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Ventilatoren braucht man auch fürs Zeltlazarett

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Mit dem Umbau von dieselbetriebenen Bussen auf E-Antrieb hatte der Hohenloher Elektromotoren- und Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg im vergangenen Jahr von sich Reden gemacht - und insgesamt eine sehr gute Entwicklung hingelegt. In der Corona-Krise warten nun ganz andere Herausforderungen auf die Künzelsauer.

In weniger als zwei Wochen wurde das Notkrankenhaus in Wuhan erbaut. Zum Einsatz kamen dabei auch Ventilatoren der Hohenloher Firma Ziehl-Abegg.
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In weniger als zwei Wochen wurde das Notkrankenhaus in Wuhan erbaut. Zum Einsatz kamen dabei auch Ventilatoren der Hohenloher Firma Ziehl-Abegg. Foto: dpa  Foto: dpa

"Wenn Sie derzeit bei uns durchs Haus gehen, sieht das wie verlassen aus", sagt Ziehl-Abegg-Chef Peter Fenkl. Zum einen seien viele Mitarbeiter im Homeoffice. Für April wurde zudem in einigen Bereichen Kurzarbeit angemeldet, etwa im Marketing und im Messebau. "Den brauchen wir gerade nicht mehr", sagt Fenkl und lacht bitter. Das sah bis vor kurzem noch ganz anders aus.

Um 8,6 Prozent hat der Umsatz im vergangenen Jahr zugelegt auf 633 Millionen Euro. "2019 ist ein gutes Jahr gewesen", kommentiert der 58-Jährige, der die Firma seit 20 Jahren führt.

Produktion läuft teilweise

Boom-Regionen waren Asien, Europa und die USA. Auch das Jahr 2020 hatte gut begonnen - bis zur Corona-Krise. Mit dem Shutdown in China verlor die Firma dann aber pro Woche zwei Millionen Euro, und das war nur der Anfang. Immerhin läuft es dort wieder, und auch in Deutschland wird noch produziert, Aufträge der Kunden können bedient werden.

"Inzwischen sind aber auch Länder wie Italien, Spanien oder große Teile Osteuropas betroffen", sagt der Vorstandsvorsitzende im Gespräch mit der Stimme. In Indien und Russland spitze sich die Situation zu. Auch in den USA sind alle Fabriken geschlossen. "Wenn dann die Pandemie irgendwann in Afrika und Südamerika richtig wütet, dann wird es gewaltige Effekte auch für uns haben", ist Fenkl sicher.

Reinräume und OPs ausgestattet

Gleichzeitig ist die Firma im medizinischen Bereich gefragt. Die Ventilatoren werden im Reinraum benötigt oder auch für Intensivbereiche in Krankenhäusern, um Unter- oder Überdruck herzustellen. So hat Ziehl-Abegg auch für die Zeltlazarette, die in Wuhan, Shandong und Shenzhen binnen weniger Tage aufgebaut wurden, spezielle Ventilatoren geliefert. "Dafür gab es zwar Sondergenehmigungen, weil aber viele Mitarbeiter gar nicht mehr zur Firma kommen konnten, musste unser Geschäftsführer dort selbst den Gabelstapler fahren", erzählt Fenkl.

Mittelfristig beste Aussichten

Zuletzt hatte Ziehl-Abegg mit dem elektrischen Radnabenantrieb für Elektrobusse auf sich aufmerksam gemacht. Produziert wird er in Kupferzell.
Foto: Ziehl-Abegg
Zuletzt hatte Ziehl-Abegg mit dem elektrischen Radnabenantrieb für Elektrobusse auf sich aufmerksam gemacht. Produziert wird er in Kupferzell. Foto: Ziehl-Abegg  Foto: Ziehl-Abegg

Mit dem Umbau von dieselbetriebenen Bussen auf E-Antrieb hatte der Hohenloher Elektromotoren- und Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg im vergangenen Jahr von sich Reden gemacht - und insgesamt eine sehr gute Entwicklung hingelegt. In der Corona-Krise warten nun ganz andere Herausforderungen auf die Künzelsauer.Die Ventilatoren aus Hohenlohe werden auch in Rechenzentren benötigt. Mit der Zunahme an Homeoffice-Kapazitäten steigt der Bedarf. "Das ist für uns ein wichtiger Markt, der weltweit rapide wächst", betont Fenkl. Allerdings würde man davon wohl eher mittelfristig wieder profitieren.

Ebenso wie vom Trend zu energiesparenden Aufzugsantrieben. Diese Sparte bei Ziehl-Abegg hat sich 2019 ebenfalls positiv entwickelt. Gebäudebetreiber legten den Fokus sowohl auf den Kaufpreis als auch auf die laufenden Energiekosten.

Lohnfortzahlung in den USA

"Die Kunden wollen aber sehr zeitnah bedient werden", erklärt Fenkl, warum Ziehl-Abegg in den USA eine weitere Fertigung für energiesparende EC-Elektromotoren aufbaut. Vorerst kommt auch hier die Corona-Krise in die Quere. Seinen 120 Mitarbeitern in den USA zahlt Ziehl-Abegg trotzdem weiter Gehalt. "Wir folgen da dem deutschen Modell", sagt der Chef.

Die Firma habe schon 2008/09 in der Finanzkrise keine Mitarbeiter verloren. "Wir versuchen, so lange es geht zu unserer Belegschaft zu stehen." Sollte der weitgehende Stillstand aber sechs oder sieben Monate dauern, komme auch Ziehl-Abegg an seine Grenzen.

Busumbau innerhalb einer Woche

Ziehl-Abegg gehört zu den international führenden Unternehmen im Bereich der Luft-, Regel- und Antriebstechnik. Beispiele für Einsatzgebiete der Produkte sind Wärme- und Kälteanlagen oder Reinraum- und Agraranlagen. Mit dem Umsatzzuwachs hat sich auch die Mitarbeiterzahl positiv entwickelt: In Deutschland arbeiten 2400 Menschen (Vorjahr: 2250) weltweit sind es 4300 (Vorjahr 4100).

Der Geschäftsbereich Automotive mit dem elektrischen Radnabenantrieb ZAwheel für Omnibusse, konnte sich im Jahr 2019 gut positionieren: Umbaulösungen, die binnen einer Woche aus einem Diesel- einen Elektrobus machen, stoßen auf Interesse bei Kommunen und Busunternehmen. Auch bei Neufahrzeugen etabliert sich Ziehl-Abegg. Der Radnabenmotor als Antrieb von neuen Doppeldecker-Sightseeingbussen kann mittlerweile in London, Brüssel oder Paris erlebt werden.

Ein großer Pluspunkt für die Firma ist die eigene Regeltechnik über alle Sparten hinweg: Frequenzumrichter von Ziehl-Abegg werden eingesetzt, um verschiedene Elektrogeräte zu steuern und zu regeln.

 
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