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Beschäftigte sind "stinksauer": Widerstand gegen Standortschließung angekündigt

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Nachdem TE Connectivity die Schließung zweier Standorte verkündet hatte, baut die Gewerkschaft IG Metall vor den Verhandlungen Druck auf. Ein Manager glaubt zudem, dass das Unternehmen einen Riesenfehler macht. Würth Elektronik setzt sich unterdessen mit der Möglichkeit auseinander, das Gebäude zu übernehmen.

Gleich neben der Haltestelle Waldzimmern Mitte befindet sich im Gewerbepark die Produktion von TE Connectivity.
Gleich neben der Haltestelle Waldzimmern Mitte befindet sich im Gewerbepark die Produktion von TE Connectivity.  Foto: Christian Gleichauf

Nachdem die Pläne zur Schließung der Standorte Niedernhall in Hohenlohe und Niederwinkling in Niederbayern bekannt wurden, sitzt der Schock bei den teilweise sehr lange Beschäftigten des Steckverbinderherstellers TE Connectivity tief. Jetzt wandelt er sich mehr und mehr in Wut um, wie die IG Metall in Passau mitteilt: "Die Kolleginnen und Kollegen sind stinksauer und wollen um ihren Standort kämpfen."

Das gilt zumindest für den Standort Niederwinkling. Im August sollen dort die Verhandlungen zum Interessenausgleich und Sozialplan beginnen. Die IG Metall warnt: "Sollte hier der Arbeitgeber nicht bereit sein, konstruktive und tragbare Lösungen für die Belegschaft zu verhandeln, kann er mit dem Widerstand der Belegschaft und der IG Metall rechnen und es werden öffentliche Aktionen und Protest stattfinden."

Angst vor Gegenmaßnahmen in Niedernhall

In Niedernhall, wo es keinen Betriebsrat gibt, fürchten die Beschäftigten Informationen unserer Redaktion zufolge Gegenmaßnahmen des Unternehmens. "Deshalb ist keiner bereit, die Führung zu übernehmen", so eine Aussage aus den Reihen der Arbeitnehmer.

Immerhin sei von der Geschäftsleitung inzwischen Bereitschaft signalisiert worden, bei den Abfindungen den in Niederwinkling verhandelten Ansätzen zu folgen.


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Würth bestätigt Interesse an dem Gebäude

Seit 2017 ist TE Connectivity Eigentümer der früheren Intercontec. Die Arbeits- und Einkommensbedingungen, die zuvor vom Gesamtbetriebsrat ausgehandelt worden waren, wurden in Niederwinkling und Niedernhall nie erreicht. Nun sollen die zwei Standorte Anfang nächsten Jahres geschlossen und die Produktion nach Bydgoszcz in Polen verlagert werden. 250 Mitarbeiter sind betroffen.

Würth Elektronik ICS, das seinen Hauptsitz in direkter Nachbarschaft im Gewerbepark Waldzimmern hat, soll Interesse an dem Gebäude haben, wird kolportiert. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärt Würth-Elektrnik-Sprecherin Yasmin Schwenke, das Unternehmen verzeichne seit Jahren ein dynamisches Umsatzwachstum. „Bei einer Erweiterung von Produktionskapazitäten wird in erster Linie zunächst schon bestehendes Grundstückseigentum verplant.“

Allerdings sei das Gebäude von TE Connectivity nun ein zusätzlicher Standort „von Interesse, mit dem wir uns aufgrund der räumlichen Nähe und der sich aktuell bietenden Gelegenheit befassen“. Man befinde sich hier noch in einer sehr frühen Phase der Überlegungen, es gebe noch keine Bewertung oder Entscheidung.        

Ein "Riesenfehler"?

Ein hochrangiger Manager, der auch schon Kunde des Vorgängerunternehmens Intercontec war, hält die Standortverlagerung zudem auch aus unternehmerischer Sicht für keine gute Idee. "Die Stärke des Unternehmens war, von der Entwicklung über die Prototypenproduktion bis zur Herstellung der Steckverbindungen alles unter einem Dach zu haben. Jetzt einfach die Produktion nach Polen zu verlagern, das ist ein Riesenfehler", so der Branchenexperte, der namentlich nicht genannt werden möchte. 

 

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