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Würth erreicht das Niveau eines guten Dax-Konzerns

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In schwierigem Umfeld macht das Unternehmen in vielen Bereichen Boden gut, auch wenn die Wachstumsraten etwas zurückgehen. Auch die Kasse stimmt. Würth Elektronik muss allerdings einen herben Rückschlag verkraften.

Roboter haben in weiten Teilen der Logistik längst viel Arbeit bei Würth übernommen. Das Unternehmen stellt dennoch weiter ein. Foto: Würth
Roboter haben in weiten Teilen der Logistik längst viel Arbeit bei Würth übernommen. Das Unternehmen stellt dennoch weiter ein. Foto: Würth  Foto: Scanner GmbH Kuenzelsau

Die Würth-Gruppe hat nach immensem Wachstum der Vorjahre nun einen Gang zurückgeschaltet. Der Umsatz wuchs im vergangenen Jahr um vergleichsweise magere 2,4 Prozent auf 20,4 Milliarden - dies allerdings unter widrigen Bedingungen. Damit hat es der Schraubenhändler aus Künzelsau allerdings geschafft, seinen Umsatz innerhalb von neun Jahren zu verdoppeln.

Würth: Sechs Milliarden Zuwachs in drei Jahren

Für Robert Friedmann gibt es noch eine Zahl, die die Entwicklung verdeutlicht: "In den vergangenen drei Jahren haben wir den Umsatz um sechs Milliarden erhöht", sagt der 57-Jährige, der seit 19 Jahren an der Konzernspitze bei Würth steht.

Mit diesen sechs Milliarden habe Würth nun wohl auch endgültig den Schritt vom Niveau eines MDax-Unternehmens hin zu dem eines Dax-Unternehmens gemacht. So haben die Künzelsauer beispielsweise fast aufgeschlossen zu großen börsennotierten Unternehmen wie Adidas oder Henkel - und viele andere im Deutschen Aktienindex bereits überholt.

Entscheidend aber ist: Es soll so weitergehen. Kurzfristig nicht mehr ganz so schnell. Für das laufende Jahr rechnen Friedmann und sein Finanzchef Ralf Schaich mit einem Wachstum im mittleren einstelligen Bereich. Momentan, das lassen die zwei durchblicken, gebe es einen Durchhänger. Doch weil die Inflation sinkt, werde auch bald das Zinsniveau wieder sinken. "Wir hoffen, dass die Geschäfte ab der zweiten Jahreshälfte wieder anziehen."


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Genug Geld für Zukäufe in der Kasse

20 Jahre ist Ralf Schaich schon bei Würth, seit einem dreiviertel Jahr trägt er nun als Finanzchef "in einem wirtschaftlich herausfordernden Umfeld" Verantwortung. Dass ihm das keine schlaflosen Nächte bereitet, liegt wohl auch daran, dass "das Unternehmen von der Familie Würth gestützt ist und ein stabiles Geschäftsmodell hat", wie er betont.

Ganz oben bei ihm auf der Agenda stehe, das Unternehmen liquide zu halten. "Wir haben eine Kasse, die es uns auch ermöglicht, solche Akquisitionen wie jetzt in Italien zu stemmen."

Gerade hat Würth schließlich verkündet, die Mehrheit am italienischen Elektrogroßhändler IDG01 übernommen zu haben (siehe Berichterstattung auf der Titelseite) - ein Zukauf, der dem Muster der Würth"schen Expansionsstrategie entspricht. "Für uns groß", wie Robert Friedmann betont, "aber eben auch kein Mega-Merger." Mit dem Unternehmen und seinen knapp 600 Mitarbeitern rückt die Würth-Gruppe im weiterhin boomenden Elektrogroßhandel vom sechsten auf den fünften Platz in Italien.

Chemie gut, Handwerk gut, Sorgen bei der Elektronik

Was die Geschäftsbereiche anbelangt, entwickelte sich die Würth-Linie Handwerk mit 3,4 Prozent Umsatzplus weiterhin gut. Der Bereich Chemie entwickelte sich ebenfalls sehr erfreulich mit plus 7,5 Prozent.

Nach mächtigen Wachstumssprüngen macht derzeit nur die Würth Elektronik Sorgen. Die Tochter musste nach Wachstumsraten von 37 Prozent 2021 und 23 Prozent 2022 nun einen Rückgang von zehn Prozent verkraften. "Das erzeugt Stress für alle", räumt Friedmann ein.

Es wird dennoch weiter investiert

Doch auch hier will das Management nicht überstürzt reagieren, schließlich sei nicht klar, ob die Konjunktur verantwortlich ist oder ob die Kunden nun vor allem ihre vollen Lager räumten. Immerhin sei man auch hier in der Lage gewesen, Marktanteile hinzuzugewinnen. "Wir halten an unseren Investitionsplänen für die Würth Elektronik Eisos in Waldenburg fest, wo ein Technologiezentrum entstehen soll. Die Vorbereitungen laufen auf Full Speed."

Starker Heimatmarkt

Positiv ist die Entwicklung der Würth-Gesellschaften in Deutschland. Die Unternehmen erzielten einen Umsatz von 8,3 Milliarden Euro. Das entspricht einem Wachstumsplus von 5,6 Prozent, das ist deutlich mehr als im Ausland (plus 0,3 Prozent). Das E-Business bei Würth wuchs um weitere 10,4 Prozent. Mit 4,6 Milliarden Euro konnte der Anteil auf 22,4 Prozent am Gesamtumsatz erhöht werden. Von den mehr als 87.000 Mitarbeitern bei Würth arbeiten 44.000 im Vertrieb.

 

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