Wandel ist erstmal dreckig
Drängende Probleme unserer Zeit bekommen viel Raum beim Gipfeltreffen der Weltmarktführer. Der zweite Tag stand im Zeichen positiver Beispiele und innovativer Startups.

Aus dem Studio in Düsseldorf moderierte das "WirtschaftsWoche"-Team auch den zweiten Tag des Gipfeltreffens der Weltmarktführer. Wieder wurde Tacheles geredet und anhand zahlreicher Best-Practice-Beispiele wurden Impulse für Innovationen weitergegeben.
ETH Zürich: Ausgründungen am laufenden Band
Startups standen am zweiten Tag im besonderen Fokus der Veranstaltung. Mehrere durften ihre Geschäftsideen vorstellen. Was eine gute Gründerkultur bewirken kann, erläuterte unter anderem Detlef Günther, Vizepräsident für Forschung an der ETH Zürich.
Die technisch-naturwissenschaftlich orientierte Hochschule lege viel Wert auf Grundlagenforschung. "In diesem Jahr werden wir die 500. Firma aus der ETH als Spin-off gründen", so Günther. Je mehr es werden, desto mehr Unternehmer stünden der Hochschule mit ihrer Erfahrung zur Seite, könnten beraten und neue Startups unterstützen. "Je größer der Kreis wird, desto besser." Er sehe Europa hier insgesamt auf einem guten Weg.
Fachkräftemangel wird wieder zum Problem
Günther wies allerdings auch darauf hin, dass der Fachkräftemangel zunehmend zum Problem wird, was von vielen Seiten zu hören war. "Das wird eine enorme Wachstumsbremse auch für Deutschland", fasste Mitorganisator Walter Döring, Inhaber der Akademie für Weltmarktführer, zusammen. Hier sei auch die Politik gefragt, es brauche neue Regelungen für die Einwanderung.
Zahlreiche aktuelle Themen kamen aufs Tapet, etwa die steigenden Preise und Lieferengpässe. Hier berichtete auch Matthias Hohensee, Korrespondent der "WirtschaftsWoche" in den USA, über die Mechanismen beim Chipmangel: "Dell, der größte Computerhersteller der Welt, bekommt hier natürlich durch sein Volumen Vorrang vor vielen kleineren Anbietern." Darunter würden auch die Autohersteller leiden.
Gunnar Herrmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Ford-Werke in Köln, bot weitere Einblicke in die Automobilbranche. Er setze nicht auf ein schnelles Wachstum der Wirtschaft. Umso wichtiger sei die gemeinsame Anstrengung von Politik und Industrie, "dass die Automobilindustrie in Deutschland weiterhin eine treibende Kraft in der Transformation zur Mobilität der Zukunft bleibt".
Verschiedene Phasen des disruptiven Wandels
Dafür sind radikale Veränderungen notwendig, wie Rafael Laguna de la Vera erläuterte. Er ist Direktor der Agentur für Sprunginnovation, der in den nächsten zehn Jahren eine Milliarde Euro an Fördergeld verteilen darf. Gerade die Automobilindustrie mache derzeit tatsächlich Sprünge, "wie sie sie seit Jahrzehnten nicht mehr machen musste".
Henry Ford habe vor 100 Jahren die Automobilfertigung revolutionierte. Jetzt gehe es um die Digitalisierung - und in der Automobilindustrie natürlich um die E-Mobilität.
Disruption finde in verschiedenen Phasen statt. Auch die Digitalisierung befinde sich noch in der "dreckigen Phase", warnt Laguna de la Vera. Noch werde viel Schindluder mit den Daten getrieben, doch mehr und mehr müsse es in die saubere Phase übergehen. Für diesen Wandel brauche es kleine Schnellboote, nicht die großen Tanker, wie es Weltmarktführer oftmals sind. Deshalb sei es durchaus eine gute Methode, selbst ein paar Schnellboote loszuschicken, bevor einem ein anderer das Wasser abgräbt.
Zahlen sprechen eine andere Sprache
Also abermals ein Plädoyer für mehr innovative Startups? Trotz all dieser bekannten Notwendigkeiten sinkt die Zahl der Unternehmensgründungen in Deutschland seit 15 Jahren kontinuierlich - von 1,5 Millionen im Jahr 2004 sank die Zahl auf unter 600 000 im vergangenen Jahr. Es braucht wohl mehr als lebhafte Diskussionen, um daran etwas zu ändern.
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