Stimme+
Energiewende
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Viel Rückenwind für den Treibstoff H2

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Von der Nationalen Wasserstoff-Strategie des Bundes erhoffen sich regionale und überregionale Bündnisse endlich mehr Schub. Die Dieter-Schwarz-Stiftung fördert ein neues Projekt, dem mehrere Forschungseinrichtungen angehören.

Süddeutschland mit seinen großen Städten und Industriezentren ist energiehungrig. Mit der Abschaltung von Kernkraftwerken und dem gleichzeitigen Ausbau der Elektromobilität werden Baden-Württemberg und Bayern zunehmend abhängig von Stromimporten. Während die großen Stromautobahnen weiter auf sich warten lassen, könnte dem grünen Wasserstoff eine wichtige Rolle zukommen. Doch der Aufbau einer neuen Infrastruktur kommt nur langsam voran.

Süddeutschland soll Vorreiter in Europa werden

So hat sich in München die Initiative H2-Süd zusammengefunden. Ihre Mitglieder - Unternehmen vom Start-up bis zur EnBW-Tochter Erdgas Südwest - wollen einen Beitrag dazu leisten, Bayern und Baden-Württemberg bei der Erzeugung und Nutzung von Wasserstoff als europaweiten Vorreiter zu etablieren. Damit soll auch der hiesige Wirtschafts- und Technologiestandort im globalen Wettbewerb weiter gestärkt werden, wie Dr. Andreas Seebach, Vorstand des gemeinnützigen Vereins, erläutert.


Mehr zum Thema

Der Wimmentaler Dieter Labenski mit seinem Wasserstoff-Auto vor dem Windpark Harthäuser Wald, wo bald schon grüner Treibstoff produziert wird. Doch den gibt es vorerst nicht zu tanken.
Fotos: Christian Gleichauf
Stimme+
Region
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Der Windkraft-Wasserstoff lässt weiter auf sich warten


Die traditionelle Rivalität zwischen den zwei Bundesländern soll beim Wasserstoff keine Rolle spielen, wünscht sich Seebach. Stattdessen gelte es, die Akteure endlich zusammenzubringen. Die Autohersteller, die Landesregierungen, Forschungseinrichtungen, viele kleine Firmen, die in diesem Bereich bereits Beachtliches leisteten. "In der Südachse ist das Wasserstoff-Know-how vorhanden. Und Bayern und Baden-Württemberg sind sich einig, hier auch führend zu bleiben." Die Vernetzung sei überfällig.

Die Nationale Wasserstoffstrategie hält Seebach für einen Meilenstein. "Es ist ein klares Bekenntnis zum grünen Wasserstoff." Unglücklich sei nur, dass der blaue Wasserstoff aus Erdgas, dessen Kohlendioxid-Anteil einfach gespeichert wird, weiterhin von der EU gefördert werde. Ein lange bekanntes, zentrales Problem der Energiewende sei, dass ein Zubau erneuerbarer Energie nur dann möglich ist, wenn das Stromnetz nicht überlastet wird, erläutert Seebach.

Deshalb sei die Speicherung so wichtig. Und zwar nicht nur am Tag für die Nacht, sondern auch im Sommer für den Winter. Dafür sei der Wasserstoff - in Reinform, karbonisiert als Methan oder gebunden an Trägerflüssigkeiten - eine bessere Variante als der Lithium-Ionen-Akku, der die Langzeitspeicherung der nötigen Menge für eine Saison nicht leisten kann.

Auch kleine Anlagen können sich lohnen

Was den Wirkungsgrad betrifft, so könne es in vielen Fällen ein Vorteil sein, dass bei der Verstromung in der Brennstoffzelle auch Wärme entsteht. Die könne häufig gut genutzt werden. Und der Vorteil bei Wasserstoff sei auch: "Die Technik ist skalierbar. Das lohnt sich nicht nur im Großen." Inzwischen gebe es schon Lösungen für Privathaushalte, um mit Photovoltaik Wasserstoff zu produzieren und diesen auch zu speichern. Damit entstünde dann eine dezentrale Energieversorgung und -speicherung, die ohne neue Infrastruktur auskommt.

Zwar ist sich Wirtschaftsingenieur Seebach, der seit vielen Jahren in der Wasserstoff-Branche aktiv ist, bewusst, dass hier noch viele Kleinigkeiten geklärt werden müssen - es braucht zum Beispiel einheitliche Standards. Doch grundsätzlich sei die Technik einsatzbereit und könnte innerhalb kurzer Zeit einen Beitrag zur Stabilisierung der Stromnetze leisten. Umso wichtiger sei es, jetzt keine Zeit zu verlieren.

Bei der Mobilität ist vor allem der Schwerlastverkehr gefragt

Bei der Mobilität sieht Seebach vor allem den Schwerlastverkehr in der Vorreiterrolle. Hier kämen sowohl Hybrid-Fahrzeuge mit Brennstoffzelle als auch Wasserstoff-Verbrenner infrage. Die Vision wäre allerdings auch hier, dass der zu Hause produzierte Wasserstoff irgendwann als Treibstoff für das eigene Auto dienen könne. Je mehr Wasserstoff genutzt wird, desto eher sei man auch auf Importe angewiesen.

Heilbronn-Franken soll doch noch bundesweite Pilotregion werden
Es gibt zahlreiche Wasserstoff-Regionen in Deutschland, die vom Bund gefördert werden. Obwohl am DLR-Standort Lampoldshausen bereits eine Pilotanlage für die Produktion grünen Wasserstoffs in Betrieb genommen wird, ist die Region Heilbronn-Franken noch keine offizielle Wasserstoff-Region. Allerdings hat die Landesregierung das Potenzial erkannt und unterstützt nun ein Projekt, mit dem das DLR-Testgelände zum CO2-freien Standort werden soll. Am Donnerstag übergibt Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) den Förderbescheid über 16 Millionen Euro. Parallel dazu wurde ein regionales Bündnis von Forschungseinrichtungen gegründet. Es nennt sich H2-Innovationslabor. Hochschule Heilbronn, TU München, Ferdinand-Steinbeis-Institut und Fraunhofer IAO wollen gemeinsam der Frage nachgehen, welches Potenzial Wasserstoff als Treibstoff für Fahrzeuge und für die Wärmeversorgung in der Region hat. Ziel des Projekts ist es, eine Pilotregion aufzubauen, welche unter anderem durch die Bundesregierung im Zuge der nationalen Wasserstoffstrategie gefördert wird. Initiiert und gefördert wird das Vorhaben durch die Dieter-Schwarz-Stiftung sowie den Pakt Zukunft Heilbronn-Franken.

 
Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben