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Neues Werk eingeweiht: Würth-Tochterfirma Arnold soll noch einmal kräftig wachsen

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Das erste von wahrscheinlich vielen Gebäuden am neuen Standort des Umformtechnik-Spezialisten Arnold ist eingeweiht. Auch Reinhold Würth ist optimistisch, dass da noch mehr kommt.

Standort Rauhbusch in Forchtenberg: Hier produziert Arnold für die Automobilindustrie.
Standort Rauhbusch in Forchtenberg: Hier produziert Arnold für die Automobilindustrie.  Foto: Arnold

Der Bau ist beeindruckend. Doch erst auf dem Modell, das im dritten Stock des neuen Werks des Umformtechnik-Spezialisten Arnold in Forchtenberg steht, wird deutlich, was entsteht: Ein Vielfaches der jetzt geschaffenen Produktionsfläche soll hier in den kommenden zehn Jahren noch Platz finden.

Die Würth-Tochtergesellschaft macht somit auch Reinhold Würth viel Freude. Der hat zu der Firma ohnehin ein besonderes Verhältnis, wie er bei der Einweihung am Dienstag im Beisein von zahlreichen Gästen aus Wirtschaft und Politik betont.


Erweiterungsfläche für Arnold-Werk in Forchtenberg ist schon reserviert

Eigentlich hießt das Gewann hier "Am Galgenberg", wie der Stellvertreter des Landrats im Hohenlohekreis, Gotthard Wirth, erzählt. Nicht ganz passend, befand man bei den neuen Eigentümern. "Im Weitblick" heißt das Areal jetzt. Und das bezieht sich zum einen auf die Aussicht Richtung Heilbronn, die bei besserem Wetter phänomenal sein dürfte. "Das passt aber auch zu den Produkten von Arnold und zu allem, was damit verbunden ist", findet Würth-Chef Robert Friedmann.

So macht er Forchtenbergs Bürgermeister Michael Foss schon einmal Hoffnungen, dass nach dem Kauf von 36.000 Quadratmetern wohl auch noch die Erweiterung von 40.000 Quadratmetern von Arnold benötigt wird. Insgesamt Platz für 400 Arbeitsplätze.

Neues Arnold-Werk in Forchtenberg ist auf Automotive-Bereich ausgerichtet

25 Millionen Euro hat dieses erste Produktionsgebäude gekostet, ein zweites in gleicher Größe wird 2025 in Angriff genommen. Am Ende werden damit deutlich mehr als 100 Millionen Euro an diesem dritten Hohenloher Arnold-Standort investiert, wenn jetzt nicht die gesamte Automobilindustrie kippt. Denn auf Automotive ist dieses Werk ausgerichtet. Die ersten zwei Pressen produzieren bereits Verbindungselemente für die Batterien des Mercedes EQE, weitere vier Pressen sind vorgesehen. Alles ist hochautomatisiert.

Besondere, multifunktionale Teile, die in Präzision und Qualität besonders hohen Ansprüchen genügen, werden hier hergestellt. Verbindung und Befestigung in einem, mit zusätzlicher Verdreh- und Auszugsicherung, dazu häufig die Dichtung inklusive. Das wird gerade für Elektrofahrzeuge und insbesondere die Akku-Packs nachgefragt.

Tags zuvor kam ein neuer Auftrag aus der Türkei herein, wie Vertriebsleiter Mario Metzger verrät. Damit ist man künftig auch in Elektroautos der türkischen Marke Togg verbaut. In China ist Arnold ebenfalls im Geschäft – beispielsweise bei Nio, dessen Gründer William Li unlängst im Würth-Entwicklungszentrum Curio vorbeigeschaut hatte. Große Autozulieferer aus Deutschland sind dagegen gerade dabei, Preise zu drücken und Mengen zurückzufahren.

Firma Arnold als eine Perle der Würth-Gruppe

Arnold, der erste Schraubenproduzent in Hohenlohe und in diesem Jahr 125 Jahre alt, ist zu einer "Perle der Würth-Gruppe" geworden, wie Friedmann betont. Zum Umsatz der Gruppe, der in diesem Jahr die 20-Milliarden-Euro-Marke überschreitet, trug die Tochterfirma zuletzt 275 Millionen Euro bei. Wie profitabel Arnold ist, wird nicht verraten. Die Zufriedenheit auch beim Eigentümer spricht allerdings für sich.

Reinhold Würth erinnert sich in seiner Rede, wie er als Zehnjähriger mit seinem Vater schon Schrauben bei Arnold gekauft hatte, und wie er aus dieser Verbundenheit heraus 1994 entschied, den Nachbarn zu Hilfe zu kommen – in einer Zeit, da nicht sicher war, ob eine Schraubenproduktion in Deutschland noch Zukunft hat. Der Umsatz hat sich seitdem verzehnfacht.

"Arnold ist mutiert vom Din-Schrauben-Hersteller zum Spezialisten für hochkomplizierte Befestigungsteile", sagt Reinhold Würth. Und er ist sicher: "Das Unternehmen hat eine große Zukunft vor sich." Das freut auch Arnold-Chef Dirk Döllner, der aus einen Brief von Reinhold Würth aus dem Jahr 2001 zitiert. Schon damals hieß es: "Nicht zu klein denken."

Aufwendige Technik bei der Produktion

Auf 3400 Quadratmeter hat künftig eine Produktion mit sechs Pressen Platz, von denen jede rund fünf Millionen Teile jährlich herstellt. Massive Rohlinge aus Aluminium und Kupfer werden in bis zu 16 Schritten zu komplizierten Verbindungselementen umgeformt. "Das kann derzeit kein Wettbewerber", sagt der Arnold-Standortverantwortliche Lukas Schmieg.

Im Gegensatz zu anderen Verfahren bleibt dabei kaum Material übrig, das dann wieder aufwendig recycelt werden muss. Ebenfalls im Gebäude ist eine Entwicklungsabteilung. Standardteile gibt es hier nicht. Die Werkzeuge müssen dafür jeweils angepasst werden.

 
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