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Würth Elektronik setzt zum nächsten Sprung an

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Die Gruppe hat das Corona-Jahr für Kundenakquise und Projektentwicklung genutzt. Der Vorlauf trägt jetzt schon Früchte. Millioneninvestitionen kommen Standorten in München und in Hohenlohe zugute.

Innovation festigt die Position im Markt: Im Labor von Würth Elektronik werden neue elektronische Bauteile entwickelt und getestet.
Fotos: Würth Elektronik
Innovation festigt die Position im Markt: Im Labor von Würth Elektronik werden neue elektronische Bauteile entwickelt und getestet. Fotos: Würth Elektronik  Foto: privat/Würth Elektronik

Es liegt wohl vor allem an den Produkten. Während sich unter einem "Schraubenhändler" jeder etwas vorstellen kann - auch wenn die Würth-Gruppe längst mehr ist als das -, können Laien mit dem, was die Würth-Elektronik-Sparte mit Sitz in Hohenlohe bietet, oft wenig anfangen. Rosig sind die Aussichten für das Geschäft mit Leiterplatten und Co. trotzdem. Und das in einem angespannten Marktumfeld, das besondere Chancen bietet.

Kommt die Sprache auf Bauteile wie "Übertrager", "Powerelemente" oder "Slim-Flex-Leiterplatten", sinkt das Interesse an weiteren Ausführungen oftmals rapide. Das haben die drei Geschäftsbereichsleiter Jörg Murawski, Jürgen Klohe, zuständig für die Sparten CBT und ICS, sowie Thomas Schrott von Würth Elektronik Eisos, schon häufiger erlebt.

Auch hier braucht es starke Vertriebsmitarbeiter

Mit dem klassischen Würth-Geschäft hat Würth Elektronik wenig zu tun. Andere Produkte, andere Kunden - und trotzdem gibt es auch hier einen starken Direktvertrieb, das Herzstück einer jeden Würth-Welt. Genau genommen gibt es sogar fünf unabhängige, starke Direktvertriebe.

"Die meisten Wettbewerber gehen über Wiederverkäufer, wir bei Würth Elektronik wenden uns direkt an unsere 40.000 Kunden weltweit", sagt Eisos-Chef Schrott, dessen Sparte allein schon drei Vertriebe hat. So ist man nahe dran an den Wünschen, weiß frühzeitig von den Bedürfnissen.

Die Umsatzmilliarde rückt näher

Die Nähe zum Kunden hat sich im vergangenen Jahr bezahlt gemacht. Der Umsatz blieb stabil bei 823 Millionen Euro - fast eine Punktlandung auf dem Vorjahreswert. Zum Gewinn wird geschwiegen.

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Im laufenden Jahr könnten die Umsatzzuwächse aber im zweistelligen Prozent-Bereich liegen, "wenn es so weitergeht wie in den ersten Monaten", deutet Thomas Schrott an. Die Umsatzmilliarde rückt also näher.

Druck und Chance: Höhere Kosten, höhere Preise

Würth-Chef Robert Friedmann hatte schon vor einem Jahr angekündigt, dass zwar der Elektronik-Markt schrumpfe, die eigene Sparte aber Marktanteile gewinne. In der Pandemie war vielen Firmen besonders wichtig, dass sie überhaupt beliefert werden, um selbst produzieren zu können. Engpässe sollten um jeden Preis vermieden werden.

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Nun können die Früchte der Vorarbeit geerntet werden. Die Nachfrage steigt, und mit ihr auch die Kosten. Damit gilt es, nun auch höhere Preise bei den Kunden durchzusetzen. Es ist eine der zweischneidigen Überraschungen, die diese Pandemie auch bietet.

Langjährige Manager an der Spitze

Klohe ist seit 44 Jahren dabei, Murawski seit 40 und Schrott immerhin seit 25 Jahren. Das sind lange Zeiträume in einem Unternehmen, das von Innovationen lebt.

Würth Elektronik bleibt hier dran und hat auch deshalb 2019 ein eigenes "Würth Elektronik Innovationszentrum" an der Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau eröffnet. Gerade hat das Magazin "Capital" die Gruppe in die Liste der innovativsten Unternehmen in Deutschland aufgenommen.

