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Unternehmen erkennen die neuen Herausforderungen teils zu spät

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Arbeitgebervertreter Jörg Ernstberger und Gewerkschafter Uwe Bauer sehen Hohenlohe und die Region in einer Phase der Umwälzungen. Mehr Kooperation, mehr Qualifizierung, das seien die Gebote der Stunde.

Arbeitgebervertreter Jörg Ernstberger (links) und Gewerkschafter Uwe Bauer sehen Hohenlohe und die Region in einer Phase der Umwälzungen. 
Foto: Christian Gleichauf
Arbeitgebervertreter Jörg Ernstberger (links) und Gewerkschafter Uwe Bauer sehen Hohenlohe und die Region in einer Phase der Umwälzungen. Foto: Christian Gleichauf  Foto: Gleichauf, Christian

Die Transformation fordert die Unternehmen - auch in Hohenlohe. Für den Umgang mit Arbeitnehmern hat das tiefgreifende Veränderungen zur Folge. "Der Arbeitsmarkt wird ein Arbeitnehmermarkt", ist der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Schwäbisch Hall, Uwe Bauer, überzeugt. Gerade deshalb bräuchten die Unternehmen Flexibilität, betont Jörg Ernstberger, Geschäftsführer der Südwestmetall-Bezirksgruppe Heilbronn/Region Franken.

Manche Schwankung lässt sich in der Region ausgleichen

"Wir sind in der Region ohnehin gezwungen, mehr ganzheitlich zu denken", sagt Ernstberger. So sei es gelungen, beispielsweise "nicht wenige" hochqualifizierte Ingenieure des Autozulieferers Magna bei Hohenloher Unternehmen unterzubringen. "Das von Pro Region angestoßene Bündnis für Transformation hat da gut funktioniert."

Denn während im Raum Heilbronn 25 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von der Automobilbranche abhängen, sieht das in Hohenlohe komplett anders aus. Entsprechend gut könnte man Verschiebungen innerhalb der Region ausgleichen - wenn die Unternehmen sich darauf einlassen.

Tarifpartner spielen eine wichtige Rolle

Dabei sollten auch zukünftig die Tarifpartner eine wichtige Rolle spielen. Ernstberger betont die Freiwilligkeit im Tarifbereich, die von zentraler Bedeutung sei. Gerade in Hohenlohe gebe es neben dem tarifgebundenen Verband Südwestmetall einen starken Unternehmensverband Südwest (USW). Er biete eine Plattform für alle, die weiterhin auf die Tarifbindung verzichten wollen.

 


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"Hohenloher lösen ihre Probleme gerne selber", das hat Ernstberger seit seinem Amtsantritt in der Region vor drei Jahren durchaus verstanden. "Historisch bedingt passt der Flächentarifvertrag hier für viele nicht." Austausch hält er dennoch für notwendig.

Die drei D's machen vor Hohenlohe nicht Halt

Denn die drei Themen, die jetzt auf alle zukommen, sind eine große Herausforderung. Bauer zählt sie als die drei Ds auf: Digitalisierung, demografischer Wandel und Diversität - also unter anderem auch mehr Zuwanderung.

Auch innerhalb der Arbeitnehmerschaft verändern sich die Schwerpunkte. Ob die Gewerkschaften beispielsweise für mehr Geld oder mehr Freizeit kämpfen sollen, das dürfe nicht mehr von oben herab entschieden werden. "Wir haben das bei der letzten Metall-Tarifrunde beispielsweise auch falsch eingeschätzt. Wir müssen da besser zuhören." So finde auch in der IG Metall ein gewisser Kulturwandel statt.

Zu wenig an die Qualifizierung gedacht

Kritik übt Bauer an der Bereitschaft der Unternehmen, etwa die Corona-Zeiten mit Kurzarbeit und vorübergehend auch weniger Aufträgen für die Qualifizierung der eigenen Mitarbeiter zu nutzen. "Jetzt geht man das Thema langsam an", sagt Bauer. Dabei könne übrigens ein starker und aufmerksamer Betriebsrat hilfreich sein.

 


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Unternehmen in Sorge um Mitarbeiter und Partner


Noch immer gibt es in Hohenlohe Unternehmen ohne diese Mitbestimmung. Dazu gehörten beispielsweise der Ventilhersteller Gemü in Ingelfingen oder auch der Verpackungsmaschinenhersteller Groninger in Crailsheim. Letzterer sei mit seinen Löhnen auch deutlich unter Tarif, erzählt Bauer. "Da muss man sich nicht wundern, wenn Leute sich nach etwas anderem umschauen." Einig sind sich Bauer und Ernstberger allerdings darin, dass die Mitbestimmung auf Freiwilligkeit basieren solle. Das österreichische Modell, das den Betriebsrat vorschreibt, findet nicht einmal der Gewerkschafter erstrebenswert.

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