällen geführt und unvorhergesehene Zulagenzahlungen erfordert, wenn etwa am Wochenende gearbeitet werden musste.

Insgesamt sei es nicht gelungen, die Preissteigerungen vollständig weiterzugeben. "Wir wollen bei unseren Kunden keine verbrannte Erde hinterlassen." Im laufenden Jahr gehe es bisher ähnlich weiter wie im Vorjahr. Beim Gas habe es von Januar auf Februar zum Beispiel eine Preiserhöhung um 130 Prozent gegeben. Trotzdem hofft der Ziehl-Abegg-Chef, dass die Ertragslage sich bessert. Denn die Aufträge seien da. "Es ist ein Verkäufermarkt. Gesund ist das nicht", findet Fenkl.
Mitarbeiter werden gesucht
Weltweit wird eingestellt, ob in Indien, Thailand, den USA oder auch in Deutschland. Insgesamt stieg die Mitarbeiterzahl um annähernd zehn Prozent auf 4700 (Vorjahr 4300). In Deutschland legte die Belegschaft von 2400 auf 2600 zu.
Die große Herausforderung sei, gute Mitarbeiter zu finden. Gerade die IT sei überlastet, es gebe da so gut wie keine Leute. "Die Digitalisierung treiben wir schon seit 15 Jahren voran, und sie nimmt an Fahrt auf", so Fenkl. Um bei dem Thema auf der Höhe der Zeit zu sein, pflege man Kontakte zu vielen Hochschulen in Baden-Württemberg und Bayern, auch nach Heilbronn.
Überlegungen, die Unternehmenszentrale in den Gewerbepark Hohenlohe nach Kupferzell zu verlegen, spielen derzeit keine Rolle. "Wir haben andere Probleme", sagt Fenkl. Noch in diesem Jahr soll aber Baustart für ein neues Werk in Polen sein. Dort will der Ventilatorenhersteller ab dem kommenden Jahr produzieren.


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