Pandemiebedingt aufwärts: Bei Gemü läuft's
Der Ingelfinger Ventilhersteller steigert seinen Umsatz in einem Jahr um mehr als ein Drittel. Das Unternehmen profitiert besonders von der Impfstoffherstellung und sogar vom Chipmangel.

Der Ingelfinger Ventilhersteller Gemü hat das vergangene Jahr mit einer außergewöhnlichen Umsatzsteigerung abgeschlossen. Um beeindruckende 36 Prozent legten die Erlöse zu, von 330 Millionen Euro auf gut 450 Millionen Euro. Unternehmenschef Gert Müller kommentiert die Entwicklung augenzwinkernd: "Als Hohenloher sag ich, es läuft ganz gut."
Sonderkonjunktur durch die Impfkampagne
Eigentlich sei das schon "sehr, sehr gut", schiebt er hinterher, und er will die Branchen und Unternehmen nicht vergessen, die von der Pandemie gebeutelt werden. Doch für die Ingelfinger war die weltweite Impfkampagne eine Sonderkonjunktur. "So gut wie jeder Impfstoff läuft durch Gemü-Ventile", sagt Müller. Zwischen 15 und 20 Prozent mache dieses Geschäft inzwischen aus.
Sicherlich ein Sondereffekt, doch im Medikamentenbereich sei die Nachfrage insgesamt hoch, erläutert Müller. Die Position als Weltmarktführer sei Gemü zugutegekommen, das Vertrauen der Kunden sei groß. "Und jetzt sind viele Anlagen gebaut, die müssen betrieben und gewartet werden."
Auch bei der Chipherstellung braucht es Ventile
Ähnlich sei es im Halbleitergeschäft gelaufen, das durch den Chipmangel eine erhöhte Nachfrage erlebt. Beispielsweise die zur Produktion notwendigen Chemikalien werden über Ventile gemischt und abgemessen. "Gerade bei den günstigen Chips, die inzwischen in fast jedem Gerät zu finden sind, hat sich das Geschäft enorm entwickelt", sagt Müller.
Dazu gab es im Industriebereich, wo insbesondere die Wasseraufbereitung eine wichtige Rolle spielt, im vergangenen Jahr gewisse Nachholeffekte. "2020 hatten wir da eine gewisse Delle, das hat sich jetzt stark stabilisiert", so der der geschäftsführende Gesellschafter.
Genügen Reserven für den Umsatzsprung erhalten
2020 ging der Umsatz der Gruppe leicht zurück. Auch bei der Beschäftigtenzahl gab es kleinere "Anpassungen". Er sei da schon mal "auf die Bremse getreten", sagt Müller. Allerdings seien die Reserven groß genug gewesen, dass die Mannschaft das zusätzliche Geschäft 2021 stemmen konnte. Nur um gut zehn Prozent auf 2200 Mitarbeiter wuchs die Belegschaft. "Wir stellen aber weiter ein."
Schließlich ist das Unternehmen jetzt schon dem anvisierten Umsatz von 500 Millionen Euro bis 2025 sehr nahe gekommen. "Da werden wir die Ziele anpassen müssen." Denn auch im Ausland läuft es, so gut wie alle Auslandsgesellschaften entwickelten sich gut. "China, Frankreich, Schweden oder Spanien, alle sehr gut." Lieferfähig ist Gemü immer geblieben.
Zum Gewinn sagt Gemü nichts
Die Preise seien gleichzeitig weitgehend stabil gehalten worden. Das Umsatzplus resultiere also rein aus einem Plus an Aufträgen. "Eine gewisse Preiserhöhung steht jetzt aber an", räumt Müller auch ein.
Der Umsatzsprung dürfte sich in einem überproportionalen Gewinnwachstum niederschlagen. Dazu sagt das Unternehmen traditionell aber nichts. Im Handelsregister sind bis 2019 mittlere zweistellige Millionenbeträge ausgewiesen.
Fritz Müller durfte den Boom noch miterleben
Gert Müller musste sich im Dezember von seinem Vater verabschieden. Unternehmensgründer Fritz Müller war im Alter von 82 Jahren gestorben. "Somit waren im vergangenen Jahr Freud und Leid dicht beieinander. Aber es war schön, dass mein Vater diesen besonderen Erfolg noch miterleben durfte."
Auch den Spatenstich für den Neubau der Zentrale im Gewerbepark Hohenlohe zwischen Kupferzell und Waldenburg bekam der Seniorchef noch mit. 2024 soll sie eröffnet werden.
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