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Startup Markt-Pilot arbeitet mit Maschinenbauer Vollert zusammen

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Hans-Jörg Vollert sieht die Zusammenarbeit seines Maschinenbauunternehmens mit Startups mit gemischten Gefühlen. Ein Mehrwert ist aber auf mehreren Ebenen möglich, so wie in der Kooperation mit dem Startup Markt-Pilot des Beilsteiners Tobias Rieker.

Tobias Rieker zeigt auf dem Laptop, wie sich die Preise für Ersatzteile entwickeln. Für Hans-Jörg Vollert ein Tool, das sich in kurzer Zeit bezahlt macht.
Foto: Christian Gleichauf
Tobias Rieker zeigt auf dem Laptop, wie sich die Preise für Ersatzteile entwickeln. Für Hans-Jörg Vollert ein Tool, das sich in kurzer Zeit bezahlt macht. Foto: Christian Gleichauf  Foto: Gleichauf, Christian

Der Maschinenbauer Vollert in Weinsberg hat so seine Erfahrungen mit Startup-Unternehmen gemacht. "Da waren viele dabei, die hatten super Ideen", sagt Unternehmenschef Hans-Jörg Vollert. "Doch oft fehlte für uns die Anwendung." Wie bei jeder geschäftlichen Zusammenarbeit müsse es für beide Seiten einen Mehrwert geben - auch finanziell. Daneben könne ein etabliertes Unternehmen aber durchaus auch von der Dynamik eines jungen Unternehmens profitieren.

Preisvergleich aus einer anderen Perspektive

Eine solch fruchtbare Beziehung könnte die Zusammenarbeit von Vollert mit dem Startup Markt-Pilot werden. Die Idee der jungen Firma: Maschinenbauern Transparenz schaffen, zu welchen Preisen ein Ersatzteil am Markt gehandelt wird, damit sie die eigenen Preise entsprechend anpassen können. Das funktioniert ähnlich wie bei Preisvergleichsportalen für Verbraucher.

Hier wird nur die Perspektive gewechselt. "Wir kennen in der Regel nur unsere Kosten, wissen aber nicht, was der Markt dafür nimmt", sagt Hans-Jörg Vollert. Sind die Preise viel zu hoch, fühlten sich die Kunden übers Ohr gehauen. "Die einen beklagen sich, andere kommen einfach nicht wieder." Verlange er zu wenig, freue sich der Kunde - und das Unternehmen verschenkt Geld.

Startup löst ein Problem, das viele Maschinenbauer haben

Es ist eine Situation, wie sie Markt-Pilot-Geschäftsführer Tobias Rieker erlebte, als er vor sechs Jahren beim Heilbronner Maschinenbauer Illig arbeitete. Der Beilsteiner studierte anschließend Wirtschaftsingenieurwesen in Esslingen und gründete parallel dazu das Startup, das in diesem Jahr mit dem renommiertesten Hightech-Preis im Land, dem Cyberone Award, ausgezeichnet wurde.

Mit drei Mitstreitern im Gründerteam löst er nun zielgerichtet ein Problem, das viele Unternehmen der Branche haben. Denn wie eine Untersuchung zeigte, bieten Maschinenbauer ein Drittel ihrer Ersatzteile günstiger als der Markt an, einen Großteil auch zu teuer. "So macht man sich sein Preisimage kaputt."

Datensicherheit wird groß geschrieben

Dabei gilt es natürlich, auf die Interessen der großen Partner Rücksicht zu nehmen. Datenschutz ist dabei ein wichtiges Thema. „Wir verwenden nie die Daten des einen Unternehmens für einen anderen Kunden“, versichert Rieker. Geprüft würden Preise, die in Online- und Offline-Quellen abrufbar sind. „Wir bauen sozusagen für jeden Kunden ein eigenes, autarkes Haus.“

Mehrere Dutzend Kunden hat Markt-Pilot bislang gefunden und beschäftigt demnächst 20 Mitarbeiter. Schnell soll das Unternehmen jetzt wachsen. Dabei helfen Netzwerke wie die Campus Founders, aber auch Maschinenbauer-Kooperationsplattformen wie Qesar.

Eine Investition, die sich schnell rechnen kann

Über Qesar sind Vollert und Markt-Pilot vor rund einem Monat zusammengekommen. Jetzt geht es daran, die eigenen Ersatzteilpreise unter die Lupe zu nehmen. "Für diesen ersten Durchlauf erreichen wir in der Regel schon 1000 Prozent Return on Invest", sagt Rieker. Sprich: Der Einsatz der Markt-Pilot-Technologie macht sich schnell bezahlt. Auch deshalb sieht Rieker, erst 25 Jahre alt, viel Potenzial. Der Großteil der 6500 Maschinenbauer in Deutschland gehöre zur möglichen Kundschaft.

Noch wird vieles nachjustiert. Das hat auch der große Partner bemerkt. "Als wir uns kennengelernt haben, war der Auftritt, das Logo noch - naja. Das hat sich innerhalb eines Monats alles komplett verändert. So viel Dynamik steckt natürlich an", sagt Vollert. "Bei uns kämen da sofort die Bedenken: Können wir das überhaupt?" Hier zeige das Startup: einfach machen.

Perfektionismus ist manchmal hinderlich

In der IT sei man sich auch in seinem Hause bewusst, dass agiles Arbeiten zunehmend wichtiger wird. Neue Apps ersetzen Mails. Aber für die perfektionistischen Techniker sei das ein Paradigmenwechsel. Mit einem unfertigen Prototypen würden viele noch immer ungern rausgehen. "Da kann die Zusammenarbeit mit einem Startup schon etwas bewirken", sagt Vollert.

 

Geschäft mit China deutlich erschwert

Die Corona-Krise ist auch am Weinsberger Maschinenbauer Vollert nicht spurlos vorbeigegangen. Um die 30 Prozent sei der Umsatz zwischendurch zurückgegangen. Auf die Erholung folge nun der nächste Rückschlag. Denn auch wenn vieles im Online-Meeting möglich ist, sei die Akquise doch deutlich erschwert. Wer nicht vor Ort ist, habe schlechtere Karten, sagt Hans-Jörg Vollert. Die Konkurrenz in China könne jetzt durchstarten. "Die riegeln ihr Land nicht ohne Grund komplett ab." Für die Zukunft werde das Unternehmen mit 250 Mitarbeitern sein Geschäft wieder mehr auf Europa ausrichten. Umso wichtiger sei hier, dass der Binnenmarkt weiter funktioniere. In der Vergangenheit machte Vollert rund 80 Prozent seines Umsatzes außerhalb der EU.

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