Unternehmen in der Region und israelische Startups nähern sich an
Die Partnerschaft der Region mit Israel gedeiht: Zukunftsfonds Heilbronn und Wirtschaftsrepräsentanz des Landes in Tel Aviv haben erste Unternehmen zusammengebracht.
Die Repräsentanz des Landes Baden-Württemberg hat im vergangenen Oktober ihre Arbeit aufgenommen. Hier sollen Startups aus dem aufstrebenden Land am Mittelmeer und Mittelständler aus dem Südwesten zusammengebracht werden. Mit dabei, als Unterstützer und Netzwerker, ist der Zukunftsfonds Heilbronn. Wie eine virtuelle Veranstaltung in der vergangenen Woche zeigte, ist das Interesse auf beiden Seiten "enorm", wie Zukunftsfonds-Geschäftsführer Thomas Villinger zusammenfasst.

Baden-Württemberg bringt einige Besonderheiten mit
Es ist nicht die erste Repräsentanz eines deutschen Bundeslandes in der deutsch-israelischen Außenhandelskammer (AHK) in Tel Aviv. "Wir haben schon ähnliche, aber nicht ganz so gut aufgestellte Modelle", sagt Charme Rykower, zuständig für die Partnerschaft in der AHK.
Der große Vorteil des Modells in Baden-Württemberg sei, dass hier ein privater Partner den Zugang zum Mittelstand ermögliche. "Das kann ein Ministerium nicht so gut, deshalb sind wir für diese Konstellation sehr dankbar."

Weitere Erfolgsfaktoren seien etwa die vielen Cluster, die es in anderen Bundesländern so nicht gibt. Dann sei Baden-Württemberg weiterhin das Land der Erfinder, der Innovatoren. Und die Mittelständler, die im produzierenden Gewerbe oder auch im Gesundheitsbereich tätig sind, seien sehr interessant für die israelischen Startups, die Lösungen für die Industrie 4.0, für Smart Mobility und E-Health bieten. "Die beiden sind also wie geschaffen füreinander", sagt Rykower.
Erste Kooperationen haben sich angebahnt
Viele Dutzend Firmenkontakte habe es in den ersten Monaten bereits gegeben. Neben dem Zukunftsfonds seien auch Wirtschaftförderer involviert gewesen, Business-Angels-Netzwerke von Stuttgart bis zum Bodensee. "Wir spielen mit jedem, der uns gute Player bringt", sagt Rykower. Der Zukunftsfonds sei da aber schon vorn mit dabei, und damit profitiert wohl auch die Region Heilbronn-Franken in besonderer Weise.
Das habe auch die Online-Veranstaltung gezeigt, wo sich mit Unternehmen wie IDS, der Schwarz-Gruppe und PreZero, Schunk oder Wolff & Müller gleich mehrere aus der Region vorgestellt haben, wie Thomas Villinger betont. Mit rund 230 Teilnehmern habe das Interesse die Erwartungen bei weitem übertroffen. Sogar aus Ländern wie der Schweiz, USA und Großbritannien waren Unternehmer dabei.
Kärcher hat schon einen Partner gefunden
Die ersten Partner haben nun schon zusammengefunden. Bekannt sei beispielsweise die Zusammenarbeit von Kärcher mit Tulu. Das israelische Unternehmen hat eine webbasierte Plattform entwickelt, das die Vermietung von Geräten in Mehrfamilienhäusern und Wohnanlagen ermöglicht. So können auch teure Anschaffungen im privaten Bereich unkompliziert genutzt werden.
Teilweise habe die derzeitige Situation sogar geholfen, die Hemmschwelle zu senken, sich kurzfristig digital zu treffen. Dabei hat die Pandemie für Charme Rykower schon ein Stück weit ihren Schrecken verloren. Wie die meisten Menschen in Israel hat sie schon ihre zweite Corona-Impfung erhalten. "Schon vor langer Zeit, und nicht nur ich, sondern alle in meinem Umfeld", sagt Rykower. Aus israelischer Sicht spreche daher wenig dagegen, bald wieder zur Normalität zurückzukehren, Geschäftsreisen wieder aufzunehmen.
Nicht alles läuft rund in Israel
Bei aller Begeisterung für Israel will Charme Rykower aber nicht, dass ihre neue Heimat idealisiert wird. "Auf die Impfkampagne und die Startup-Kultur dürfen die Deutschen schon neidisch sein. Aber unser Modell der demokratischen Wahlwiederholungen sollten sie sich lieber nicht abschauen."
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