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Stuttgarter Wasserstoff-Messe Hy-fcell streckt die Fühler in den Heilbronner Raum aus

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Aus einem frühen Geheimtipp für Brennstoffzellen-Spezialisten wurde ein Branchentreff mit großem Potenzial. Jetzt soll auch die Vernetzung ins Umland stattfinden. Am Freitag stellen sich Akteure aus der Region vor. In Stuttgart zeigt auch ein Mann Interesse, der mit Zweitakter-Motoren sein Geld verdient hat.

"Wir wollen die Jobs der Zukunft schaffen", sagt der baden-württembergische Staatsminister Florian Stegmann vor seinem Rundgang über die Wasserstoff-Messe hy-fcell in Stuttgart. Bereits am ersten Messetag wird deutlich, dass die Landesregierung große Hoffnungen in das Thema setzt. Heute geht es dort weiter. Morgen macht sich eine rund 50-köpfige Delegation auf zu einer Tour in den Raum Heilbronn.

 Foto: Christian Gleichauf

Unter anderem wird die Technical Tour den Mobilitätsdienstleister Iinovis in Bad Friedrichshall besuchen. Auf dem Programm stehen zudem Audi und am Morgen schon das DLR in Lampoldshausen, wo ein Zentrum der Wasserstoffaktivitäten in der Region Heilbronn-Franken entsteht. Die internationalen Besucher können dort begutachten, wie Grünstrom aus dem Harthäuser Wald zu grünem Wasserstoff für die Triebwerktests auf dem Gelände wird.

"Die regionale Vernetzung muss stärker werden", sagt Guido von Vacano, Sprecher der Messe Stuttgart und dort auch Leiter des Bereichs Zukunftstechnologien. Seit 2001 gehe es bei der "fcell", wie die Fachkonferenz ab 2001 noch hieß, um die Brennstoffzelle. Inzwischen ist das Thema weiter gefasst. "Wir wollen die ganze Wertschöpfungskette abbilden", sagt von Vacano. 2021 wurde die fcell von der Messe Stuttgart übernommen, seit dem vergangenen Jahr heißt sie nun hy-fcell, um den allgemeineren Schwerpunkt Wasserstoff - englisch hydrogen - zu betonen.

Die Messe macht sich einen Namen

Das zeigt Wirkung. Es gibt bereits Ableger der Messe in Riad, Schanghai und Vancouver – und wohl bald auch in den USA. Die Ausstellerzahl hat sich seit 2021 verdreifacht, auf mehr als 170 in diesem Jahr. Das Trendthema zieht – auch bei den Besuchern. Die rund 2000 aus dem vergangenen Jahr dürften dieses Mal schnell getoppt werden. Die Halle 4 auf dem Stuttgarter Messegelände ist am Mittwochnachmittag gut gefüllt.

„Wir haben schon viele Besucher aus dem europäischen Ausland am Stand gehabt“, sagt Dominik Fröhlich vom Ventilhersteller Bürkert aus Ingelfingen. Auch aus China und Japan hätten schon Interessierte vorbeigeschaut. Die Hohenloher präsentieren hier Regeltechnik-Lösungen für die Brennstoffzelle, ähnlich wie schon auf der Hannover Messe. „Nur die Zielgruppe ist hier kleiner“, sagt Fröhlich.

Bürkert, Optima und dann nicht mehr viel

Auch die Bürkert-Mannschaft ist in Stuttgart dabei und vertritt - als eines der wenigen Unternehmen - die Region Heilbronn-Franken
Auch die Bürkert-Mannschaft ist in Stuttgart dabei und vertritt - als eines der wenigen Unternehmen - die Region Heilbronn-Franken  Foto: Christian Gleichauf

Die Region Heilbronn, die mit dem Wasserstoff eines ihrer Zukunftsthemen identifiziert hat, hält sich in Stuttgart ansonsten aber noch auffällig zurück. Wenige Unternehmen sind vertreten, darunter der Verpackungsmaschinenhersteller Optima aus Schwäbisch Hall mit seinem Brennstoffzellenableger Optima Life Science. Danach wird es dünn. An der Tour nach Heilbronn beteiligt sich immerhin die Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn (WFG) im Rahmen ihrer H2-Netzwerktreffen.

Vieles muss ineinandergreifen, wenn der Wasserstoff innerhalb weniger Jahre nun als grüner Energieträger die Energiewende ermöglichen soll. Die Industrie ist darauf angewiesen, das betont auch Staatsminister Stegmann. Als Türöffner ist auch das Wirtschaftsministerium unterwegs. Kaum ein Auslandstermin, wo nicht eine Absichtserklärung unterschrieben wird, die auch das Thema Wasserstoff-Kooperation beinhaltet. „Es ist ein riesiger Markt, der da entsteht“, hört man von Beteiligten auf der Messe. 

Für Baden-Württemberg steht die Plattform H2BW des Landes als Ansprechpartner bereit. Und auch die Innovationsagentur E-mobil sieht im Wasserstoff eine Ergänzung. „Obwohl der Löwenanteil des Wasserstoffs nicht in die Mobilität gehen wird“, wie E-mobil-Geschäftsführer Franz Loogen sagt.

Ein interessierter Motorsägen-Pionier Hans Peter Stihl 

Matthias Jurytko, Geschäftsführer der Brennstoffzellen-Firma Cellcentric aus Kirchheim/Teck mit prominentem Besuch unter anderem vom 91-jährigen Hans Peter Stihl
Matthias Jurytko, Geschäftsführer der Brennstoffzellen-Firma Cellcentric aus Kirchheim/Teck mit prominentem Besuch unter anderem vom 91-jährigen Hans Peter Stihl  Foto: Christian Gleichauf

Einer der Hersteller von mobilen Lösungen ist Cellcentric aus Kirchheim/Teck. Geschäftsführer Matthias Jurytko erläutert beim „politischen Rundgang“, dass die mächtigen Brennstoffzellen-Aggregate aus seinem Hause inzwischen schon in Prototypen von Daimler Truck und Volvo Truck im Einsatz sind. Besonders interessiert zeigt sich auch der 91-jährige Unternehmer Hans Peter Stihl. Welche Leistung diese Module haben, will der Motorsägen-Pionier wissen, dessen Unternehmen bis heute auch mit kleinen Zweitakter-Motoren Geld verdient. 150 Kilowatt lautet die Antwort. Doch für große 40-Tonner können hier auch zwei zusammengeschaltet werden, was dann einer Leistung von mehr als 400 PS entspricht.

E-Mobil-Chef Loogen erlaubt sich dann etwas anzumerken, was den Unternehmern offenbar aus kartellrechtlichen Gründen nicht erlaubt ist: Ende des Jahrzehnts würden auch im Nutzfahrzeugbereich 50 Prozent der Lkw wohl mit Batterie fahren. „Doch bei 15 bis 20 Prozent wird der Anteil von Wasserstoff liegen“, sagt Loogen. Überwiegend werden dabei Brennstoffzellen zum Einsatz kommen, zu einem kleinen Teil vielleicht auch Wasserstoff-Verbrennungsmotoren. Bis dahin müsse die Infrastruktur stehen. Die EU hat dazu klare Vorgaben gemacht. „Es geht längst nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie.“

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