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Neuer Impfstoff-Booster darf am Menschen getestet werden

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Das von Dieter Schwarz geförderte Biotech-Unternehmen Baseclick geht mit seinem Corona-Impfstoff in die klinische Phase. In Kombination mit anderen Impfstoffen könnte das Vakzin besonders effektiv sein.

Baseclick arbeitet nicht mit den stacheligen S-Proteinen auf der Oberfläche des Corona-Virus, sondern mit dem N-Protein aus dem Inneren des Virus. Das könnte Vorteile bringen. 
Foto: Jackonda/stock.adobe.com
Baseclick arbeitet nicht mit den stacheligen S-Proteinen auf der Oberfläche des Corona-Virus, sondern mit dem N-Protein aus dem Inneren des Virus. Das könnte Vorteile bringen. Foto: Jackonda/stock.adobe.com  Foto: Jackonda/stock.adobe.com

Das Biotech-Unternehmen Baseclick aus Neuried bei München, das mit finanzieller Unterstützung des Heilbronner Unternehmers Dieter Schwarz einen Corona-Impfstoff entwickelt, hat einen Meilenstein erreicht. In den nächsten Wochen wird das Vakzin in die klinische Phase wechseln und erstmals am Menschen getestet. Das zuständige Paul-Ehrlich-Institut habe grünes Licht gegeben, erklärt Baseclick-Geschäftsführer Thomas Frischmuth gegenüber unserer Zeitung.

Nur nicht zu früh freuen

Die präklinischen Daten seien vielversprechend gewesen, erzählt der 61-Jährige, der als Virologe und Molekularbiologe bereits in mehreren Startups aktiv war und eng mit dem Zukunftsfonds Heilbronn zusammengearbeitet hat.

Doch überzogene Erwartungen möchte er etwas bremsen. "Ob wir erfolgreich sind mit unserer Entwicklung, das zeigt sich erst, wenn wir die Ziellinie überschreiten." Also dann, wenn eine Zulassung erfolgt. Wie schnell der Weg enden kann, zeigte sich zuletzt bei Curevac, das nach vielversprechendem Beginn seine Impfstoffentwicklung abbrach.

 


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Vom beschleunigten Verfahren konnte Baseclick nicht mehr profitieren

Eigentlich hätte Baseclick zum jetzigen Zeitpunkt schon weiter sein sollen. Im vergangenen Jahr hatte Frischmuth noch gehofft, von einem beschleunigten Verfahren bei der Impfstoffzulassung profitieren zu können. Doch die Sonderregelung wurde im Frühjahr beendet, nachdem die ersten Impfstoffe ihre Wirksamkeit bewiesen hatten.

Baseclick nutzt - wie die erfolgreichen Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna - die mRNA-Technik. "Wir haben allerdings einen anderen Ansatz", sagt Frischmuth. Denn hinter dem Kürzel mRNA verbergen sich ganz unterschiedliche Methoden und Inhaltsstoffe (siehe Hintergrund).

Der neue Ansatz hat nun den Vorteil, dass eine Kombination aus den bisher genutzten Impfstoffen und dem Baseclick-Vakzin eine Immunantwort auf zwei Arten generieren könnte. Das Mittel aus Bayern könnte also der ideale Booster sein.

So unterstützt das Paul-Ehrlich-Institut offenbar auch das Vorhaben, den Impfstoff sowohl an ungeimpften als auch an bereits geimpften Probanden zu testen. Die Hoffnung bei Frischmuth ist groß. "Die Tierdaten sind sehr gut." Auf Nachfrage teilt das Institut mit, dass es zu klinischen Prüfungen zu diesem frühen Zeitpunkt noch keine Auskunft geben darf.

 


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Geringere Nebenwirkungen scheinen möglich

Dr. Thomas Frischmuth im Labor seines Biotech-Unternehmens Baseclick in Neuried. Hier wird die nächste Generation eines Corona-Impfstoffs entwickelt.
Foto: privat
Dr. Thomas Frischmuth im Labor seines Biotech-Unternehmens Baseclick in Neuried. Hier wird die nächste Generation eines Corona-Impfstoffs entwickelt. Foto: privat  Foto: privat

Eine weitere Besonderheit des Baseclick-Vakzins ist, dass viel geringere Dosen notwendig sind als bei den heute genutzten mRNA-Impfstoffen. "Dadurch hoffen wir auch auf geringere Nebenwirkungen", sagt Frischmuth.

Diese seien bei Biontech und insbesondere bei Moderna nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, wie Frischmuth am eigenen Leib erfahren hat. Nach der Impfung war er vier Tage außer Gefecht gesetzt.

"Wenn wir nicht diese Pandemie gehabt hätten, wären die Hersteller mit solchen Nebenwirkungen noch einmal nach Hause geschickt worden." Doch unter den bekannten Bedingungen habe es zu Recht eine Risiko-Nutzen-Abwägung gegeben - ganz ähnlich wie bei einem Krebsmedikament, wo der Nutzen eben auch viel größer ist als das Risiko. Der Unterschied: Man immunisiere gesunde Menschen und versuche nicht, Kranke zu heilen.

 


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Jetzt braucht es noch einen großer Partner

"Deshalb müssen wir jetzt dazu kommen, die Impfstoffe weiter zu verbessern." Es sei genau dieser Vorgang, der üblicherweise so viel Zeit in Anspruch nimmt und der nur unter Pandemiebedingungen abgekürzt werden konnte. Deshalb steht auch nicht fest, wie lange die klinische Phase dauert. Frischmuth hofft, 2023 die Zulassung zu erhalten. Die Produktion müsste bis dahin vorbereitet sein.

Der Kapitalbedarf dafür liegt bei 77 Millionen Euro, hat Frischmuth errechnet. Dieter Schwarz wird bei dieser Größenordnung nicht mehr Hauptgeldgeber sein, bleibt aber Anteilseigner der Baseclick Vaccine GmbH. Es braucht also einen Partner.

Den Plan B gibt es auch schon

Mit drei großen Impfstoffherstellern sind die Münchner im Gespräch. Baseclick würde seine Entwicklung gerne auslizenzieren, um Produktionskapazitäten und Vertriebsnetze der Partner nutzen zu können.

Und was, wenn es wider Erwarten nicht klappt? "Wir würden uns dann einer neuen Indikation zuwenden, etwa einem Grippeimpfstoff", sagt Frischmuth. Auch dazu sei man mit einem großen Hersteller im Gespräch.

 

Hintergrund: Der spezielle Ansatz von Baseclick

Hinter dem mRNA-Ansatz verbergen sich unterschiedliche Methoden und Inhaltsstoffe. Gemein haben sie, dass sie dem Immunsystem genetische Bausteine des Virus anbieten, die eine Immunreaktion provozieren. Moderna und Biontech arbeiten hier mit dem S- oder Spike-Protein, das mit seiner stachelähnlichen Struktur in die menschliche Zelle eindringen kann. Das Immunsystem reagiert mit der Entwicklung von B-Zellen, die wiederum Antikörper produzieren. Das Ziel des Baseclick-Vakzins ist dagegen, mithilfe des N-Proteins, das im Inneren des Corona-Virus zu finden ist, eine etwas andere Immunantwort zu erzeugen. Hier reagiert der Körper mit T-Zellen. Diese greifen infizierte Zellen an und verhindern so relativ schnell eine Vermehrung des Virus im Körper. 

 

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