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Startups mit genial einfachen Ideen: Statt Barcode einfach fotografieren

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Der Investorenverein Venture Forum Neckar veranstaltet zum neunten Mal seinen Kongress rund um die Industrie 4.0. 16 Jung-Unternehmer präsentieren ihre teils unglaublichen Ideen

Foto: H_Ko/stock.adobe.com
Foto: H_Ko/stock.adobe.com  Foto: H_Ko/stock.adobe.com

Es sind wieder einmal ungewöhnliche Geschäftsideen, die in der vergangenen Woche beim Investorenverein Venture Forum Neckar (VFN) in kurzen Pitches vorgestellt wurden. Abermals musste die Veranstaltung als reines Online-Format stattfinden. Somit konnten allerdings - wie im Vorjahr - auch Startups aus Israel problemlos teilnehmen.

Seit acht Jahren ist Industrie 4.0 das Thema

Zwei mehrstündige Abendveranstaltungen sind angesetzt, um insgesamt 16 Gründern die Chance zu geben, Investoren und Unternehmer von sich zu überzeugen. "Industrie 4.0 - Startups meet Hidden Champions" lautet die Überschrift.

Seit mittlerweile acht Jahren widmet sich das Venture Forum diesem Zukunftsthema, das in jüngster Zeit deutlichen Auftrieb erhalten hat.

 


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Ein Kraftwerk aus Lenkdrachen?

Stichwort Auftrieb: Kitekraft aus München gehört zu den jungen Unternehmen, die noch auf den Durchbruch warten. Ihre Idee: Windkraft nicht mit großen Windmühlen zu ernten, sondern mit wendigen Fluggeräten. "Es ist eine Mischung aus Drohne und Kite" - also eine Art Lenkdrachen, wie Kitekraft-Mitgründer Max Isensee erklärt.

Deutlich günstiger als klassische Windkraftanlagen sei die Technik. Der erste Flug ist bereits geglückt.

Ab 2024 sollen die ersten 100-Kilowatt-Geräte auf den Markt kommen, 2030 will Kitekraft in den Megawatt-Bereich vorstoßen. Die Gründer von der Technischen Uni in München haben mit ihrem Konzept bereits das namhafte amerikanische Gründerzentrum Y-Combinator im Silicon Valley für sich gewonnen. Jetzt werden hier Partner gesucht.

Erste Partnerschaften sind erfolgreich am Markt

In der Region fündig geworden ist da bereits das Startup Innocise aus Saarbrücken, das seine vom Gecko inspirierte Greiftechnik im vergangenen Jahr an gleicher Stelle vorgestellt hat.

Mit dem Greifsystemspezialisten Schunk aus Lauffen wurde die Technologie weiterentwickelt und angepasst. Nun berichten beide Seiten von ihrer Erfahrung. Stefan Reineck, der Vorsitzende des Venture Forums, betont, dass neben dem finanziellen Aspekt eine wichtige Funktion der Business Angels sei, Kontakt zu den etablierten Firmen herzustellen.

 


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Einzigartige Oberfläche identifiziert

Solche Kontakte benötigte auch das Stuttgarter Startup Detagto. Es biete eine "völlig neue Art der Einzelteilrückverfolgung" an, wie Benedikt Wigger erläutert. Ob Bauteile in der Automobilindustrie oder in der Medizintechnik, teilweise sei es nicht möglich, Markierungsverfahren wie Barcode oder auch Lasergravur einzusetzen.

Die Lösung ist so genial wie einfach: Detagto arbeitet stattdessen mit den natürlichen, aber immer einzigartigen Oberflächenstrukturen von Metallen, Papier, Kunststoff. Über eine hochauflösende Kamera kann diese mikroskopische Struktur fotografiert, per Software ausgewertet und dann jederzeit abgeglichen werden. Das ist sogar fälschungssicher.

Nicht nur im Fall von Detagto sehen die jungen Unternehmer Milliardenmärkte, die erobert werden können - was naturgemäß nicht so einfach ist.

Bestehende Sensoren ausgelesen

Ebenfalls eine typische Industrie-4.0-Anwendung bietet Clinktwin aus Heilbronn. Die Idee, die Alexander Quast beschreibt, ist simpel: Die bereits für die Steuerung genutzten Sensoren einer Anlage liefern ihre Rohdaten parallel auch in die Cloud, die Clinktwin zur Verfügung stellt.

Ein Einhacken in das System sei so gut wie unmöglich, betont Quast. So können Anlagendaten in Echtzeit verfolgt werden, mit überschaubarem Aufwand.

Israelische Firmen suchen den Kontakt

Den Zugang zum europäischen Markt und vor allem zu etablierten europäischen Partnern suchen auch in diesem Jahr wieder eine Reihe von israelischen Unternehmern. "Jedes dritte Startup dort beschäftigt sich mit dem Internet of Things", erklärt Stefan Reineck. Das sei eine Chance für viele Mittelständler. Aber auch recht futuristische Ideen werden vorgestellt, etwa der Roboter von Okibo, der Handwerkern wie Malern und Verputzern Konkurrenz macht.

Aus Israel schaltet sich zudem Thomas Villinger zu, der als Geschäftsführer des Risikokapitalgebers Zukunftsfonds Heilbronn enge Bande in das Land pflegt und auch die Aktivitäten des Landes Baden-Württemberg und seiner neuen Wirtschaftsrepräsentanz in Israel unterstützt und begleitet. Die Beziehungen sollen intensiviert werden.

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