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Die Konkurrenz aus Asien ist im globalen Markt zwar übermächtig, doch für passgenaue, qualitativ hochwertige Lösungen gibt es weiterhin einen Markt, auf dem man auch mit Produkten "Made in Germany" konkurrenzfähig ist. In Europa ist Eisos einer der größten Hersteller von Bauelementen, CBT der größte Hersteller von Leiterplatten.

Die Kunden müssen für Neuerungen bereit sein

Express für elektronische Bauteile: Vollautomatisch sausen die Shuttles durchs Logistikzentrum von Würth Elektronik in Waldenburg.
Express für elektronische Bauteile: Vollautomatisch sausen die Shuttles durchs Logistikzentrum von Würth Elektronik in Waldenburg.  Foto: privat/Stefan Kiefer

Für die Leiterplattenproduktion kommt beispielsweise der 3D-Druck längst zum Einsatz. Doch bis er für flexible, mehrschichtige Leiterplatten in größerem Maßstab genutzt wird, könnte es noch zehn oder 20 Jahre dauern, schätzt Murawski. "Wir kennen unsere Kunden." Diese müssten solche Umstellungen einfordern und mittragen.

Nebenbei sei es nicht so einfach, die Eigenschaften von Kupfer mit druckbaren Materialien abzubilden. Der Ausflug in die Solarzellenproduktion, den Murawski 2013 beendete, brachte auf dem Gebiet der Dünnschichtzellen einiges Know-how in den Konzern. Ein Comeback schließt er übrigens trotz der hohen Nachfrage nach Photovoltaik aus.

Investition in Entwicklungszentrum in München

Investiert wird bei Würth Elektronik in Menschen sowie in Forschung und Entwicklung und natürlich auch in Produktion. Der ländliche Raum in Hohenlohe und die Metropolen passen, was die Mitarbeitergewinnung angeht, nur bedingt zusammen.

Das hat auch Konzernpatriarch Reinhold Würth erkannt. Ein hoher zweistelliger Millionenbetrag wird deshalb in ein neues Entwicklungszentrum in Freiham bei München investiert. Es soll in der ersten Ausbaustufe Ende 2022 eröffnen und 250 Ingenieuren Platz bieten. Die zweite Ausbaustufe würde das noch einmal verdoppeln.

Werke an ihren Kapazitätsgrenzen

In den USA hat ICS mit 50 Mitarbeitern gerade ein neues Gebäude bezogen, die Produktionsfläche verdoppelt. "Auf dem US-Markt gibt es viel Luft nach oben", sagt Jürgen Klohe.

Potenzial gibt es auch an den Hohenloher Standorten. Bei ICS in Waldzimmern könnte 2023 die nächste Erweiterung anstehen. In Waldenburg, wo in fünf Jahren die Mitarbeiterzahl verdoppelt wurde, nähert sich Eisos der Kapazitätsgrenze. Sechs bis zehn Prozent des Umsatzes würden investiert, erzählt Thomas Schrott - allein in diesem Jahr mehr als 50 Millionen Euro.

 

Die drei Sparten von Würth Elektronik

Die Würth-Elektronik-Gruppe (WE) gehört zu den fünf größten Arbeitgebern im Hohenlohekreis. WE gliedert sich in drei Geschäftsbereiche.

CBT
Leiterplatten kommen von CBT, das für Circuit Board Technology steht. 320 Mitarbeiter sind in Niedernhall beschäftigt - nach einem Brand 2014 wurden mehr als 100 Stellen nach Asien verlagert. Dort befindet sich heute das modernste Leiterplattenwerk Europas. Zusätzlich beschäftigt CBT rund 150 Mitarbeiter in Rot am See.

Eisos
WE Eisos in Waldenburg produziert Bauteile, die Kunden dann gegebenenfalls auf die Leiterplatten von CBT löten. Eisos ist der größte der drei Geschäftsbereiche und hat auch das größte Werk in der Region mit rund 600 Mitarbeitern.

ICS
Die kleinste Einheit ist ICS, das für "Intelligent Power and Control Systems" steht und vor allem Nutzfahrzeughersteller beliefert. Von ICS mit 320 Mitarbeitern in Niedernhall-Waldzimmern kommen beispielsweise Komponenten zur Steuerung der Stromversorgung in Fahrzeugen.

 
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