Paulus Wohnbau: Positive Signale der Banken für mehrere Bauprojekte
Nach der Insolvenz des Pleidelsheimer Bauträgers Paulus Wohnbau bangen Gläubiger um ihr Geld. Geschäftsführer Paulus versichert: Auch Crowdfunding-Investoren werden keinen Totalverslust erleiden.

Für mehrere Projekte der insolventen Paulus Wohnbau soll es weitergehen. Gute Chancen haben auch die im Bau befindlichen Vorhaben im Raum Heilbronn, wie Geschäftsführer Erwin Paulus im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt.
Für die Käufer der Wohnungen, die schon Anzahlungen geleistet haben, könnte es somit gut ausgehen. Crowdfunding-Investoren sollen zumindest einen Teil ihres Geldes zurückerhalten.
Nach Insolvent von Paulus Wohnbau: Klarheit in ein paar Monaten
Es hängt nun alles daran, ob die Insolvenz in Eigenverwaltung erfolgreich ist. Erwin Paulus hofft, dass sein Wohnbau-Unternehmen dann in sechs bis neun Monaten aus dem Insolvenzverfahren entlassen wird. Bis dahin stehen viele Gespräche an. Die ersten seien erfolgreich verlaufen, so Paulus. Positive Signale von den Banken hat die Geschäftsführung offenbar bereits für das Projekt an der Wollhausstraße in Heilbronn, für das an der Ludwig-Zorn-Straße in Eppingen und auch für das an der Binswanger Straße/Heilbronner Straße in Neckarsulm erhalten.
Schriftlich fixiert sei noch nichts, aber auch angesichts der Baufortschritte sehe es bei diesen drei Projekten gut aus, sagt Erwin Paulus. Von den 53 Wohnungen in Heilbronn sei schon knapp die Hälfte verkauft. Von insgesamt 33 Wohnungen in Neckarsulm stünden noch acht zum Verkauf, ein Teil soll vermietet werden. Mit einem Fragezeichen versehen ist das zweite Projekt in Eppingen, an der Orchideenstraße. "Aus eigener Kraft können wir den Bau dort nicht starten." Es werde deshalb nach Partnern gesucht. Ähnlich sieht es mit dem zweiten Projekt in Heilbronn an der Ecke Wollhaus-/Herbststraße aus. 34 Wohnungen sind dort geplant.
Käufer tragen derzeit kein größeres Risiko
Paulus möchte auch dem Eindruck entgegentreten, dass Käufer derzeit ein größeres Risiko trügen. "Die Anzahlungen gehen jeweils auf ein geschütztes Projektkonto", erklärt Paulus. Werden die Wohnungen nicht fertig gebaut, dann werde das Geld vollständig wieder zurückbezahlt, wie in der Makler- und Bauträgerverordnung vorgesehen. Sogar die Grunderwerbssteuer werde innerhalb von zwei Jahren wieder erstattet.
Was nicht erstattet wird, das räumt Paulus ein, sind Nebenkosten für den Vertragsabschluss, Notar und Darlehensverträge. Auch die Zinskosten würden an den Käufern hängenbleiben.
Paulus Wohnbau in Liquiditätsengpass
Paulus betont auch, dass die Wohnbaugesellschaft das Geschäftsjahr 2022 mit einem Gewinn nach Steuern von 980.000 Euro abgeschlossen habe. In der Bilanz des Vorjahres stehen Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten von knapp 67 Millionen Euro - ein Hinweis auf die Frage, warum es trotz der schwarzen Zahlen nun nicht gereicht hat.
"Wir sind in einen Liquiditätsengpass reingelaufen", so Paulus. Dass das Gericht aber innerhalb eines Tages entschieden habe, dass das Unternehmen eine Perspektive hat und vorläufig weitergeführt werden kann, spreche doch für sich.
Kein Totalverlust für Crowdfunding-Investoren
Paulus Wohnbau hatte Eigenkapital für seine Projekte teilweise auch über die Crowdinvesting-Plattform Zinsbaustein.de eingesammelt. Zu den Aussichten dieser Investoren - überwiegend Privatleute - sagt Paulus: "Die Gläubiger werden einen Verlust erleiden." Aber: Wenn Paulus Wohnbau fortgeführt wird, dann werde es sich keinesfalls um einen Totalverlust handeln. "Die Gläubiger müssen so besser gestellt werden, als wenn die Firma zerschlagen wird." Die Quote werde aber erst später ermittelt.
Zinsbaustein.de hat die Anleger inzwischen über die Insolvenz informiert. Geschäftsführer Volker Wohlfahrt betont auch, dass den Anlegern vor, während und nach dem Investitionsprozess mitgeteilt worden sei, dass ein Totalverlust möglich sei. Weitere Projekte mit Paulus Wohnbau seien nicht geplant. Zinsbaustein.de hatte im Frühjahr bereits einen größeren Ausfall durch die Insolvenz des Projektentwicklers Primus Concept. Crowdfunding-Anlagen sind spekulativ und gehören zum sogenannten Grauen Kapitalmarkt. Die Finanzaufsicht Bafin hat deshalb keine Erkenntnisse darüber, welche Rolle diese Form der Finanzierung für den Immobiliensektor in Deutschland spielt.
Neckarbogen-Projekt ist über Partner abgesichert
Nach einem ersten Projekt im Neckarbogen war die Paulus Wohnbau auch im Bieterverfahren für den zweiten Bauabschnitt des Heilbronner Stadtquartiers erfolgreich. Für dieses Projekt entschied sich das Unternehmen, mit der Hofkammer des Hauses Württemberg zusammenzuarbeiten. Der Geschäftsführer der Hofkammer Projektentwicklung in Ludwigsburg, Achim Geisbauer, erklärt gegenüber unserer Zeitung: "Wir haben 100 Prozent der Finanzierung übernommen, Paulus Wohnbau ist operativ tätig."
Die Hofkammer halte an dem Projekt auch bei einem Ausfall von Paulus Wohnbau fest. "Wir sind von dem Standort mehr als überzeugt." Derzeit befindet sich die gemeinsame Tiefgarage für das Quartier im Bau, erst danach könne der Hochbau gestartet werden. Deshalb sei man bisher auch nicht in die Vermarktung gegangen. Eine Crowdfinanzierung wurde und wird von der Hofkammer nicht genutzt. "Eine Finanzierung aus Eigenmitteln bleibt für uns die erste Wahl bei einem solchen Projekt", so Geisbauer.
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