Trumpf setzt Prioritäten abseits von China
Der Laserspezialist aus Ditzingen legt Rekordzahlen vor, das Geschäft mit den Niederlanden schlägt alles andere. Doch die Sorgen wachsen.

Der Maschinenbauer Trumpf ist angesichts der geopolitischen Unsicherheiten und insbesondere wegen der Spannungen zwischen China und den USA zunehmend beunruhigt. Trotzdem legen die Ditzinger ein weiteres Rekordjahr hin und blicken vorsichtig optimistisch in die Zukunft, wie Vorstandschefin Nicola Leibinger-Kammüller bei der Bilanzvorlage am Mittwoch betonte. Schließlich steht im nächsten Jahr das 100-Jahr-Jubiläum an.
„Gut bis sehr gute Zahlen“ präsentierte die Chefin nach eigener Aussage, wenig später bezeichnete sie das Geschäftsjahr allerdings nur noch als „zufriedenstellend“. Zufrieden ist sie mit einem Wachstum im Geschäftsjahr 2021/22 um gut ein Fünftel auf über vier Milliarden Euro Umsatz, mit einem operatives Ergebnis von 468 Millionen Euro, das sind 27 Prozent über Vorjahr, und mit 2000 neuen Mitarbeitern, zum 30. Juni ist der Stand 16.550.
Niederlande ist die Nummer 1 im internen Trumpf-Ranking
So werde es allerdings wohl nicht weitergehen. Schuld sind die zahlreichen Krisen auf der Welt. Die haben schon dazu geführt, dass in China die Ansprüche zurückgeschraubt wurden. Vor einem Jahr noch hatte Leibinger-Kammüller China als den wichtigsten Markt für das Unternehmen bezeichnet. Doch das Wachstum hinkte im vergangenen Geschäftsjahr (bis 30. Juni) anderen Regionen deutlich hinterher.
Die USA legten kräftig zu, sind nun der zweitwichtigste Markt weltweit mit einem Umsatz von 656 Millionen Euro. Noch deutlich besser sieht es in den Niederlanden aus. 80 Prozent Wachstum gab es dort auf 838 Millionen Euro. Es ist der Spitzenplatz im internen Trumpf-Ranking.
Chipherstellung: Quasi-Monopol für Zeiss, ASML und Trumpf
Der außergewöhnliche Zuwachs geht zurück auf eine Technologie und einen Kunden. Mit der sogenannten EUV-Technologie – kurz für extrem ultravioletten Strahlung – baut ASML aus den Niederlanden als einziger Anbieter weltweit Anlagen zur Herstellung kleinster Hochleistungschips. Trumpf liefert dazu die Lasertechnik, die Optik kommt von Zeiss. Die drei Unternehmen haben hier jeweils ein Alleinstellungsmerkmal. Entsprechend positiv sind die Aussichten. Zu den ASML-Kunden gehören Samsung, Intel und TSMC.
Dieses Geschäft macht derzeit ein Fünftel des Trumpf-Umsatzes aus, Tendenz steigend. Mehr als die Hälfte tragen noch immer die Werkzeugmaschinen bei. Hier lag das Wachstum allerdings bei relativ schwachen 12,2 Prozent.
Der hemmende Faktor ist hier die Lieferkette. Es fehlen die Halbleiter – das werde sich bis Mitte 2024 wohl nicht ändern, prognostiziert Technik-Vorstand Peter Leibinger. Aus drei bis sechs Monaten Lieferzeit wurden zuletzt sechs bis zwölf Monate.
Riesiger Auftragseingang von 5,6 Milliarden Euro
Aufträge gibt es dagegen zur Genüge. Insgesamt liegt der Eingang bei 5,6 Milliarden Euro, ein Wachstum um über 40 Prozent innerhalb eines Jahres. Doch auch hier ist eine gewisse Abkühlung zu beobachten. Stornierungen gibt es allerdings noch nicht, wie Stephan Mayer, im Vorstand für die Werkzeugmaschinen zuständig, betont.
Neues Geschäftsfeld Quantentechnologie entwickelt sich gut
Positiv entwickelt sich das kleine, aber feine Geschäftsfeld Quantentechnik. 60 Mitarbeiter beschäftigt des Tochterunternehmens Qant in Möhringen. Der Weg zum Quantencomputer sei dabei besonders weit, erklärt Leibinger. Fortgeschritten ist man schon bei den hochempfindlichen Sensoren. Und mit der Technik können auch intelligente Prothesen ausgestattet werden, gesteuert mit den Reizen der Nervenenden.
Ein weiteres Thema seien neuartige Gyroskope, die beim autonomen Fahren jede Bewegungsänderung erfassen. Mitarbeiter für Qant zu finden sei nicht schwierig, weil der Nimbus des Start-ups helfe. „Wir haben auch sehr viele Blindbewerbungen“, so Peter Leibinger.
Sorgen um den Strom
Ein weiteres Thema treibt die Trumpf-Chefin noch um. „Wir können uns keinen Stromausfall leisten“, sagt sie. Deshalb plädiert sie dafür, „alles, was an vorhandenen Kraftwerkskapazitäten in Deutschland vorhanden ist“, auch ans Netz gebracht wird beziehungsweise am Netz bleibt.
Die rote Linie
In fast allen Bereichen wären zunehmende Spannungen im Verhältnis mit China für Trumpf äußerst schmerzhaft. 575 Millionen Euro Umsatz macht das Unternehmen dort. Leichtfertig könne man auf diesen Markt nicht verzichten, erklärt Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller. Die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von China sei groß, und somit hänge auch der Wohlstand in Deutschland von diesem Markt ab.
„Aber als aufrechter demokratischer Staatsbürger sieht man sich da an der Seite der USA“, sagte die Trumpf-Chefin. „Für uns, für die westliche Welt, für Europa muss eine Attacke in Taiwan die rote Linie sein.“ Besonders beunruhigend sei, dass der chinesische Machthaber Xi Jinping bereits eine Jahreszahl – 2027 – genannt habe.
Unvorbereitet will Trumpf dann nicht sein. Zugleich betonte Leibinger-Kammüller, dass nur sechs Prozent aller Länder weltweit „astreine Demokratien“ seien. „Wir können nicht nur mit diesen Ländern Handel treiben.“
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