Pilotprojekt in Heilbronn: Die gebrauchte E-Tron-Batterie wird zum Strompuffer
Audi und EnBW nehmen einen nachhaltigen Energiespeicher in Betrieb. So soll am Heilbronner Kohlekraftwerk die Energiewende vorangetrieben werden. Auf den ersten kleinen Schritt sollen noch viele weitere folgen.

Über die Gefahr von Stromabschaltungen in diesem Winter wird derzeit viel diskutiert. Wenn wenig Wind weht und Wolken die Sonne verdecken, könnte es an manchen Stellen knapp werden für die Stromversorgung. Um Verbrauchsspitzen abzufangen, könnten in Zukunft auch Batteriespeicher zum Einsatz kommen, die aus Elektroautos stammen. Ein erstes Pilotprojekt ging nun in Heilbronn in Betrieb.
Kapazität liegt noch bei 80 bis 90 Prozent
In diesem Fall werden Hochvolt-Batterien aus zerlegten Erprobungsfahrzeugen von Audi verwendet, denn noch gibt es wenige ausgemusterte Fahrzeuge und ebenso wenige Batterien. Das werde sich ändern, sagt der Neckarsulmer Audi-Werkleiter Fred Schulze. „Wir bauen 50.000 E-Trons pro Jahr. In acht, neun Jahren wird es also viele gebrauchte Batterien geben. Das ist der Goldstaub, der dann nur noch genutzt werden will.“ Denn ausgemustert werden die Batterien in der Regel nur, weil sie sich nicht mehr so schnell laden lassen. Ihre Kapazität liegt in der Regel noch bei 80 bis 90 Prozent. Genug für einen stationären Energiespeicher.
Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) zeigt sich bei der Inbetriebnahme von der Idee angetan. So verbinde sich die Energiewende mit der Verkehrswende. Immer wieder werde er gefragt: „Was macht ihr jetzt mit den ganzen Batterien, die sind doch hochgiftig? Und was macht ihr eigentlich bei der Energiewende, wenn die Sonne nicht scheint?“ Die Anlage in Heilbronn sei die Antwort auf beide Fragen.

So darf sich Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel darüber freuen, dass die Stadt nach dem Zuschlag für den Innovationspark KI schon wieder Vorreiter bei einem Zukunftsthema ist. „Ich freue mich auch, dass sich für diese clevere Idee mit Audi und EnBW zwei große und mit unserer Region tief verwurzelte Unternehmen zusammengefunden haben.“
Fast wäre Audi seinem Fernwärmelieferanten untreu geworden
Die zwei Unternehmen sind schon lange Partner. 100 Prozent der Fernwärme im Werk Neckarsulm kommt aus dem EnBW-Kraftwerk. Tatsächlich stand diese Geschäftsbeziehung vor gut einem Jahr auf der Kippe, wie Schulze verrät. Inzwischen gibt es einen neuen Vertrag, Audi hofft auf die zügige Umstellung des Kraftwerks auf Gas und dann auf grünen Wasserstoff. Schließlich werde das Audi-Werk schon 2025 zu 100 Prozent klimaneutral sein.
Auch für Georg Stamatelopoulos, Vorstand für Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur bei der EnBW, ist der Batteriespeicher ein weiterer Mosaikstein in der Gestaltung der Energiewende. „Die Speicherkapazität muss exponentiell wachsen.“ Jahr für Jahr wachse der Anteil an erneuerbarer Energie. „Wind und Solar speisen aber nicht bedarfsgerecht ein, sondern wetterabhängig.“ Gebe es zu viel, müsse künftig viel mehr eingespeichert werden. „Sonst müssen wir den Strom verschenken.“ Und bei Bedarf könne er dann auch wieder genutzt werden. Damit könne die Energiewende schneller und wirtschaftlich attraktiver gestaltet werden.
Es kann schnell gehen
Sobald genügend Batterien zur Verfügung stehen, können die Projektpartner auf die Überholspur wechseln. Denn andernorts schläft man nicht. In Sachsen steht bereits ein Speicher aus 10.000 ausgemusterten Fahrzeugbatterien, die zu einem Speicher mit 23 Megawattstunden zusammengeschaltet wurden. Auch er soll das Stromnetz stabilisieren. Ein Projekt in ähnlicher Größenordnung gibt es im Sauerland. Der Bedarf ist groß. Auch Privathaushalte könnten von günstigen Speichern profitieren.
Das Heilbronner Pilotprojekt
Für das Pilotprojekt wurden Batterien von zwölf Fahrzeugen zusammengeschaltet. Ihre Kapazität von einer Megawattstunde reicht in etwa aus, um 3000 Haushalte eine Stunde lang mit Strom zu versorgen, wie die EnBW vorrechnet. Der Speicher kann also nur kleine Last-Spitzen abdecken. Im Vergleich zu ihrem ersten Leben werden die Hochvolt-Batterien mit deutlich niedrigeren und gleichmäßigeren Strömen genutzt. Die Projektverantwortlichen gehen deshalb für den sogenannten Second-Life-Einsatzzeit von mindestens fünf bis zehn Jahren aus. Die Pilotanlage dient als Referenz für zunächst vier weitere Projekte, die bei der EnBW in näherer Zukunft geplant sind.
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