Sprache braucht Spielraum
Audi ist mit seinen Vorgaben zur gendersensiblen Sprache weit gegangen. Zu weit, findet unser Redakteur.
Gegen neutrale Formulierungen wie Studierende ist nichts einzuwenden. Nichts spricht dagegen, konsequent alle "Besucherinnen und Besucher" anzusprechen. Wer in einer Runde ausdrücklich auch jene adressieren will, die sich als "nicht-binär" verstehen, der kann sogar neue Pronomen und auch den bekannten Unterstrich benutzen. Damit gilt für den Einzelnen, was logischerweise auch ein Unternehmen für sich in Anspruch nehmen darf. Insofern ist Audi erst einmal auf dem richtigen Weg. Mit seiner gendersensiblen Sprache gibt sich das Unternehmen weltoffen, inklusiv und fortschrittlich. Damit ist heute offensichtlich viel zu gewinnen – mehr als zu verlieren wäre, wenn man zu spät auf den Zug aufspringt.
Audi ist allerdings weit gegangen in seinem Bestreben, für mehr Chancengleichheit und Fairness im Unternehmen zu sorgen – zu weit. Denn es sind zwei Paar Stiefel, ob jemand gendersensible Sprache nutzen möchte oder ob er dazu gezwungen wird. Daher wird es sehr spannend zu verfolgen sein, was die bayerischen Richter zur Gender-Vorgabe von Audi zu sagen haben.
Hier geht es eben nicht nur um die Kommunikation des Unternehmens und seiner offiziellen Vertreter, sondern um die Kommunikation jedes einzelnen Mitarbeiters. Ein als "Unternehmensrichtlinie" bezeichneter Leitfaden lässt da nicht mehr viel Spielraum. Darin wird beispielsweise die Verwendung von männlicher und weiblicher Form explizit als "nicht gendersensibel" gebrandmarkt. Die Freiheit des Einzelnen, im Arbeitsalltag bei seiner vertrauten Sprache zu bleiben, ist somit doch deutlich beschnitten.
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