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Vortrag in Künzelsau: Lars Felds ernüchternder Blick auf die Welt

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Der Freiburger Ökonom und ehemalige Wirtschaftsweise sieht wachsende Risiken für den Standort Deutschland. In der Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau erklärt er unter anderem, warum auch der Staat kein Interesse an hoher Inflation haben kann.

Die Protagonisten eines informativen Abends an der Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau: Johannes Schmalzl (Stiftung Würth, von rechts), Würth-Konzernchef Robert Friedmann, Anke Ostertag, Dekanin der Hochschule in Künzelsau, Hauptredner Lars Feld aus Freiburg und Moderator Uwe Ralf Heer.
Die Protagonisten eines informativen Abends an der Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau: Johannes Schmalzl (Stiftung Würth, von rechts), Würth-Konzernchef Robert Friedmann, Anke Ostertag, Dekanin der Hochschule in Künzelsau, Hauptredner Lars Feld aus Freiburg und Moderator Uwe Ralf Heer.  Foto: Gleichauf, Christian

Mit jeder Krise wächst inzwischen die Schuldenlast auch in Deutschland - und damit die künftige Belastung der Bürger, warnt der Ökonom Lars Feld. Doch er klärt bei seinem Besuch an der Hochschule in Künzelsau auf: So viel Geld, wie da für "Doppelwumms" und Bundeswehr ins Schaufenster gestellt wurden, ist aus den "Sondervermögen" des Bundes noch gar nicht abgeflossen.

Der ehemalige Wirtschaftsweise soll an der Reinhold-Würth-Hochschule auf Einladung der Stiftung Würth über die "Ordnungspolitik in der Zeitenwende" sprechen. Lieber tastet er an diesem Abend aber all die aktuellen Problemzonen der deutschen Wirtschaftspolitik ab.


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Hoffnung auf den A6-Ausbau

Vorneweg muss Feld erst einmal Beobachtungen von seiner Anreise loswerden: Die A6 gleiche doch eher einem "Güterzug". Er wünsche der Region, "dass sich das auflöst in den nächsten - Monaten", sagt er nach kurzer Denkpause, was mit bitterem Gelächter quittiert wird. "Na, um mal etwas Hoffnung zu machen am Anfang", schiebt Feld hinterher.

Es geht um große Investitionen, in diesem Fall um den Autobahnausbau. Doch Geld wird überall gebraucht, und es wird knapp. Beim Blick auf den europäischen Vergleich zeigt sich, dass Deutschlands Finanzen sich über lange Zeit sehr gut entwickelt haben. Sorgenkinder seien da vor allem Italien und Frankreich.

Allzu stolz darf Deutschland allerdings nicht sein: Viele Jahre habe das Land von einer starken Wirtschaft und den niedrigen Zinsen profitiert, aber die Politik sei nicht wirklich sparsam gewesen. "Richtig konsolidiert hat man nur in einem Jahr, das war 2010", sagt Feld.

Der Berater von Christian Lindner sieht bei den Finanzen nicht schwarz

Professor Lars P. Feld bei seinem Vortrag zur "Ordnungspolitik in der Zeitenwende".
Professor Lars P. Feld bei seinem Vortrag zur "Ordnungspolitik in der Zeitenwende".  Foto: Christian Gleichauf

Der Professor an der Uni Freiburg und Leiter des Walter-Eucken-Instituts, der als "persönlicher Beauftragter" auch Finanzminister Christian Lindner (FDP) berät, betont zwar, dass die Schuldenstandsquote in Deutschland noch immer unter 70 Prozent liegt. Doch die Aufgaben nehmen nun rasch zu, während der Einfluss negativer Faktoren wächst. Die Verknappung von Arbeitskräften etwa, oder die Inflation.

Inflation bleibt wohl noch eine Weile hoch

Die, warnt Feld, werde wahrscheinlich nicht so schnell zurückgehen wie von manchem Forschungsinstitut vorhergesagt. Die Kerninflation, also die Inflation ohne Berücksichtigung der Energiepreise, gehe weiter nach oben und liege vorerst wohl dauerhaft bei um die sechs Prozent.

Diese steigenden Preise seien übrigens auch für den Staat kein Vorteil. Denn schnell steigen die Ausgaben fürs Personal, auch die Baukostensteigerungen betreffen die öffentliche Hand bei vielen Investitionen. Und die Ausgaben für Zinsen steigen von vier Milliarden im Jahr 2021 auf 40 Milliarden 2024.

 


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"Wir sind nicht eingestellt auf eine neue Weltordnung."

Die zwei größten Herausforderungen, vor denen Deutschland und die Welt stehen, kommen dann noch obendrauf: Der Krieg in der Ukraine und der Konflikt des Westens mit China.

Der Ökonom Lars P. Feld (links) und Moderator Uwe Ralf Heer, Chefredakteur der Heilbronner Stimme, im Gespräch.
Der Ökonom Lars P. Feld (links) und Moderator Uwe Ralf Heer, Chefredakteur der Heilbronner Stimme, im Gespräch.  Foto: Christian Gleichauf

"Wir sind nicht eingestellt auf eine neue Weltordnung", sagt Feld. Dabei sei die alte bereits vor mehr als 15 Jahren zusammengebrochen. Noch immer gelte: "Diejenigen, die uns in Europa Sicherheit bieten, sind die Amerikaner." Deshalb sei es auch so wichtig, im Dialog zu sein mit den USA - gerade jetzt im Vorfeld der nächsten Präsidentschaftswahlen. "Wir erleben eine weltpolitische Zeitenwende."

Moderator Uwe Ralf Heer hakte beim Thema Arbeitskräftemangel und alternde Gesellschaft nach. Feld zeigte sich nicht optimistisch, dass Zuwanderung die Probleme löst. "Dafür bräuchten wir 1,6 Millionen Menschen pro Jahr", weil 700.000 zugleich das Land immer verlassen. An längeren Arbeitszeiten führe kein Weg vorbei.

Der Zug Laufzeitverlängerung ist wohl abgefahren

Nach dem Angriff auf die Ukraine hatte sich Feld schon mehrfach für einen Weiterbetrieb der Atomkraftwerke ausgesprochen. Jetzt sei er in dieser Hinsicht "nicht mehr zuversichtlich". Bis zum 15. April werde sich nichts mehr tun. Danach werde es schwierig. Diejenigen, die sich jetzt dafür stark machen, kämen wohl zu spät.

 


Ausstellung zur Sozialen Marktwirtschaft

Lars Feld ist der Ausstellung, die in Freiburg konzipiert wurde, "hinterhergefahren": Die Wanderausstellung "In welcher Ordnung wollen wir leben? Walter Eucken und die Soziale Marktwirtschaft" ist noch bis 27. April an der Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau zu sehen.

Johannes Schmalzl hatte sie als Hauptgeschäftsführer der IHK Region Stuttgart bereits in Stuttgart zeigen wollen. "Dann kam Corona dazwischen", erzählt der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Würth. Nun holte er sie nach Künzelsau.

Studentin Klara Roß hatte zu Beginn anhand der Aufsteller erläutert, welchen Einfluss die Freiburger Schule auf die Wirtschaftsordnung in Deutschland hatte.

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