Regionale Wirtschaft schickt Hilferuf an die Politik
Vertreter von Kammern und Unternehmen fordern schnelle Finanzhilfen für die Unternehmen. Denn: Betriebe fürchten um ihre Existenz.
Mit einem dramatischen Appell an die Bundesregierung hat sich die regionale Wirtschaft am Freitag zu Wort gemeldet. Wenn nicht so schnell wie möglich finanzielle Hilfe fließen sollte, werde es zahlreiche Insolvenzen und viele Entlassungen geben, betonten Vertreter der IHK Heilbronn-Franken, Handwerkskammer Heilbronn-Franken, Südwestmetall und Unternehmen bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im Haus der Wirtschaft.
Von der Bundesregierung erwarten sie die rasche Einführung eines Strompreisdeckels, einen Notfallfonds für kleine und mittlere Unternehmen sowie die Verlängerung der Laufzeiten für die verbliebenen Atom- und Kohlekraftwerke.
Hilferufe aus den Unternehmen
„Uns erreichen gerade viele Hilferufe aus den Unternehmen, die um ihre Existenz fürchten“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Döring. Komme nicht schnelle Hilfe, befürchtet sie, dass Unternehmen ihre Produktion ins Ausland verlagern. „Es besteht die Gefahr einer schleichenden Deindustrialisierung“, so Döring.
Auch IHK-Präsidentin Kirsten Hirschmann warnte vor dem Verlust von tausenden Arbeitsplätzen in der Region. Die Gaspreisbremse komme viel zu spät und nutze den Betrieben im Moment nichts. „Im März ist der Winter vorbei“, sagte sein und forderte einen Härtefallfonds, der angeschlagenen Unternehmen schnell und unbürokratisch entlaste. Da der Strompreis für die Wirtschaft mindestens so wichtig sei wie der Gaspreis, müsse schnell eine Strompreisbremse kommen. Zudem müsse mehr Energie in den Markt, daher müssten die Kernkraftwerke und andere verfügbare Kraftwerke unbedingt weiterlaufen.
Vollert verweist auf die Gesetze der Physik
Das fordert auch Hans-Jörg Vollert, Vorstandsvorsitzender der Südwestmetall-Bezirksgruppe in der Region. Er zeigte sich fassungslos, dass die Politik nicht auf die Gesetze der Physik höre. Vollert ist völlig schleierhaft, wie das Land und die Wirtschaft durch den Winter 2023/24 kommen will. „Im nächsten Frühjahr sind die Gasspeicher leer“, prophezeit der Weinsberger Unternehmer. Dann helfe auch der Gaspreisdeckel nicht mehr. „Was nützt der Deckel, wenn kein Gas mehr da ist?“
An der Bundesregierung kritisiert Vollert, dass es keine Priorisierung der Maßnahmen und keinerlei Pragmatismus in dieser „brutalen Lage“ gebe. Die Rezession sei längst da.
Wachkoma beenden
Jörg Ernstberger, Geschäftsführer von Südwestmetall in der Region, glaubt, dass nicht allen Verantwortlichen der Ernst der Lage klar ist. „Wir befinden uns in einem Wirtschaftskrieg“, sagte Ernstberger. Einige Unternehmen aus der Automobil- und Zuliefererindustrie hätten bereits Produktion ins Ausland verlagert. „Wir müssen das Wachkoma beenden“, sagte er an die Politik gerichtet.
Pleitewelle im Handwerk droht
Auch das regionale Handwerk schlägt Alarm. „Ich sehe schwarz“, sagte Kammerpräsident Ulrich Bopp angesichts der dramatischen Lage etwa in der Bauwirtschaft. „Da sind wir schon in der Rezession“, sagte Bopp mit Blick auf reihenweise Stornierungen von Bauaufträgen.
„Wir brauchen schnelle und unbürokratische Hilfe“, betonte Bernhard Kuhn, Obermeister der Bäckerinnung Heilbronn. Bis zum kommenden Jahr könne die Branche nicht warten. „Dann sind viele von uns nicht mehr da“, sagte Kuhn. An die Bundesregierung richtete der Bäckermeister die eindringliche Bitte: „Helft uns mit Taten, nicht nur mit warmen Worten. Von warmen Worten können wir uns nichts kaufen.“
Ralf Schnörr, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, forderte, dass auch Haushalte und Unternehmen entlastet werden, die mit Heizöl, Pellets oder Holzhackschnitzel heizen. „Da darf es kein Ungleichgewicht geben“, sagte Schnörr mit Blick auf die Gaspreisbremse. Entscheidend sei, dass die Hilfen schnell und unbürokratisch fließen.
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