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Besuch im Curio zeigt die Vielfalt von Würth

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Neues aus der Dübelhalle: Lesersommer-Aktion bietet Einblicke in das Innovationszentrum des Befestigungsspezialisten Würth, der längst mehr als ein Schraubenhändler ist.

Das 75 Millionen Euro teure Innovationszentrum Curio von Würth.
Das 75 Millionen Euro teure Innovationszentrum Curio von Würth.  Foto: Gleichauf, Christian

Arbeiten durfte Lothar Stockert nicht mehr in dem neuen Innovationszentrum, das er in Teilen mitgeplant hat. Bereits 2020 ist der ehemalige Entwicklungsleiter Chemie bei der Adolf Würth GmbH & Co. KG in den Ruhestand gegangen. Um dennoch mitzuerleben, wie das Gebäude mit Leben gefüllt wird - und vielleicht auch für seine Tochter Kathrin Stockert, die das Besuchermanagement leitet - führt er heute wieder einmal Gäste durch das Innovationszentrum: 20 Leser der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung/Kraichgau Stimme.

Innovationen müssen geschützt werden

Höhepunkt einer jeden Führung ist die Dübelhalle, wenn sie denn wie an diesem Freitag geöffnet ist. Das ist nicht selbstverständlich. "Wir müssen schon auch auf den Innovationsschutz achten", sagt Stockert.

So dürfen beispielsweise in den Gebäudeteil, wo in Kooperation mit den Universitäten geforscht wird, oder in die Labore grundsätzlich keine Besucher. Damit bloß niemand mit den Augen stiehlt, oder mit versteckten Kameras. Denn auch das Fotografieren ist ab der Zugangsschleuse nicht mehr erlaubt.

Der technische Vorsprung, so erzählt der 68-Jährige, sei meist ohnehin nur von kurzer Dauer. "Irgendwann ziehen die Wettbewerber nach." Dann braucht es die nächste Innovation.

Ein Klebstoff ohne Lösungsmittel

Beim Klebstoff sei das zuletzt wieder gelungen, wie die Gruppe im Bereich der Chemielabore erfährt. Während in der Regel Lösungsmittel notwendig sind, um aus dem Chemikalienmix einen Kleber zu machen, setzt Würth auf Material, das unter Ultraviolettem Licht seine Klebeeigenschaften entfaltet.


Rund ein Viertel der Produkte, die Würth heute verkauft, hat das Unternehmen selbst hergestellt. Ein weiterer Teil ist zumindest selbst entwickelt. "Schraubenhändler" greift als Beschreibung also eigentlich zu kurz. Produziert wird auch in der Region: Schrauben in Waldenburg, Klebstoff in Öhringen.

Die Neugier hat das Ehepaar Reber aus Flein nach Gaisbach getrieben, und beide wurden nicht enttäuscht. "Ich arbeite in einer Apotheke und habe mich gefreut, hier auch ein Spektrometer zu sehen", sagt Renate Reber. Heinz Reber hat einst Kfz-Mechaniker gelernt und Würth-Produkte in der heimischen Werkstatt. "Ich habe einiges gewusst, aber auch einiges dazugelernt."

200 Tonnen Druck auf den Bauteilen

Etwa in der Dübelhalle, die jetzt offiziell so heißt. In der Bauphase hatten die Verantwortlichen noch überlegt, ob man eine so anspruchsvolle Testumgebung auf 1450 Quadratmetern einfach Dübelhalle nennen kann. Doch da hatte sich der griffige Begriff schon eingebürgert. Und natürlich geht es hier auch um Dübel.

Unter den technisch Versierten entspinnt sich eine Diskussion über Schrauben, Anker und Befestigungen, die mit oder ohne Dübel funktionieren. Lothar Stockert zeigt in der Halle zudem den "Durchspannboden", wo ein mächtiger hydraulischer Pressstempel Betonteile mit 200 Tonnen Druck traktiert - so lange eben, bis sie brechen.

Marcel Braun aus Neckarwestheim ist Elektroniker in der Instandhaltung bei Mercedes in Stuttgart. "Auch wir arbeiten mit Würth-Produkten", sagt der Neckarwestheimer. Zum wiederholten Mal war er nun schon beim Stimme-Lesersommer. Audi, A6-Baustelle - "es war immer interessant".

Keine Erdbeben-Simulation

Mit einer Fehlinformation räumte Lothar Stockert bei seiner Führung durch das Innovationszentrum auf: Dass in der Dübelhalle auch Erdbeben simuliert werden können, das sei nicht richtig. Zwar könnten große Bauteile hier auch in Schwingung gebracht werden, doch zu einer Simulation von Erdbeben gehöre noch viel mehr. "Das können wir hier leider nicht", so Stockert.

 
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