Würth-Geschäft läuft ungebremst Richtung Rekord
Konzernchef Robert Friedmann geht auch für das Gesamtjahr von Spitzenwerten bei Umsatz und Gewinn aus. Zum Halbjahr wurden schon mal alle Prognosen übertroffen. Eine harte Landung sei dennoch möglich, so seine Warnung.

Reinhold Würth hatte es im Stimme-Interview vor einer Woche schon angekündigt. Es dürfte einen neuen Rekordumsatz und auch einen Rekordgewinn im Jahr 2022 für die Würth-Gruppe geben. Die Halbjahreszahlen übertreffen jedenfalls die Erwartungen, die man an ein Unternehmen in diesen unsicheren Zeiten haben kann.
Bei den Prognosen eigentlich immer vorsichtig
Das sieht auch Robert Friedmann so: "Wir kratzen zum Halbjahr an den zehn Milliarden Euro Umsatz, das hätten wir so nie gedacht", sagt der Sprecher der Konzernführung der Würth-Gruppe im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Um 18,4 Prozent ging es hier gegenüber dem Vorjahreszeitraum nach oben.

Mit 20 Milliarden Euro zum Jahresende rechnet der Konzernchef trotzdem nicht, 19 Milliarden erscheinen ihm realistischer. Doch auch im vergangenen Jahr hatte er mit 16 Milliarden vorsichtig kalkuliert. Am Ende standen 17,1 Milliarden zu Buche.
Noch keine Bremsspuren beim "Spätzykliker"
Doch dieses Jahr kommen zu den Pandemierisiken noch die Inflation und Währungsprobleme, wie er ausführt, ganz zu schweigen von den Kriegsfolgen. Etwas Vorsicht erscheint Friedmann da angebracht.
Wobei er auch sagt, dass sich in den Zahlen noch keine Bremsspuren zeigten. "Aber wir sind Spätzykliker." Wenn andere Branchen bereits ächzen, läuft es beim Schraubenhändler aus Künzelsau eben noch. Umgekehrt könnte es irgendwann dann auch wieder dauern, bis der Aufschwung sich bemerkbar macht. In die Überhitzung, die Friedmann vor einigen Monaten noch möglich erschien, laufe man nun aber nicht mehr hinein.
1500 offene Stellen weltweit im Konzern
Neue Mitarbeiter für das wachsende Geschäft hat Würth gefunden. Auf mehr als 84 000 ist auch diese Zahl gewachsen, um mehr als 6000 innerhalb von zwei Jahren. Rund 1500 Stellen sind derzeit weltweit offen. "Wenn aber die Gasversorgung zusammenbricht, wenn der Krieg sich ausweitet, dann haben wir eine relativ schnelle, harte Landung", sagt Friedmann.
Wie Reinhold Würths Aussage zu den roten Zahlen einzuordnen sind
Dann könnte es passieren, dass das Unternehmen erstmals in seiner Geschichte rote Zahlen schreibt, so wie Reinhold Würth es gerade formulierte. Doch damit rechnen würde man derzeit nicht, sagt Friedmann.
"Er ist Unternehmer, und sein Bestreben ist es auch, die gesamte Organisation zu sensibilisieren für das, was jetzt kommen kann." Man trete womöglich in eine neue Phase ein. Noch ist Würth aber auch beim Gewinn auf Rekordkurs. In den ersten sechs Monaten kamen 720 Millionen Euro zusammen, 200 Millionen mehr als vor Jahresfrist.
Auf den drohenden Gaslieferstopp bereitet sich Würth ebenfalls vor. So werden beispielsweise bei den Töchtern SWG oder Arnold Öfen bisher mit Gas betrieben und sollen nun auf Strom umgerüstet werden. "Das kostet mehr, stellt aber sicher, dass wir lieferfähig sind."
In Amerika steil bergauf
Besonders positiv hat sich das Geschäft in den ersten Monaten in Italien entwickelt, mit einem Plus von 22 Prozent. In Nordamerika ging es um 38 Prozent nach vorn, in Südamerika - auf niedrigerem Niveau - um 44 Prozent. In den letzten beiden Fällen zehren aber die Umrechnungskurse an den Zugewinnen. Bereinigt bleiben trotzdem noch 24 beziehungsweise 31 Prozent Wachstum.
In Deutschland legte der Umsatz um 12,7 Prozent auf 3,9 Milliarden zu. Die Verunsicherung am Bau hat auch hier noch nicht durchgeschlagen, zudem sind die Würth-Produkte im verarbeitenden Gewerbe und bei Werkstätten gefragt. Insgesamt gewann der Konzern 50 000 neue Kunden hinzu. "Das zeigt, dass wir bei der Lieferfähigkeit wohl besser dastehen als der Wettbewerb", erklärt Friedmann.
Das Geschäft im Elektrogroßhandel wuchs um 25 Prozent, die Elektroniksparte mit Leiterplatten, Steuerungssystemen und dem Geschäft der Würth Eisos legte sogar um fast 30 Prozent zu.
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