Wie der Öhringer Schulmöbelhersteller wieder profitabel wurde
Der Öhringer Schulmöbelhersteller Hohenloher setzt nach dem Stopp hochfliegender Expansionspläne erfolgreich auf Komplettlösungen für Klassenzimmer und Arbeitsplatz - und konzentriert sich auf den Heimatmarkt. Ein Gespräch mit Geschäftsführer Dirk Jägers.

Große Pläne hatte der Öhringer Schulmöbelhersteller Hohenloher, nachdem er 2014 durch den kleineren Wangener Konkurrenten Waldner übernommen worden war. Der Umsatz sollte sich verdoppeln, neues Personal wurde eingestellt, es gab Neubaupläne. Dann kam 2018 der neue Geschäftsführer Dirk Jägers und musste die Notbremse ziehen, wie er selbst sagt. Schnelles Wachstum ist jetzt nicht mehr das Thema, sondern solides Wirtschaften und die Rückkehr in die Gewinnzone. Immerhin: Corona zeigt keine Wirkung, zumindest keine negative.
Wechsel auf dem Chefsessel in kurzen Abständen vor und nach der Übernahme durch Waldner sind ein Indiz, dass es über Jahre nicht rund lief bei Hohenloher. Die schlecht vorbereitete Einführung von neuer Unternehmenssoftware bekamen auch Kunden zu spüren. Jägers lässt ansatzweise durchblicken, dass Managemententscheidungen mitverantwortlich waren für die Schieflage, in der sich die Firma befand.
Schnell wurden Weichenstellungen notwendig, auch schmerzhafte. "Es war eine härtere Restrukturierungsphase", sagt der 56-Jährige. Die Mitarbeiterzahl sank von 325 auf 225, der Standort Ilmenau wurde geschlossen, vieles verschlankt, neue Geschäftsfelder erschlossen.
Kreatives Arbeiten wird ermöglicht

Nicht nur Schulen werden nun beliefert, sondern auch Industriebetriebe. Die kreativen Ecken, die Hohenloher vermarktet, werden auch im eigenen Unternehmen genutzt - mit dem Laptop auf dem Schoß telefoniert da ein junger Mitarbeiter mit einem Kunden, so wie man es sich vorstellt bei einem modernen Arbeitgeber.
Nicht alles im Unternehmen ist so modern. Maschinenpark und Gebäude sind in die Jahre gekommen. Trotzdem läuft in den Werkhallen vieles automatisiert. Laserschneidegeräte verrichten ihre Arbeit, ebenso ein Schweißroboter. Anderes bleibt Handarbeit. "Wir legen den Fokus derzeit auf die Innovation von Produkten, weniger auf Investitionen in Anlagen", sagt Jägers.
Der Chef vertraut auf Nachwuchskräfte

Dazu hat er jüngeren Mitarbeitern Verantwortung übertragen, etwa Produktionsleiter Manuel Knaus, der mit 26 Jahren noch zum Nachwuchs zählt und doch schon seit sieben Jahren im Unternehmen ist. In der Endmontage zeigt er die Medienstationen, die für Hohenloher zu den wichtigsten Innovationen gehören.
Das Flaggschiff ist der "Fly One", ein motorisiert von der Decke herabdrehender Apparat, der in Chemie- und Physiksälen bis zu vier Arbeitsplätze mit Luft, Strom, Gasen oder Daten versorgt. Der naturwissenschaftliche Bereich spielt eine wichtige Rolle. "Es geht nicht mehr nur um Schulbänke. Wir sind Komplettausstatter von der Grundschule bis zur Universität", sagt Knaus. Stühle und Bänke machen maximal noch 20 Prozent des Umsatzes aus.
Flexibilität und Design haben ihren Preis

Die Ausrüstung eines Raumes mit dem Fly One schlägt dagegen durchaus mit 70.000 bis 80.000 Euro zu Buche. Günstiger geht es mit dem einfachen Powerlift - eine Variante, die auch in Werkstätten wie hier zum Einsatz kommt. So können Räume flexibel genutzt werden.
Um in so einem Markt erfolgreich bestehen zu können, braucht es viel didaktische Kompetenz, wie sie der frühere Geschäftsführer Wilhelm Schaffitzel besitzt. Er ist dem Unternehmen bis heute verbunden über die von ihm gegründete Hohenloher Academy.
Seit Anfang des Jahres kümmert sich zudem Dirk Suhr um das Thema Bildungskonzepte. "Wir wollen immer einen Schritt voraus sein, um den Schulen das Passende anbieten zu können", sagt Dirk Jägers. Der Trend zur Digitalisierung, der in der Corona-Krise spürbar wurde, hat für das Spezialmöbelwerk noch keine konkreten Auswirkungen. "Aber wir machen uns natürlich Gedanken, was das für uns bedeutet", so Jägers.
Export-Pläne wurden gestoppt
Die Pläne, weltweit zu expandieren, hat er übrigens gleich überwiegend gestoppt. Die eigenen Außendienstler in Fernost und anderen Teilen der Welt wechselten zur Schwesterfirma Waldner Laboreinrichtungen, die nun im Ausland auch Hohenloher-Produkte mitvertreibt. Der Export-Anteil liegt so bei gut 15 Prozent.
Doch die Pläne, damit noch einmal 40 Millionen Umsatz generieren zu können, sind ad acta gelegt. "Wir planen jetzt realistisch mit Umsätzen für das Gesamtunternehmen knapp unter 50 Millionen Euro", sagt Jägers. Dafür erwartet er dieses Jahr erstmals seit langem wieder schwarze Zahlen. Wenn es gut läuft. kratzt die Firma an der Million. "Damit kann man wieder notwendige Investitionen stemmen."
Von der Schule in die Industrie
Das Hohenloher Spezialmöbelwerk Schaffitzel blickt auf eine 140-jährige Geschichte zurück und ist bis heute Marktführer bei Schulmöbeln in Deutschland. Die Profitabilität ließ allerdings zu wünschen übrig, sodass sich die langjährige Eigentümerfamilie Schaffitzel 2014 zum Verkauf entschloss. In der Unternehmensgruppe Waldner wurde Hohenloher mit seinen Schulmöbeln ein wichtiges Standbein neben der wichtigsten Sparte Laboreinrichtungen sowie den Sparten Prozesstechnik und Abfüllanlagen sowie der bestehenden kleineren Schulmöbeltochter.
In den vergangenen Jahren entwickelte sich auch eine sehr produktive Partnerschaft mit dem Esslinger Automatisierungsspezialisten Festo. Dessen Tochterunternehmen Festo Didactic baut auf das Know-how und die Komponenten von Hohenloher. Das Arbeitsplatzsystem Festo Frameline etwa, an dem Azubis in Industrieunternehmen üben und arbeiten, wird komplett in Öhringen gefertigt.

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