Paulus-Wohnbau-Insolvenz: Das wissen wir über die aktuellen Risiken für die Gläubiger
Das Insolvenzverfahren von Paulus Wohnbau in Eigenverwaltung wird in eine Regelinsolvenz übergeleitet. Das hat Folgen – auch für die Crowdfunding-Anleger, die über das Portal Zinsbaustein.de investierten.
Für die insolvente Paulus Wohnbau geht es nicht mit der bisherigen Geschäftsführung weiter. Das Amtsgericht Ludwigsburg hat das Verfahren in Eigenverwaltung aufhoben und in ein Regelinsolvenzverfahren übergeleitet. Der vom Amtsgericht bestellte Sachwalter Holger Leichtle von der Kanzlei Görg wird nun als vorläufiger Insolvenzverwalter die Situation der Gesellschaft und die Zukunftsfähigkeit ihrer Projekte analysieren.
Wie ein Sprecher der Kanzlei Görg auf Stimme-Anfrage mitteilte, gab es mehrere Gläubiger, die ein reguläres Insolvenzverfahren bevorzugten. Damit ist offen, welche Projekte zu Ende geführt werden und welche möglicherweise auch aufgegeben werden. Der bisherige Geschäftsführer Erwin Paulus war zuletzt optimistisch, dass die Vorhaben im Heilbronner Raum, die bereits begonnen waren, sehr gute Chancen haben. Diese Aussagen könnten nun nichts mehr wert sein.
Crowdfunding über Zinsbaustein.de: Anlegern droht Totalverlust
Paulus Wohnbau hatte über die Crowdfunding-Plattform Zinsbaustein.de mehrere Millionen Euro eingesammelt, dadurch Kapital generiert. Das Geld sollte mit einer Verzinsung von fünf bis sieben Prozent zurückgezahlt werden. Doch für die Crowdfunding-Anleger besteht darauf nun wenig Hoffnung. Nach Informationen des Crowdfunding-Anbieters könnte mehr als 1000 Anlegern ein Totalverlust drohen. "Wir haben Kontakt zu Herrn Dr. Leichtle aufgenommen, der über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens und die Fortführung des Unternehmens entscheiden wird", erklärt Volker Wohlfahrt, Geschäftsführer von Zinsbaustein.de, auf Anfrage unserer Zeitung. Von Herrn Paulus habe er "keinerlei neue verwertbaren Informationen" erhalten. "Wir bemühen uns weiterhin Transparenz zu schaffen", so Wohlfahrt.
Die noch nicht zurückbezahlten Zinsbausteine der Paulus Wohnbau GmbH summieren sich nach Angaben des Crowdfunding-Anbieters auf mehr als fünf Millionen Euro. Dazu komme das Projekt Seniorenwohnen in Wiernsheim mit 908.000 Euro. Unter dem Strich wäre das eine durchschnittliche Geldanlage von 5000 Euro. Einzelinvestments konnten aber auch in die Zehntausende gehen. In einem anonymen Schreiben berichtete ein Betroffener der Stimme-Redaktion, dass er zusätzlich zu der Anzahlung für die Wohnung auch noch die sogenannten Zinsbausteine gekauft habe. Dass es sich dabei um eine hochriskante Anlageform handelt, war diesem Paulus-Kunden angeblich nicht bewusst – auch wenn die Anlegerinformationen den Hinweis enthalten sollten.
Insolvenz von Paulus Wohnbau: Wie Finanzexperten Crowdfunding einschätzen
Crowdfunding gehört zum sogenannten Grauen Kapitalmarkt. Er ist ausdrücklich von der Finanzaufsicht durch die Bafin ausgenommen, was auch Finanzexperten aus der Region bedauern. Öffentlich dazu äußern möchten sie sich nicht.
Hinter vorgehaltener Hand wird jedoch auch die Frage gestellt, warum ein Bauträger die hohen Zinsen an Crowdfunding-Anleger bezahlen sollte, wenn es bei der Bank günstigere Finanzierungen gibt. Die Antwort liege auf der Hand: weil die Banken offenbar nicht mehr bereit gewesen seien, diese Projekte zu finanzieren. So wurde mit den steigenden Zinsen und Preisen die Belastung für den Bauträger aus Pleidelsheim offenbar immer größer. Die gesamte Baubranche steht schließlich inzwischen unter Druck.
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