Suedlink: Warum es das Megaprojekt überhaupt braucht
Die Stromautobahn sollte eigentlich längst Windstrom aus dem Norden in den Süden transportieren. Doch viele Verzögerungen bremsten das Infrastrukturprojekt. Heute ist Spatenstich in Norddeutschland. Als nächstes geht es ins Salzbergwerk unter Heilbronn und Bad Friedrichshall.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ist an diesem Montag zum symbolischen Spatenstich für den Bau der Suedlink-Stromleitung nach Wewelsfleth in Schleswig-Holstein gekommen. Das Mammutprojekt mit geschätzten Kosten von 7 bis 10 Milliarden Euro ist ein wichtiger Baustein für die Energiewende in Deutschland und wird von den Übertragungsnetzbetreibern Tennet und Transnet BW gemeinsam umgesetzt. Der erste Startschuss für das Projekt fand bereits vor sechs Wochen in Leingarten statt. Habeck war damals zum Baustart für den Konverter in die Region gekommen. "Mit dem Baustart heute im Norden für die wichtige Querung der Elbe geht auch beim Projektpartner Tennet der Baustellenbetrieb für unser gemeinsames Energiewendeprojekt los. Das ist ein wichtiges Signal für die erfolgreiche Umsetzung des Netzausbaus in Deutschland", sagt Transnet-BW-Chef Werner Götz dazu.
Was ist Suedlink?
Suedlink ist eine Direktverbindung für große Strommengen. Suedlink wird es ermöglichen, Strom mit vergleichsweise geringen Verlusten zu transportieren. Dazu wird der Wechselstrom im Norden in Gleichstrom konvertiert und dann – unter anderem hier in Leingarten – wieder in Wechselstrom transformiert.
Warum braucht es die Leitung?
Deutschland ist aus der Kernenergie ausgestiegen und will in den kommenden Jahren sukzessive auch aus der Kohleverstromung aussteigen. Der industriell geprägte Süden der Republik soll dann über Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen (HGÜs) wie Südlink mit Windstrom aus dem Norden - unter anderem auch aus der Nordsee - versorgt werden.
Der Atomausstieg ist doch schon vollzogen. Braucht es diese Leitungen trotzdem?

Tatsächlich hätte Suedlink ursprünglich bereits 2022 fertig sein sollen - auch deshalb, weil so unter anderem der wegfallende Atomstrom aus Neckarwestheim durch Windstrom aus dem Norden ersetzt werden sollte. Die Stromnetzbetreiber sind zwar in der Lage, die Lücke auch so zu füllen, doch die Kosten steigen steil an. Zum einen müssen Windkraftanlagen im Norden teils abgeregelt werden, weil ihr Strom nicht abgenommen werden kann. Zum anderen hat Deutschland im zweiten Quartal dieses Jahres - also nach Abschaltung der Kernkraftwerke - deutlich mehr Strom importiert als exportiert.
Wann soll Suedlink jetzt fertig sein?
Derzeit wird 2028 als Fertigstellungsdatum anvisiert. Angesichts häufiger Verschiebungen in der Vergangenheit erscheint eine weitere Verzögerung allerdings möglich. Die Verlegung als Erdkabel, und nicht wie ursprünglich geplant über Hochspannungsleitungen, sollte eigentlich zu mehr Akzeptanz in der Bevölkerung führen. Inzwischen muss das bezweifelt werden. Trotzdem ist Transnet-BW-Chef Werner Götz zuversichtlich: „2023 ist Suedlink einen entscheidenden Schritt vorangekommen."
Wie geht es weiter?
Als nächstes folgt der Spatenstich für die Verlegung der Leitungen durch die Salzbergwerkstollen von Heilbronn und Bad Friedrichshall. So soll die aufwendige Verlegung durch das dicht besiedelte Stadtgebiet oder im weiten Kreis drumherum vermieden werden. Die Baugenehmigung dafür liegt schon vor.
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