Porsche übertrifft mit neuen Rekordzahlen sein 15-Prozent-Ziel
Unsicherheiten sollen die Rendite auch in diesem Jahr nicht gefährden. 2021 haben die Zuffenhausener aber offenbar alles richtig gemacht. Nur der Börsengang braucht wohl noch Zeit.

"Ganz typisch Porsche", befand Vorstandschef Oliver Blume nach Verkündung der Eckdaten für das abgelaufene Geschäftsjahr. Mit einem operativen Gewinn von 5,3 Milliarden Euro, einem Absatz von 302 000 Fahrzeugen und einem Umsatz von 33,1 Milliarden Euro wurden 2021 jeweils Rekordwerte erreicht.
Jeder siebte Porsche fährt batterieelektrisch
Blume betonte abermals: "Die Zukunft von Porsche ist elektrisch" - ein Mantra seit mehr als fünf Jahren. Jetzt schlägt es sich in Zahlen nieder. Der Anteil der batterieelektrischen Fahrzeuge am Gesamtabsatz betrug 14 Prozent. Der Absatz des einzigen vollelektrischen Modells, Taycan, wurde auf 41 000 Fahrzeuge mehr als verdoppelt.
Nach dem Macan, der 2023 auf der PPE-Plattform als Stromer an den Start geht, soll auch der Mittelmotor-Sportwagen 718 einen rein elektrischen Antrieb spendiert bekommen und nicht mehr als Verbrenner angeboten werden. Vier von fünf ausgelieferten Porsches sollen 2030 batterieelektrisch fahren.
In der zweiten Hälfte des Jahrzehnts kommen deshalb auch Cayenne und Panamera an die Reihe. "Ansonsten würden wir ja nicht in die Region von 80 Prozent vollelektrifiziert bis 2030 gelangen", so Blume. Nur dem 911 bleibt der Verbrennermotor vorerst dauerhaft erhalten. Für ihn ist eine Hybridisierung geplant, auf Leistung getrimmt. Und der 911er ist weiterhin gefragt. 38 000 Stück wurden verkauft.
Wolfsburg leitet auch Chips nach Zuffenhausen um
Was Porsche auch tut, es soll gewinnbringend sein. Doch schwarze Zahlen reichen den Zuffenhausenern nicht. 15 Prozent operative Umsatzrendite ist das große Ziel, das im vergangenen Jahr mit 16 Prozent sogar übertroffen wurde - und das in einem Jahr, das von Pandemie und Halbleitermangel geprägt war.
Chips wurden im VW-Konzern allerdings "umgeroutet" zu den margenstarken Produkten, sprich zu Porsche und auch zu Audi, wie Blume erläutert. Das habe allerdings nur einen kleinen Anteil zum Gewinnwachstum beigetragen.
Kostenkontrolle ist angesagt
Finanzvorstand Lutz Meschke räumt aber auch ein, dass das Renditeziel von 15 Prozent in diesem Jahr gefährdet sein könnte angesichts so vieler Unsicherheiten. Mit einer "Task Force" habe er deshalb Maßnahmen ergriffen. Strikte Kostenkontrolle ist vorgesehen. Mitarbeiterzahlen sollen konstant gehalten werden: Umbau statt Aufbau ist das Motto, und zielgerichtet werde im Digitalisierungsbereich natürlich alles getan, was notwendig ist.
Zwar äußert sich Porsche nicht, was die Gewinnmarge der einzelnen Modellreihen angeht. Doch die Vorstände lassen durchblicken, dass die Rendite bei den Elektroautos unter zehn Prozent liege. In den nächsten zwei, drei Jahren werde sich das ändern.
Für Porsche-Fahrer gibt es bald ein eigenes Ladenetzwerk
Auch für die Stromer liege das Ziel bei 15 Prozent, betont Meschke, und eingerechnet würden darin auch Investitionen in ein neues, zusätzliches, exklusives Porsche-Ladenetzwerk.
Angestoßen hatte Porsche bereits das Ladeinfrastruktur-Joint-Venture Ionity, an dem neben dem VW-Konzern auch BMW, Ford, Hyundai und Mercedes-Benz beteiligt sind. Nun folgt Porsche dem Elektro-Vorreiter Tesla und ergänzt das Ionity-Netz entlang der Hauptverkehrsachsen in Europa mit eigenen Schnellladestationen, an denen nur Porsche-Fahrer ihre Autos mit 350 Kilowatt Leistung laden können. Die Wartezeit sollen sie in angeschlossenen Lounges mit einem "guten Kaffee" verbringen können. Trotzdem, betont Blume, sei das "keine elitäre Geschichte". Die erste Station soll zum Jahreswechsel eröffnen.
Über die Pläne eines Börsengangs werde die Konzernmutter Volkswagen entscheiden. Eine erste Aussage dazu wird im Sommer erwartet. Meschke betonte, dass damit der Gewinn bei Porsche verbleibe, die Flexibilität steige, und dennoch auch VW profitiere. Erst einmal ist der Sportwagenbauer aber von den Engpässen betroffen, die durch den Ausfall von Lieferanten in der Ukraine entstanden sind. Was den Chipmangel angeht, so sei Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

Stimme.de
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