Vor 75 Jahren gründete Tüftler Christian Bürkert sein Unternehmen
Ein langes Leben war dem Chef nicht vergönnt. Doch in nur 25 Jahren legte er die Basis für einen Weltmarktführer, der sich bis heute ausgezeichnet entwickelt.

Für Helmut Röger beginnt die Geschichte von Bürkert vor 76 Jahren, kurz vor seiner eigenen Geburt, mit einem Flugzeugabsturz. Eine amerikanische Maschine war abgeschossen worden und lag nun auf einem Acker zwischen Dörrenzimmern und Unterginsbach bei Krautheim. Helmut Rögers Vater Ernst und ein gewisser Christian Bürkert schafften es, sich einige Teile zu sichern. „Christian Bürkert hatte sich damals schon nur für die Instrumente interessiert.“ Temperaturregler, Thermostate, Ölmesser – „das waren die Anfänge“, erzählt Helmut Röger.
Ein harter Lehrherr, der mit anpackte
Als nach dem Krieg dann vor allem bei den amerikanischen Besatzern Hühnchen gefragt waren, war Bürkert in der Lage, Brutapparate zu bauen, die die Temperatur exakt bei 28 Grad hielten. Temperaturregler waren dann über Jahre das, wofür Bürkert stand.
Das Unternehmen, das er 1946 gegründet hatte, wuchs. Und so war 1960 auch Platz für Helmut Röger, der beim Freund seines Vaters eine Feinmechaniker-Lehre begann. Der spätere Gemü-Gründer Fritz Müller war da gerade im dritten Lehrjahr.

Die berüchtigte Härte seines Lehrherrn Christian Bürkert bekam Helmut Röger auch zu spüren. "Manchmal kam er abends um sechs noch rein und sagte: ,Sie bleiben da und testen das noch." Dann haben wir bis zehn gearbeitet und um sieben am Morgen war er wieder da und wollte wissen, wie es gelaufen ist", erzählt Röger.
Statt 160 Stunden im Monat wie heute habe man damals auch mal 260 gearbeitet. Trotzdem sei Bürkert ein sehr guter Chef gewesen, der seinen Leuten nicht nur viel abverlangte, sondern auch viel zutraute.
Nachwuchs zu finden war damals schon schwierig
Vergraulen wollte er den Nachwuchs nämlich nicht. Fachkräfte zu finden war damals schon schwierig. Christian Bürkert selbst hatte als Sohn eines Landwirts die Chance genutzt, in Berlin ein Elektroingenieurstudium zu absolvieren.
Zurück in Hohenlohe versuchte er dann, die zweitgeborenen Söhne auf den Höfen für eine Ausbildung in seinem Unternehmen zu gewinnen. "Er hat gesagt: Was wollt ihr euch das bisschen Land noch mal teilen? Kommt zu mir in die Fabrik!", erzählt Helmut Röger.
Bald schon fand sich das neue Geschäftsfeld Ventile

In den 50er Jahren entwickelte Bürkert die ersten Magnetventile, die damals in vielen Waschmaschinen zum Einsatz kamen. Als die immer günstiger produziert werden sollten, der Preis gedrittelt wurde, habe Christian Bürkert gesagt: "Solche Sachen machen wir nicht." Also entwickelte er Ventile für die Industrie und fuhr gut damit.
"Wo andere aufhören, da fangen wir erst an", das sei sein Motto gewesen. Ein "geht nicht" habe er nie gelten lassen. Also wurde jede Idee getestet, und zwar schnell - viel schneller, als das heute oft möglich sei.
Der wichtigste Mitarbeiter gründete seine eigene Firma
Fritz Müller geht Mit seiner dennoch teils ruppigen Gangart hatte Christian Bürkert beim jungen Fritz Müller allerdings Gegenwehr ausgelöst. Wer einen Bohrer abbrach, habe 14 Tage die Toiletten putzen müssen, erzählt der Jahre später.
Das war jedoch nicht der Grund, warum er das Unternehmen verließ. Der junge Mann hatte eigene Ideen, studierte in Schwenningen, fand seine künftige Ehefrau über den neuen Arbeitgeber Herion in Stuttgart und gründete anschließend sein eigenes Unternehmen in direkter Nachbarschaft zu Bürkert in Criesbach.
Daraus entstand, was heute der Ventil-, Mess- und Regeltechnikcluster im Kochertal genannt wird. Denn weitere Mitarbeiter von Gemü und Bürkert machten sich selbstständig. In Forchtenberg erfand Gottfried Müller zudem das Koaxialventil, auch Kriwan in der Nachbarschaft gehört in diesen Bereich.
Auf dem Weltmarkt könnte Zusammenarbeit helfen
Der heutige Bürkert-Chef Heribert Rohrbeck ist froh um die Ansammlung, die durch den Weggang von Fritz Müller einst entstanden ist. "Konkurrenz belebt das Geschäft." Jetzt sei allerdings auch die Zeit für etwas mehr Zusammenarbeit gekommen, ist er überzeugt. "Auf dem Weltmarkt könnte man davon profitieren."
Und dann folgte noch ein Flugzeugabsturz
Die Geschichte von Christian Bürkert endete übrigens wieder mit einem Flugzeugabsturz. Nachdem sein Unternehmen 1956 das erste Werk im Ausland eröffnet hatte, nutzte er die Vorteile des Luftwegs, um schneller vor Ort zu sein. "Ich bin häufiger mitgeflogen, etwa wenn wir schnell noch auf der Hannover-Messe vorbeischauen wollten", erzählt Röger. Im Oktober 1971 machte sich Bürkert von den USA mit einer brandneuen zweimotorigen Piper auf den Heimweg - und kam nie an. Seine Maschine gilt als verschollen über den Azoren.
Die Nachricht vom Tod des Chefs war ein Schock für die Belegschaft. "Einen Tag später hat uns seine Frau Dorothee darüber informiert und gebeten, zumindest noch ein Jahr in der Firma zu bleiben", erzählt Röger. Siemens und andere Firmen hätten Interesse gezeigt, das Unternehmen kaufen zu wollen.
Die Gefahr schien groß, dass nun die besten Köpfe abgeworben werden. Fast alle entsprachen der Bitte. Gerhard Hettinger übernahm die Geschäftsführung, und das Unternehmen überstand die schwierige Zeit. Für Helmut Röger lohnte sich die Treue zu Bürkert auf jeden Fall: Als Abteilungsleiter der Kunststoffspritzerei arbeitete er bis zum 2000 und ist dem Unternehmen bis heute verbunden.
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