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Salzwerke kommen bei der Berg- und Talfahrt nicht ins Schleudern

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Ein warmer Winter macht dem SWS-Chef bei der Hauptversammlung noch kein Kopfzerbrechen. Es schrumpft nur wieder mal der Gewinn. Doch die Unwägbarkeiten nehmen zu.

Fast alles hängt bei den Salzwerken vom Verkauf des Streusalzes ab. Profitabel sind sie aber auch, wenn das Wetter mal nicht mitspielt.
Foto: dpa
Fast alles hängt bei den Salzwerken vom Verkauf des Streusalzes ab. Profitabel sind sie aber auch, wenn das Wetter mal nicht mitspielt. Foto: dpa  Foto: Patrick Pleul

Die Südwestdeutsche Salzwerke AG (SWS) sieht sich weiterhin mit einem volatilen Geschäft konfrontiert. "Enorme Schwankungen gehören zu unserem Geschäft, damit können wir umgehen", erklärte Vorstandschef Ulrich Fluck bei der 51. Hauptversammlung, die abermals virtuell stattfand.

Angesichts der Eigentumsverhältnisse - jeweils 49 Prozent gehören der Stadt Heilbronn und dem Land Baden-Württemberg - gibt es traditionell kaum Aktionäre, die Fragen stellen. Diesmal war es nur einer. Matthias Gaebler, seines Zeichens professioneller Kleinaktionär, stellte dafür gleich 71. Teilweise war das sogar unterhaltsam. Etwa: "Warum haben Sie für die Vorstandsvergütung ,anerkannte Vergütungsberater" eingeschaltet?" Um dann nachzuschieben: "Dilettanten würde man ja kaum beauftragen."

Begrenzte Aussagekraft: Stromeinsatz des Unternehmens

Gewinnbringende Erkenntnisse brachten die Antworten allerdings kaum zutage. Interessant vielleicht: Die SWS setzt 0,37 Kilowatt Strom pro Euro Umsatz ein. Was das bedeutet, lässt sich allerdings kaum sagen. Vergleichswerte gibt es nicht.

So neutral wie möglich beantwortete der Heilbronner OB und Aufsichtsratsvorsitzende Harry Mergel auch die Frage, ob Thomas Strobl als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender zurücktreten müsste, wenn er seinen Ministerposten aufgeben würde. Und wen vertrete er überhaupt, das Land oder die Stadt, wollte Gaebler wissen. Mergel stellte klar: "Aufsichtsratsmandate sind höchstpersönliche Mandate und werden nicht in Vertretung ausgeübt. Das gilt auch für Herrn Minister Strobl." Das war es dann aber auch mit den nennenswerten Informationen aus der Fragerunde.

Schwankungen gehören zum Salz-Geschäft

Salzwerke-Chef Fluck hatte zuvor erläutert, wie sich die einzelnen Geschäftsbereiche entwickeln. Die größten Schwankungen bringt das Geschäft mit dem Auftausalz, das quasi im Zickzack-Kurs 2019 hohe, 2020 geringe, 2021 wieder sehr hohe Erlöse brachte.

Der Vorsteuergewinn (Ebit) vervierfachte sich auf ein Rekordniveau von 60 Millionen Euro. Die flüssigen Mittel erhöhten sich innerhalb Jahresfrist um mehr als 20 Millionen Euro. Entsprechend gab es auch die bisher höchste Dividende der SWS: 1,65 Euro.

2022 wird wieder abgebremst. Beim Umsatz ging es im ersten Quartal bereits wieder um mehr als ein Viertel bergab. Das Vorsteuerergebnis drittelte sich. Fluck betonte, dass die Unwägbarkeiten mit Pandemie und Krieg nun noch einmal zugenommen haben. Energie-, Rohstoff- und Transportkosten legen zu und belasten die Geschäfte der Heilbronner in vielen Bereichen.

Mit dem Holzkraftwerk weg von den fossilen Brennstoffen

Trotzdem soll das Unternehmen nicht ins Schleudern kommen. Eine Ergebnisprognose sei schwierig, so Fluck. Vorsichtig erwartet er beim Vorsteuergewinn 20 Millionen Euro, und damit deutlich weniger als im Durchschnitt vergangener Jahre. der bei über 30 Millionen liegt. Einen Beitrag, fossile Brennstoffe zu ersetzen, soll das geplante Holzkraftwerk leisten. Wenn die Genehmigung zügig erteilt wird, soll es 2024 in Betrieb gehen. Es ist das größte Projekt derzeit, die Kosten gehen in die Millionen.

Meilensteine waren zuletzt die Vertragsunterzeichnung für die Verlegung des Suedlink-Kabels durch das Bergwerk. "Das ist einzigartig, aber für alle Beteiligten auch herausfordernd", merkte Fluck an. Attraktiv sei es in finanzieller Hinsicht, allerdings erst nach der Fertigstellung, die derzeit für 2027 geplant ist.

Reederei Schwaben und die Unter-Tage-Deponie

Zum 1. Oktober 2021 kaufte die SWS von der Baden-Württemberg-Stiftung zudem weitere 44 Prozent an der Reederei Schwaben. Damit kontrollieren die Salzwerke nun 95 Prozent der Reederei, die für die Belieferung der Industriesalzkunden zuständig ist. Außerdem bereitet die SWS den Antrag vor, auch über das Jahr 2028 hinaus Sonderabfälle der Industrie unter Tage deponieren zu dürfen. An der "Giftmülldeponie" gibt es immer wieder Kritik. Fluck erklärte dazu: "Den Genehmigungsprozess gestalten wir offen und transparent."


Neu im Aufsichtsrat

In den Aufsichtsrat rückte Regierungspräsidenten Susanne Bay, die als grüne Heilbronner Stadträtin schon einmal dem Gremium angehörte. Sie folgt auf Helmfried Meinel. Für den ausscheidenden Arbeitnehmervertreter Andreas Pfnür kommt Andreas Hinterstoißer, Betriebsratsvorsitzender der Saline Bad Reichenhall in das Gremium.

 

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