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Startup Markt-Pilot startet jetzt in den USA durch – Gründer aus der Region Heilbronn

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Innerhalb von nur 3,5 Jahren zum Multimillionenumsatz: Markt-Pilot zählt zu den 50 am schnellsten wachsenden Startups Deutschlands. Auf die USA soll auch China folgen – da haben die Jungunternehmer keine Angst, allenfalls Respekt

Die Geschäftsführer des Start-ups Markt-Pilot Tobias Rieker (links) und Alex Morbe bei den Campus Founders in Heilbronn.
Foto: Christian Gleichauf
Die Geschäftsführer des Start-ups Markt-Pilot Tobias Rieker (links) und Alex Morbe bei den Campus Founders in Heilbronn. Foto: Christian Gleichauf  Foto: Christian Gleichauf

In nur dreieinhalb Jahren hat das Esslinger Start-up Markt-Pilot mit seinen Gründern aus dem Raum Heilbronn eine Erfolgsstory hingelegt. Die Idee, Maschinenbauern dabei zu helfen, ihre Ersatzteile profitabler zu verkaufen, kommt an. 109 Mitarbeiter sind bereits beschäftigt, der Umsatz hat sich in den vergangenen zwei Jahren auf einen zweistelligen Millionenbetrag verzehnfacht.

Über genaue Zahlen schweigen die Gründer Alex Morbe und Tobias Rieker allerdings. In der Szene werde alles genau beäugt. Erst recht, wenn man zu den 50 am schnellsten wachsenden Start-ups in Deutschland zählt, wie Glassdollar in Kooperation mit dem "Handelsblatt" ermittelt hat.

2023 war das Jahr der Neuaufstellung

In vier Ländern ist die Truppe aus Schwaben nun schon vertreten - neben Esslingen in Chicago, Mailand und seit kurzem auch in Stockholm. Das Startup will so mit seiner Software Maschinenbauern in den USA und Europa den Verkauf von Ersatzteilen lukrativer gestalten. Denn bisher werden die Teile häufig zu billig oder zu teuer angeboten. Beides ist von Nachteil.

Das vergangene Jahr war insgesamt eines der Neuaufstellung, erzählt Alex Morbe, der selbst Anfang 2023 als Geschäftsführer neben Tobias Rieker angefangen hat. Er kommt aus Heilbronn, quasi aus der Nachbarschaft des Beilsteiners Rieker. Das Start-up-Zentrum der Campus Founders ist für das Start-up auch deshalb weiterhin ein zentraler Anlaufpunkt.

Preisfindung ergänzt das Angebot

Erweitert wurde auch das Angebot. Im September hat Markt-Pilot nach dem sogenannten Priceradar sein zweites Produkt ausgerollt: den Priceguide. Der Priceradar brachte erstmals Transparenz in den Ersatzteilmarkt. Für jedes Teil gibt die Anwendung aus, was Wettbewerber dafür verlangen. So ist es den Maschinenbauern möglich, selbst einen angemessenen Preis dafür festzulegen.

Der Priceguide ermittelt anhand einer Reihe von Vorgaben und mit den Daten aus dem Priceradar dann automatisch einen passenden Preis.

Auch hier ist KI an Bord

Künstliche Intelligenz spielt eine wichtige Rolle. Zum einen bei der Suche nach Teilen, deren Nummern nicht immer perfekt angegeben werden. "Bei einem kleinen Prozentsatz müssen wir auch nacharbeiten, wenn sich automatisiert nicht erkennen lässt, ob eine Artikelnummer zu einem Laptop-Teil gehört oder zum gesuchten Maschinen-Teil", sagt Rieker.

Das werde aber mit der Zeit besser, die KI lerne dazu. Und auch bei der Preisfindung komme verstärkt KI zum Einsatz.

Mühevoller Start in den USA

Vor allem in Chicago hat das junge Unternehmen mit 15 Mitarbeitern im dortigen Office einiges vor. "Es läuft jetzt richtig an dort, aber es hat Zeit gebraucht", sagt Alex Morbe. "Obwohl wir gute Mentoren aus dem German-Accelerator-Programm hatten und auch wussten, worauf wir uns da einlassen." Kunden, Mitarbeiter, alles funktioniere etwas anders in den USA.

Vor allem: "Keiner hat Zeit." Mit 5 statt mit 25 Power-Point-Folien müsse man überzeugt haben, sonst sei der Zug abgefahren. "Und wenn man dann nicht innerhalb von Minuten die erste Mail hinterherschickt, dann wird das schon als Desinteresse auf unserer Seite gewertet", erzählt Rieker. Das Team habe sich jetzt aber darauf eingestellt.

Als nächstes geht der Blick nun in Richtung China. Mit der klaren Ausrichtung auf die Maschinenbauer ist dies der größte Markt weltweit, allerdings wohl auch ein besonders anspruchsvoller. Der Schritt müsse deshalb gut vorbereitet sein, deuten die zwei an.

Eigene Messe in Ludwigsburg

Hierzulande soll sich weiter unter den Maschinenbauern herumsprechen, was die Software leistet. Dazu wird im Oktober in Ludwigsburg wieder eine eigene Messe, der "Parts Summit", veranstaltet. 250 Maschinenbauer waren beim ersten Anlauf schon dabei, diesmal sollen es noch ein paar mehr werden. "Wobei man die Mund-zu-Mund-Propaganda nicht überschätzen darf", sagt Tobias Rieker. "Da müssen wir schon selbst aktiv werden."


Blitzstart

Dreieinhalb Jahre gibt es Markt-Pilot jetzt. Innerhalb der letzten zwei Jahre hat das Start-up seinen Umsatz in etwa verzehnfacht. Genaue Zahlen wollen die Gründer zwar nicht nennen, doch die Ausgangsbasis liegt offenbar bei etwa 800.000 Euro. Damit kratzen sie nun bald am zweistelligen Millionenumsatz. In diesem Jahr sollen die Erlöse jedenfalls verdreifacht werden, die Mitarbeiterzahl in etwa auf 200 verdoppelt. "Bisher haben wir unsere Ziele meist ziemlich gut erreicht", sagt Gründer Tobias Rieker.

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