Stimme+
Region
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Sonnenenergie bekommt noch eine Chance in der Region

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Mit der Einigung in Berlin verbessern sich die Perspektiven für neue Energien auch in der Region. Doch die neue Abstandsregel wird der Windkraft keinen Schub bringen.

 Foto: Patrick Pleul

In diesem Frühjahr gab es Wind und Sonne im Überfluss. Auf dem Weg zu einer CO2-freien Energieversorgung werden diese Quellen aber weiterhin zu wenig genutzt. Mit der Einigung der großen Koalition können Photovoltaik- und Windkraft-Projekte auch in der Region Heilbronn und Hohenlohe wieder angegangen werden. Betreiber fordern allerdings bei der Windkraft Nachbesserungen. Die neue Abstandsregel allein ändere wenig.

Die Heilbronner Bürgerenergiegenossenschaft Energeno hat endlich Planungssicherheit. Photovoltaik (PV) mit insgesamt sechs Megawatt Nennleistung soll in diesem Jahr installiert werden. "Ich weiß nicht, was wir gemacht hätten, wenn die Deckelung bei 52 Gigawatt gekommen wäre", sagt Vorstand Georg Dukiewicz. Damit wäre die gesicherte Vergütung weggefallen.

So aber werden Freiflächenanlagen mit vier Megawatt in Brandenburg und Sachsen-Anhalt errichtet, weitere zwei Megawatt auf öffentlichen Gebäuden und Industriehallen rund um Heilbronn. 18 Megawatt hat die Energeno bisher installiert.

Planungssicherheit ist wichtig

Weitere Projekte sind derzeit nicht in der Pipeline. Mit der Planungssicherheit könne man das jetzt angehen. "Wir haben schließlich die Vision, irgendwann 100 Prozent erneuerbare Energien zu nutzen. Da kann man nicht auf halber Strecke aufhören", findet Dukiewicz.

Auch Windenergieprojekte gehörten dazu. Geld und Interesse seien dabei nicht das Problem. Doch Risiko und Vorlauf seien vor allem bei der Windkraft derzeit einfach zu groß. Widerstände von Gegnern machten viele Projekte unattraktiv.

Abstandsregel in Baden-Württemberg kann bleiben

 Foto: Sebastian Gollnow

Geeinigt hat sich die GroKo in Berlin auf eine neue Regelung, die einen Mindestabstand von bis zu 1000 Metern zwischen Windrädern und Wohngebäuden ermöglicht, die Entscheidung aber den Ländern überlässt. Für Baden-Württemberg bedeutet das, dass der bisher geltende Orientierungswert von 700 Metern bestehen bleiben kann.

"Das ist eine gute Nachricht. Denn mit einer pauschalen 1000-Meter-Regel wäre der Windkraft-Ausbau in Baden-Württemberg Geschichte", sagt Markus Pubantz, Geschäftsführer der Bürgerwindpark Hohenlohe GmbH. Der Ausbau im Südwesten sei zuletzt auch so schon zum Erliegen gekommen. "Viele Kommunen lassen ihre Flächennutzungspläne in der Schublade, Gemeinderäte verhindern die Ausweisung neuer Windkraft-Flächen." Das sei derzeit die Realität, obwohl vielerorts Platz genug sei, davon ist Pubantz überzeugt.

Bürgerbeteiligung bleibt ein entscheidender Faktor

Sogar das Repowering - der Austausch alter Anlagen durch neue - werde inzwischen systematisch verhindert. "Dabei haben wir Fälle, wo Anwohner Interesse haben, dass die Windräder näher an ihre Bebauung gerückt werden - weil sie über die Pachteinnahmen dann profitieren", erzählt Pubantz. Daher kann er auch den Vorschlägen von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) etwas abgewinnen, der eine stärkere Entschädigung von Kommunen und Bürgern im Umfeld der Anlagen vorschlägt.

Zeag hat gute Erfahrungen gemacht

Solche Beteiligungsmodelle für Kommunen und Bürger bietet neben der Bürgerenergie Hohenlohe auch der Energieversorger Zeag seit vielen Jahren an. "In den beteiligten Bürgerenergiegenossenschaften ist die Akzeptanz sehr hoch", sagt Harald Endreß, Geschäftsführer der Zeag Erneuerbare Energien.

Doch neue Projekte hätten derzeit kaum noch Chancen. Und daran seien nicht in erster Linie die Abstandsregeln schuld. Was ihm mehr Sorgen macht, sind die Vorgaben, die sich im Laufe eines inzwischen mehrjährigen Genehmigungsverfahrens mehrfach veränderten. "Das heißt, dass Gutachten nachgebessert werden müssen, noch bevor sie fertig sind."

Bei einer Ausschreibung hat der Süden keine Chance

Ein offener Punkt bei der Windkraft bleibt die Ausschreibungspraxis. Hier konkurrieren Standorte im eng besiedelten Baden-Württemberg mit denen im hohen Norden, wo große Parks möglich sind. Im Umweltministerium in Stuttgart fordert Franz Untersteller (Grüne) deshalb einen sogenannten Regional- oder Südbonus, der diese Unterschiede ausgleicht. Ein Ministeriumssprecher drückt es auf Anfrage so aus: "Wir brauchen wieder mehr Genehmigungsanträge.

 

Große Photovoltaik-Anlage geplant

Am Seehaus bei Widdern plant die Zeag eine der größten Photovoltaik-Anlagen der Region mit acht Megawatt Nennleistung zu errichten. Ohne die Einigung in Berlin wäre es für dieses Projekt eng geworden, sagt Harald Endreß von der Zeag. "Immerhin ist es inzwischen sogar denkbar, den Strom über die Börse zu vermarkten, aber das hängt wiederum stark von der Entwicklung der Preise dort ab." Jetzt gebe es Planungssicherheit. 

 
Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben