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Würth und der unerfüllbare Zehn-Prozent-Anspruch

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Der Schraubenhändler aus Künzelsau ist ein Schwergewicht in der Region, auch wenn er nicht jedes Jahr zweistellig wuchs. Am Ende geht es darum, profitabel zu bleiben.

Der Würth-Campus in Gaisbach: Aus der Luft wird die Größe des Unternehmens sichtbar. Weitere Baustellen sind bereits eröffnet.
Würth
Der Würth-Campus in Gaisbach: Aus der Luft wird die Größe des Unternehmens sichtbar. Weitere Baustellen sind bereits eröffnet. Würth  Foto: Würth

Es war ein Satz, der aufhorchen ließ und Widerspruch provozierte: "Ein Unternehmen, das nicht mit zehn Prozent wächst, ist krank." Manches Mal hat Reinhold Würth seine Aussage relativiert. Manches Mal hat er den Satz aber auch in seiner Zuspitzung verteidigt. Vor 20 Jahren hatte er die Botschaft in der ersten WirtschaftsStimme erstmals prominent verkündet.

Er räumte zugleich ein, dass damit nach seinen Maßstäben auch der Würth-Konzern "ein kleines bisschen krank" sei, wie er es an gleicher Stelle formulierte. Denn damals wie auch später wurden die zehn Prozent Wachstum nicht immer erreicht. Wer sich die Entwicklung des Unternehmens vor Augen führt, wird trotzdem kaum auf die Idee kommen, von einem kranken Unternehmen zu sprechen.

Belegschaft und Umsatz "nur" verdreifacht

Ziel verfehlt 2001 waren Rezessionstendenzen zu spüren, da stand Würth nicht allein. Trotzdem ging es bergauf. Im Ranking der WirtschaftsStimme 2001 wurden 4000 Mitarbeiter für die Region Heilbronn-Franken ausgewiesen. In diesem Jahr stehen hier 12.171 - eine Verdreifachung. Beim weltweiten Umsatz verhält es sich ähnlich. Von 5,1 auf 14,4 Milliarden Euro erhöhte er sich.

Allerdings: Wäre das Wachstum immer zweistellig gewesen, hätte es in 20 Jahren eine Versiebenfachung bedeutet. Das macht den Anspruch deutlich, an dem sich Würth-Manager messen lassen müssen.

Hinter den Zahlen stecken Menschen, steckt auch eine Bautätigkeit, die das Wachstum sichtbar macht. Am Heimatstandort Gaisbach breitete sich das Unternehmen Gebäude um Gebäude aus. Zuletzt wich man mit dem Neubau des zentralen Logistikzentrums in den nahen Gewerbepark Hohenlohe bei Waldenburg aus.

In Gaisbach dagegen entstehen derzeit das neue Entwicklungs- und Innovationszentrum samt Parkhaus, dazu ein neues Büro- und Verwaltungsgebäude. Für mehrere Hundert neue Arbeitsplätze wird ein dreistelliger Millionenbetrag gesetzt.

Großer Player, der sich um die Region sorgt

Die Größenordnungen zeigen, dass mit Würth in Hohenlohe ein zweiter starker Pol neben der Schwarz-Gruppe in Neckarsulm herangewachsen ist.

Beim Thema Bildung und insbesondere der Hochschulbildung wurden auch mit Unterstützung von Reinhold Würth erfolgreich die Außenstellen der Hochschule Heilbronn in Künzelsau und Schwäbisch Hall etabliert. Reinhold-Würth-Hochschule heißt der Campus in Künzelsau seit 2005.

Was Kunst und Kultur angeht, so lockt Würth mit jährlichem Open Air für Musikbegeisterte, mit Veranstaltungen im 2017 eröffneten Carmen-Würth-Forum in Gaisbach, mit den Ausstellungen im Museum Würth gleich daneben oder in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall.

Das alles ist mehr als Liebhaberei des Mäzens Reinhold Würth, es ist Teil einer Strategie, Leben und Arbeiten in einem Landstrich attraktiv zu machen, der noch vor wenigen Jahrzehnten vor allem landwirtschaftlich geprägt war. Geschäftspartner, Besucher und Neuankömmlinge lassen sich überraschen mit dem, was hier im ländlichen Raum alles geboten ist. Nicht nur bei der Gewinnung des Management-Nachwuchses sind solche weichen Faktoren wichtig.

Kontinuität ist bis auf weiteres gesichert

 Foto: Boris Schmalenberger

Dass Reinhold Würth seine Heimat am Herzen liegt, zeigt sich auch an der bereits 1997 auf die gemeinsame Initiative mit dem damaligen Gewerkschafter Frank Stroh gegründeten Verein Pro Region, der das Wir-Gefühl in Heilbronn-Franken stärken möchte.

Die Würth-Mitarbeiter aber sollen wissen: Das Unternehmen bleibt in Hohenlohe, und es bleibt in der Hand der Familie. Von Verlagerung ist nicht mehr die Rede, nachdem vor einigen Jahren der Bau einer zweiten Unternehmenszentrale in Rorschach in der Schweiz für Aufsehen sorgte.

72 Jahre arbeitet Reinhold Würth mittlerweile für seine Firma, seine Tochter Bettina Würth sorgt seit 2006 als Beiratsvorsitzende für Kontinuität. Die nächste Generation übernimmt ebenfalls schon Verantwortung. Nach der Decke strecken müssen sich die Mitarbeiter trotzdem, um den Vorstellungen des Eigentümers gerecht zu werden. Der hat seine Maßgabe von einst übrigens korrigiert. Heute sagt Reinhold Würth:

"Wachstum ohne Gewinn ist tödlich."

 
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