Porsche emanzipiert sich zusehends von VW
Rekordumsatz, Top-Ergebnis, erfolgreicher Einstieg in die Elektromobilität: Eine Bilanzvorstellung, bei der gar nicht mehr so leise auch Ansprüche auf mehr Eigenständigkeit angemeldet werden.

Kein Wettbewerber hat sich in der Krise so gut behauptet", kommentiert Porsche-Chef Oliver Blume die Bilanz 2020. Die Rendite liegt noch immer annähernd bei den angestrebten 15 Prozent. Der Gewinnbringer im VW-Konzern darf es sich deshalb erlauben, inhaltlich ein paar eigene Akzente zu setzen. Zwar sollen hier wie im übrigen VW-Konzern die Fahrzeuge zügig elektrifiziert werden. Doch einem kompletten Abschied vom Verbrennermotor verweigert man sich in Zuffenhausen.
Ziele fast vollständig erreicht
Den Zahlen zufolge hat Porsche vorerst den richtigen Mix gefunden. 20 000 vollelektrische Taycans wollte Porsche 2020 verkaufen und hat das auch geschafft. Damit waren aus dem Stand mehr als sieben Prozent der 272 000 neu verkauften Fahrzeuge vollelektrisch.
Der Rentabilität hat das offenbar nicht allzu sehr geschadet. Der Gewinn liegt bei 4,2 Milliarden Euro im Bereich der vergangenen Jahre. Der Umsatz erreichte sogar ein Rekordniveau von 28,7 Milliarden Euro.
15 Milliarden werden in vier Jahren für die Zukunftsthemen investiert
Finanzvorstand Lutz Meschke unterstreicht: "Wir haben uns diese herausragende Profitabilität nicht durch Abstriche an unseren Zukunftsinvestitionen erkauft." Und das bleibt so. Porsche will bis 2025 für die Themen Digitalisierung, Elektrifizierung und nachhaltige Produktion 15 Milliarden Euro investieren - ähnlich viel wie Audi.
Der Benziner wird weiterentwickelt
2030 will Porsche über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg CO2-neutral sein. Im Gegensatz zu Audi kommen von Porsche aber keine Worte zum Abschied vom Verbrenner. "Unsere Benziner entwickeln wir konsequent weiter", sagt Blume.
Der 911er werde auch 2030 maximal als Hybrid unterwegs sein. Um ihn auch dann noch in Europa verkaufen zu können, mischt sich Porsche bereits aktiv in die Diskussion um die umstrittene Euro-7-Norm ein, die nach derzeitigem Stand das Aus für jegliche Verbrennermotoren bedeuten würde.
Kein Platz für ein "Sowohl als auch"
Um CO2-Vorgaben mit einem Benzinmotor zu erfüllen, sieht Porsche die größten Chancen durch die Einführung von E-Fuels. 20 Millionen Euro setzt der Sportwagenbauer dabei für eine Pilotanlage in Chile, wo alternativer Kraftstoff mit Windenergie hergestellt werden soll.
Porsche will hier aber nur helfen, den Weg zu bereiten, und nicht zum Kraftstoffhersteller werden. Es ist eine der Positionen, mit denen Blume einen anderen Kurs einschlägt als der VW-Konzern unter Herbert Diess. Dort ist kein Platz für ein "Sowohl als auch", bei Porsche schon.
Zurückhaltung ja, aber...
So erscheint eine Rückkehr an die Börse immer wahrscheinlicher. Blume und Meschke versuchen standhaft bei ihrer Linie zu bleiben, dass dies die Mutter Volkswagen zu entscheiden habe.
Doch der Finanzvorstand räumt auch ein, dass die finanziellen Spielräume größer würden, wenn es keinen Gewinnabführungsvertrag mit VW mehr gäbe. Blume sagt: "Wir haben die Vorteile hinlänglich genannt. Dem kann man sich auch nicht verschließen, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt."
Externe Partner: Große Hoffnung liegt auf Rimac
Denn so manches, was im VW-Konzern jetzt entwickelt wird, spielt für Porsche eine untergeordnete Rolle. Die Einheitsbatterie kann für Höchstleistung im Sportwagen kaum eingesetzt werden. Porsche hat an vielen Punkten besondere Ansprüche, kann sich im Werkzeugkasten der Mutter nur bedingt bedienen.
Entsprechend aktiv sind die Zuffenhausener unterwegs, was die Kooperation mit externen Partnern angeht. An 21 Startups hat sich Porsche beteiligt. Die größten Hoffnungen liegen auf einer 25-Prozent-Beteiligung an dem kroatischen E-Sportwagenbauer Rimac.
Auch der Bestseller wird ein E-Modell
Was die Ziele für das laufende Jahr angeht, ist Porsche bereits gut unterwegs. Es erscheint den Managern realistisch, dass die Marke von 300.000 verkauften Fahrzeugen überschritten wird. Wichtiger sei aber, dass der Gewinn weiterhin bei 15 Prozent des Umsatzes liegt.
Dazu beitragen sollen natürlich die neuen E-Modelle. Blume: "Nach dem Taycan und dem Taycan Cross Turismo ist der Macan der nächste Meilenstein." Die neue Generation des Bestsellers wird 2022 präsentiert.
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