Stimme+
Region
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Medizintechnikhersteller Xenios schließt Produktion der künstlichen Lunge in Heilbronn

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Der Medizintechnikhersteller Xenios baut rund 30 Stellen am Standort ab. Das Geschäftsmodell soll "rentabel gestaltet" werden. Doch den Ausschlag hat möglicherweise die Krise des Mutterkonzerns Fresenius Medical Care gegeben.

Xenios ist im Zukunftspark Wohlgelegen Aushängeschild und Teil des neuen Medizintechnik-Clusters. Nun schließt das Unternehmen die Produktion in Heilbronn.
Xenios ist im Zukunftspark Wohlgelegen Aushängeschild und Teil des neuen Medizintechnik-Clusters. Nun schließt das Unternehmen die Produktion in Heilbronn.  Foto: Berger, Mario

Der Medizintechnikspezialist Xenios, Hersteller unter anderem von künstlichen Lungen, schließt seine Produktion in Heilbronn. Das Unternehmen gehört zum Dax-Konzern Fresenius Medical Care, der Xenios 2016 für einen dreistelligen Millionenbetrag dem Zukunftsfonds Heilbronn abgekauft hat. Die Standortgarantie, die damals gegeben wurde, ist abgelaufen.

Sozialplan wird verhandelt

Nach Informationen unserer Zeitung wurden vergangene Woche rund 30 Mitarbeiter in Heilbronn darüber informiert, dass sie ihren Arbeitsplatz im Zuge der Konsolidierung verlieren. Teilweise seien hier auch Beschäftigte mit Zeitverträgen betroffen, die keine Abfindung erwarten können.


Mehr zum Thema

Der Innovationspark mit dem Zukunftsfonds
Stimme+
Region
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Zukunftsfonds wird Firmen-Umzüge nach Heilbronn nicht mehr bezahlen


Xenios teilt auf Anfrage unserer Redaktion mit, dass noch nicht feststehe, wie viele Stellen wegfallen. Zudem heißt es in der Stellungnahme: "Wir werden eine sozialverträgliche Lösung in enger Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretern ausarbeiten."

Der Mietvertrag für die derzeitigen Räume konnte nicht verlängert werden

Hauptgrund für die Entscheidung sei allerdings, so erklärt das Unternehmen auf Stimme-Anfrage, dass die Nutzungsauflagen für die angemieteten Produktionsräume in Heilbronn eine Verlängerung des Mietvertrages unmöglich gemacht hätten.

Vermieter ist hier die Stadtsiedlung Heilbronn. Geschäftsführer Dominik Buchta bestätigt die Angaben, betont aber auch, dass die Stadtsiedlung frühzeitig das Gespräch mit dem Xenios-Vorstand gesucht habe. Aus fördertechnischen Gründen sei eine Verlängerung des bestehenden Mietvertrages im "EFRE-Fördergebäude WTZ II" nicht möglich gewesen.

Buchta betont aber, dass eine andere Lösung durchaus in Betracht gekommen wäre, wenn Xenios in Heilbronn hätte bleiben wollen. "Das Angebot wurde leider nicht angenommen."

Das Unternehmen soll Gewinne machen

Im Schreiben an die Mitarbeiter gibt Xenios-Chef Benjamin Waldmann als Begründung zudem an, dass das Betriebsmodell der Xenios AG bis 2025 rentabel gestaltet werden solle. Das sei ein Grund für die Konzentration der Produktion am Xenios-Standort Stolberg.

Fragen dazu lässt das Unternehmen unbeantwortet. Die implizite Andeutung, dass Xenios derzeit nicht rentabel sei, überrascht dennoch. In der Bilanz für 2020 ist noch ein relativ kleiner Jahresfehlbetrag von 2,5 Millionen Euro ausgewiesen. Die Bilanz 2021 wurde noch nicht veröffentlicht.

ECMO-Systeme hatten zur Pandemie ihren Durchbruch

Allerdings waren künstliche Lungen während der Corona-Pandemie sehr gefragt. Sowohl in den USA als auch in China wurden sogenannte ECMO-Systeme von Xenios zugelassen. Die Produktion sollte auf 500 Einheiten im Jahr verdoppelt werden und konnte die Nachfrage trotzdem nicht befriedigen.

Im Frühjahr 2021 hatte es einen Chefwechsel gegeben. Der Vorstandsvorsitzende Andreas Terpin verließ das Unternehmen. Terpin hatte mehrfach betont, welch zentrale Bedeutung Heilbronn für Xenios habe.

Die Situation wird derzeit durch die Durststrecke der Muttergesellschaft Fresenius Medical Care verschärft. Der Hersteller von Produkten rund um die Dialyse steckt tief in der Krise und hat seit Oktober einen neuen Chef. Michael Sen wolle "nach einer Gewinnwarnung durchgreifen", kündigte die "Frankfurter Neue Presse" vor drei Wochen an. Der Aktienkurs hatte da gerade den tiefsten Stand seit 2009 erreicht.

Zukunftsfonds sieht Chance, solange die Entwicklung in Heilbronn bleibt

Beim Zukunftsfonds Heilbronn, der Xenios unter dem Namen Novalung einst gekauft und nach Heilbronn geholt hatte, hat man aus betriebswirtschaftlicher Sicht Verständnis für den Schritt. ZFHN-Geschäftsführer Thomas Villinger glaubt, dass die Konsolidierung wichtig sei, auch um den Standort Stolberg auszulasten.

Wichtig sei aber, dass Forschung und Entwicklung in Heilbronn verbleiben. "Xenios passt damit sehr gut in das Heilbronner Ökosystem." Die Frage, ob die Entwicklung in Heilbronn bleibt, hat Xenios unserer Zeitung gegenüber allerdings nicht beantwortet.

 


Viele Dialyse-Patienten an Corona gestorben

Der Druck auf die Fresenius Medical Care (FMC) und deren Konzernmutter Fresenius ist groß. Beide Unternehmen stecken in der Krise. Zwei Gewinnwarnungen musste FMC innerhalb weniger Monate herausgeben. Zu schaffen macht dem Blutwäschespezialisten unter anderem die hohe Sterblichkeit der Dialyse-Patienten während der Corona-Pandemie.

Als Reaktion darauf kündigte das Unternehmen schon vor einem Jahr an, rund 5000 Stellen zu streichen. Nachdem sich die Situation bisher nicht grundlegend gebessert hat, sollen nun auch Tochterunternehmen veräußert werden. Xenios gehört nach derzeitigem Stand nicht dazu.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben