Was VW jetzt tut, um schnell an Kabelbäume zu kommen
Wenn das "Nervensystem" des Autos fehlt, steht das Band. Jedes Auto braucht hier ein maßgeschneidertes Produkt. Dafür alternative Standorte aufzubauen, ist schwierig.

Die Audi- und VW-Zulieferer in der Ukraine müssen kurzfristig ersetzt werden. Produktionslinien unter anderem in Neckarsulm und Ingolstadt wurden in der vergangenen Woche gestoppt, weil Kabelbäume fehlen. Bei einem dreitägigen Treffen des VW-Konzernkrisenstabs mit Vertretern von Zulieferern wurde nun erörtert, wo kurzfristig neue Produktionskapazitäten geschaffen werden können, erklärt Audi-Beschaffungsvorstand Dirk Große-Loheide im Gespräch mit unserer Zeitung. Als Alternativen kommen Standorte in Nordafrika, Rumänien, Mexiko und China infrage. Die individuell konfigurierten Produkte seien schwer zu ersetzen.
Keine Lagerhaltung, alles muss passgenau geliefert werden
Am Tag, als die fehlende Kabelbäume aus der Ukraine die Produktion an vielen VW- und Audi-Standorten ausbremsen, werden auch in Ingolstadt die Linien 1 und 2 gestoppt. Wo bis zum Morgen noch A4 und A5 vom Band liefen, steht nun alles still. Produziert werden noch A3. "Die Kabelbäume, die hier verbaut werden, sind erst vor rund einer Stunde angeliefert worden", sagt Sabine Mayer. "Wir haben keine Lagerhaltung, das läuft Just in Sequence, wie es so schön heißt", erklärt die gelernte Kfz-Schlosserin.
Die Kabelbäume, die hier am Morgen noch in die letzten A4 und A5 verbaut wurden, waren rund neun Tage zuvor in der Ukraine auf den Weg geschickt worden. Anschließend wurden sie bei Zulieferbetrieben in Deutschland fahrzeugspezifisch konfektioniert und nach Vorgaben des Autobauers so angeliefert, dass sie jeweils zum richtigen Zeitpunkt ins richtige Auto eingebaut werden.
Dieses "Nervensystem des Autos", wie Audi-Vorstand Große-Loheide die Verdrahtungen nennt, kann nicht nachträglich eingebaut werden. Wenn dieses Produkt fehlt, steht das Band.
Deutschland hat nicht die notwendigen Fachkräfte
Die Produktionslinien in den Automobilwerken, die jetzt noch laufen, werden vor allem mit Kabelbäumen aus Nordafrika versorgt. Tunesien ist eines der Länder, das jetzt umso mehr produzieren muss. Deutschland kommt dafür nicht infrage, wie Große-Loheide erläutert: "Sie brauchen Menschen, die dafür qualifiziert sind, das setzt einiges an Training voraus."
Der Krisenstab bei VW versuche nun, die Weichen zu stellen, um auf andere Regionen auszuweichen. Fertigungsstandorte, wo bereits heute ähnliche Umfänge produziert werden, gebe es im Wesentlichen in Nordafrika, Rumänien, Mexiko und in China.
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Kommentare
Hans-Ulrich Wagner am 08.03.2022 13:00 Uhr
Das kommt davon, wenn man solche wichtige Produkte im Ausland produziert um Geld zu sparen. Ich arbeitete vor ein paar Jahren in einem Werk, welches Kabelbäume für die Autoindustrie herstellte. Damals wurde schon u.a. in Ungarn gefertigt und in Nordheim umgeladen und an die jeweiligen Autowerke bzw. Zulieferer geliefert. Heute wird dort kein einziger Kabelbaum mehr hergestellt, aber in Heilbronn befindet sich noch ein Büro dieser Firma.