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Wer drucken will, braucht Papier

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Die Druckerei Schweikert ist mit vielen Investitionen und einem glücklichen Händchen erfolgreich unterwegs. Angesichts vieler Lieferengpässe macht sich gute Lagerhaltung bezahlt.

Trotz aller Technik ist Erfahrung gefragt. Jürgen Schweikert (rechts) und sein Neffe Maximilian Koch am Leitstand der großen Offsetdruckmaschine.
Christian Gleichauf
Trotz aller Technik ist Erfahrung gefragt. Jürgen Schweikert (rechts) und sein Neffe Maximilian Koch am Leitstand der großen Offsetdruckmaschine. Christian Gleichauf  Foto: Gleichauf, Christian

Beim Gang durch die Werkshalle wird Jürgen Schweikert immer wieder von seinen Mitarbeitern angesprochen. Wie ist hier das Maß? Wie bewertet er da die Qualität? Hier bräuchte es noch eine Unterschrift. Seit 32 Jahren arbeitet der 53-Jährige in dem Unternehmen, das sein Vater Karlhans 1987 gegründet hatte. Entsprechend groß ist sein Erfahrungsschatz.

3000 Tonnen Papier im Jahr werden bedruckt

Er hat eben alles mitgemacht. Wie nach der ersten Druckmaschine, die noch in einer Garage in Weiler stand, 1989 die erste Zweifarben-Maschine im Großformat angeschafft wurde. Wie der Betrieb sich stetig vergrößerte, 2014 nach Eschenau umzog und heute mit 60 Mitarbeitern und einem riesigen Maschinenpark einen höheren einstelligen Millionen-Umsatz erwirtschaftet. Mehr als 3000 Tonnen Papier verdruckt er pro Jahr.

Diese Maschine von 1960 ist für Stanz- und Prägearbeiten noch immer im Einsatz.
Diese Maschine von 1960 ist für Stanz- und Prägearbeiten noch immer im Einsatz.  Foto: Gleichauf, Christian

Die Klippen, an denen zahlreiche Druckereien auch in der Region in den vergangenen Jahren hängen geblieben sind, hat Schweikert zielsicher umschifft. Manche Gelegenheit erwies sich dabei als Glücksfall. Als der Buchbinder, mit dem er zusammenarbeitete, 2003 aufgeben musste, falzte und heftete Schweikert fortan selbst. Heute macht dieser Bereich die Hälfte des Geschäfts aus.

Gut aufgestellt in der Region der Weltmarktführer

Eine ähnliche Situation gab es 2019, als sich Walter Medien in Brackenheim neu aufstellte und die Druckerei verkaufte. Schweikert übernahm Maschinen, Mitarbeiter und Aufträge - und fuhr gut damit. "Das hat uns in der Corona-Krise eine relativ gute Auslastung gebracht, wir brauchten keine Kurzarbeit."

Inzwischen zieht das Geschäft ohnehin wieder an - so wie bei der Kundschaft. Zu der gehört so ziemlich das gesamte Who-is-who aus der Region der Weltmarktführer. Ob Geschäftsberichte für Würth, Broschüren für Lidl oder postkartenähnliche Mailings für Afriso aus Güglingen - Schweikert bedient sie alle.

Regelmäßige Millionen-Investitionen sind notwendig

Ines Kauzor falzt, was die Maschinen nicht hinbekommen.
Ines Kauzor falzt, was die Maschinen nicht hinbekommen.  Foto: Gleichauf, Christian

Er kann das auch deshalb, weil er seinen Maschinenpark ständig erweitert. Das heißt, inzwischen ist die Halle voll, so dass auch wieder aussortiert werden muss, wenn Neues hinzukommt. Selbst Duftlack kann er zu Papier bringen. "Da riecht dann die ganze Halle danach", erzählt Schweikert.

Die jüngste Großinvestition war die Acht-Farb-Maschine - natürlich eine Heidelberger Druck - für 3,5 Millionen Euro. Von Miet-Modellen hält er nicht viel. "Ich kaufe die Maschinen immer noch gerne selbst."

Wie das sein jüngster Neuzugang einmal sieht? Seit September ist Jürgen Schweikerts Neffe Maximilian Koch mit in der Firma. "Er ist die dritte Generation in unserem Familienunternehmen", sagt Jürgen Schweikert. Koch hat früh seine Begeisterung fürs Drucken entdeckt. "Es ist mein Traumberuf", sagt der 24-Jährige.

Auf die Lehre bei Cartondruck - heute Westrock - in Obersulm-Willsbach setzte er den Druck- und Medientechniker obendrauf. Mit dem bayrischen Meisterpreis schloss er die zweijährige Ausbildung in diesem Sommer ab.

Mit Beratung der Konkurrenz im Netz begegnen

Derzeit arbeitet er sich in alles ein. Die konventionelle Offset-Drucktechnik gehört ebenso dazu wie der Digitaldruck. mit dem Schweikert Auflagen bis 200 Stück bedient. In den Preiskampf geht er damit allerdings nicht. Mit Billiganbietern, die übers Internet verkaufen, will er nicht konkurrieren. "Bei uns gibt es Beratung", sagt Schweikert.

Angesichts der Lieferschwierigkeiten auch beim Papier lebt er auch von einem gut sortierten Lager. "Auf manche Sonderformate muss man inzwischen sechs bis acht Wochen warten." Nicht bei Jürgen Schweikert.

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