R. Stahl spürt erste Erholung
Nach einem enttäuschenden Jahr 2020 gibt es wieder mehr Aufträge für den Explosionsschutzspezialisten. Der Unternehmenschef ist optimistisch. Nur die Börse honoriert die Zahlen nicht.

Es war ein herber Rückschlag für R. Stahl, als nach Rekordauftragseingängen Anfang 2020 fast alle Kunden auf die Bremse traten. Jetzt kommen sie zum großen Teil zurück. In der zweiten Jahreshälfte soll sich das auch in den Umsatzzahlen bemerkbar machen, erklärte Vorstandschef Mathias Hallmann bei der Telefonkonferenz zu den Bilanzzahlen 2020 und dem ersten Quartal.
In Australien war wenig auszurichten
Deutschland und große Teile Europas hielten sich im vergangenen Jahr gut, in Großbritannien und Norwegen ging es für R. Stahl aber steil nach unten. Die Kunden des Explosionsschutzspezialisten aus Waldenburg sind vor allem im Öl- und Gas-Geschäft tätig.
So waren auch die USA, Indien und China stark rückläufig. "Australien traf es besonders, zuerst mit dem Feuer, dann mit der Flut, dann Covid", erzählt Hallmann.
Mitarbeiterzahl konstant, Kosten insgesamt runter
Doch das Unternehmen hatte zu dieser Zeit die Restrukturierung bereits weitgehend abgeschlossen, wie er betont. Deshalb seien die Kosten ebenso gesunken wie die Umsätze.
"Das zeigt, dass wir ein gesundes Portfolio haben." Auch das Personal wurde an die gesunkene Nachfrage "vorübergehend angepasst", wie Hallmann sagt. Insgesamt blieb die Mitarbeiterzahl in etwa konstant bei knapp unter 1700.
In den ersten drei Monaten dieses Jahres legte der Auftragseingang zu. Er stieg um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahrszeitraum auf 64 Millionen Euro. Die Aufträge werden mit Verzögerung abgearbeitet, so dass es erst ab dem zweiten Quartal auch bei Umsatz und Ergebnis wieder nach oben gehen dürfte.
Wasserstoff noch ein Nischenprodukt
Künftig will sich R. Stahl vor allem auf den Gasbereich konzentrieren. "Äußerst erfolgreich" sei bereits das Geschäft mit flüssigem Erdgas (LNG), das zwar eine Brückentechnologie auf dem Weg zu einer möglichen Wasserstoffwirtschaft sei, aber doch sicher bis 2035 eine wichtige Rolle spiele, so Hallmann.
Beim Wasserstoff ist R. Stahl an mehreren Projekten beteiligt. Doch das Volumen sei noch relativ gering. "Das wird sich in den nächsten fünf Jahren kaum bemerkbar machen", schätzt er. Interessanter scheint da die Batteriefertigung zu sein. Auch hier braucht es angesichts der chemischen Prozesse bei der Produktion den Explosionsschutz aus Waldenburg.
Im Vergleich zur Konkurrenz sieht sich Hallmann gut aufgestellt. Allerdings lassen sich viele der Wettbewerber nicht in die Bücher schauen, so dass verlässliche Aussagen dazu kaum möglich seien.
Leichtes Umsatzplus fürs Gesamtjahr erwartet
Für 2021 rechnet R. Stahl, dessen Finanzchef Jürgen Linhard das Unternehmen vor kurzem verlassen hat, mit einem Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich, also knapp über den 246,5 Millionen Euro des Vorjahres.
Das Ergebnis vor Steuer, Zins, Abschreibungen uns sonstigen Sondereinflüssen, das zuletzt von 30 auf 19 Millionen Euro zurückgegangen war, könnte noch einmal sinken. Im gesamten Vorjahr war ein Verlust von 3,5 Millionen aufgelaufen. Im ersten Quartal 2021 stand beim Konzernergebnis unter dem Strich ein Verlust von 2,5 Millionen Euro.
Die Aktionäre sind enttäuscht
Vor allem diese Zahlen schickten auch die R.-Stahl-Papiere an der Börse auf Talfahrt. Der Aktienkurs hatte sich Anfang 2020 mehr als halbiert, anschließend pendelte er über Monate bei knapp über 20 Euro. Die erfolgreiche Restrukturierung und die Aussichten auf eine Erholung in diesem Jahr ließen den Kurs dann bis März auf über 27 Euro steigen. Zwischenzeitlich unterschritt das Papier die 24-Euro-Marke.
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