Startup HyImpulse aus Neuenstadt: Erst der Test, dann die Trägerrakete
Das Raketen-Startup HyImpulse entwickelt seine Orbitalrakete weiter, während für die kleinere Forschungsrakete in Australien der erste Testflug ansteht. Die Neuenstädter wollen zeigen, dass ihre Technik funktioniert.

Das Raketen-Start-up HyImpulse macht Fortschritte in der Entwicklung seiner sogenannten Orbitalrakete. Die Rakete mit der Bezeichnung SL1 soll einmal Kleinsatelliten ins All befördern können. Sie bündelt dazu zehn der innovativen Hybridantriebe, bei denen Paraffin unter Zugabe von Sauerstoff verbrannt wird und damit für kräftigen Schub sorgt. Dieser Antrieb soll jetzt aber erst einmal in einer Höhenforschungsrakete beweisen, dass er unter Realbedingungen wie vorgesehen funktioniert.
Raketen-Start-up HyImpulse in Neuenstadt: Testflug im April

Die SL 1 ist auf größere Nutzlast ausgelegt und fliegt deutlich höher als die "Suborbitalrakete" SR75. Doch mit dieser einstufigen Experimentalrakete wollen die Neuenstädter zeigen, dass ihre Technik funktioniert. Momentan befindet sie sich auf der Überfahrt nach Australien, wo sich nach aktuellen Plänen im April das Startfenster öffnet.
Die vier bis fünf Wochen Verspätung gegenüber den Plänen von Ende November sind für Christian Schmierer, Mitgründer und CEO von HyImpulse, ärgerlich, aber erklärbar. Die Exportlizenz sei nicht mehr wie erhofft vor Weihnachten angekommen. "Dann begannen die Angriffe der Huthi-Rebellen und damit die Logistik-Probleme."
Inzwischen seien die aber gelöst und die Rakete auf dem Weg ums Kap der guten Hoffnung zum Startgelände in Koonibba in Südaustralien.
HyImpulse im Gespräch mit weiteren Investoren
Wichtiger: HyImpulse hofft weiterhin auf den Einstieg eines weiteren finanzstarken Investors. Der bisher einzige private Förderer ist Rudolf Schwarz, Chef des Raumfahrtdienstleisters IABG in Ottobrunn bei München. Er hat signalisiert, dass er HyImpulse nicht im Alleingang mit dem Geld ausstatten kann, das notwendig ist, um sich im Weltraumgeschäft zu etablieren.
"Für weitere Investoren ist die Flight Heritage, die Flugerfahrung, der entscheidende Punkt." Wenn sie also fliegt, und daran zweifelt Schmierer nicht, dann sei er auch guter Dinge, dass ein weiterer Partner zusagt. "Wir sind mit einigen Potenziellen Investoren im Gespräch."
Vorteile der Technik ausspielen
Um die Kosten nicht aus dem Ruder laufen zu lassen, werden derzeit Beziehungen zu Zulieferern aufgebaut. Wichtig ist HyImpulse dabei "die volle Kontrolle über das Antriebssystem". Paraffin ist ein nicht-explosiven Treibstoff ähnlich dem bekannten Kerzenwachs, der die Handhabung einer Rakete revolutioniert. So können die Antriebe während des gesamten Transports vollständig mit Treibstoff beladen sein. Auch das reduziert die Kosten.
Im Wettbewerb steht HyImpulse weiter mit wenigen anderen europäischen Raketen-Start-ups. Als erstem ist es der spanischen PLD Space im Oktober gelungen, eine Höhenforschungsrakete erfolgreich zu starten. Jetzt will HyImpulse nachziehen.
Dann endlich steht die größere SL1 im Fokus. Sie soll 600 Kilogramm Nutzlast - beispielsweise Kleinsatelliten - auf 400 oder 500 Kilometer Höhe bringen und braucht dafür zehn Antriebe in drei Stufen. Schließlich, so erläutert Schmierer, müsse diese Orbitalrakete auf eine Geschwindigkeit von 26 000 km/h beschleunigt werden.
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