Großes Lob: Nasa würdigt Präzision der Weltraum-Technik aus Lampoldshausen
Delegation aus den USA zu Besuch im Harthäuser Wald. Nasa-Verantwortlicher Howard Hu betont, wie eng die USA und Europa im Artemis-Programm verbunden sind. Esa kämpft für die Chance, einen Europäer auf den Mond zu bringen.

Der Blick am Mond vorbei auf eine kleine Erde eröffnet eine faszinierende Perspektive. Als der Film, den Nasa-Manager Howard Chun Hu mitgebracht hat, endet, ist erst einmal andächtige Ruhe im Raum. Die Arianegroup-Mitarbeiter in Lampoldshausen haben nicht nur exklusive Einblicke zur Mond-Mission Artemis erhalten. Es wird greifbar, dass sie Teil von etwas Großem sind - und Teil einer globalen, raumfahrtbegeisterten Familie. Dann, nach einer kleinen Pause, beginnen sie begeistert zu klatschen.
50 Jahre nach Saturn fliegt die nächste Nasa-Rakete zum Mond
Mit Artemis 1 ist am 16. November zum ersten Mal seit 50 Jahren wieder eine amerikanische Rakete zum Mond geflogen. Diesmal noch unbemannt, sollen bald auch wieder Astronauten zum Erdtrabanten unterwegs sein, ihn 2025 sogar wieder betreten.
Beteiligt sind diesmal die Europäer, die für mindestens sechs, wahrscheinlich aber noch deutlich mehr dieser Missionen das europäische Service-Modul ESM zuliefern. Lampoldshausen steuert dafür unter anderem die Lageregelungs-Triebwerke bei - der Grund, warum Vertreter der Nasa und des US-Luftfahrtkonzerns Lockheed Martin in dieser Woche zu Besuch kamen. Nasa-Astronaut Randy Bresnik, der 2017 auf der Raumstation ISS das Kommando hatte, schaute sogar schon zum zweiten Mal vorbei.
Howard Hu: "Es gibt hier eine außergewöhnliche Liebe zum Detail"

Howard Hu ist Programm-Manager für die Orion-Kapsel, zu der auch das ESM gehört, und damit kennt er den Beitrag aus Lampoldshausen bestens. Er habe erwartet, dass hier mit Präzision und hohem Qualitätsanspruch gearbeitet werde.
"Es gibt hier eine außergewöhnliche Liebe zum Detail", sagt Hu im Gespräch mit unserer Zeitung. "Es war also wirklich schön zu sehen, wo die Hardware zusammengebaut wird - die Leute zu sehen, die die Arbeit machen."
Bald ein Europäer auf dem Mond?
Derzeit versuche die europäische Weltraumagentur Esa, grünes Licht für die Finanzierung der Missionen 7 bis 9 zu bekommen, wie Philippe Deloo, der Esa-Programm-Manager für das ESM-Modul, erklärt. Mit ihrem Beitrag erkauften sich die Europäer im übrigen auch das Recht, eigene Leute mit auf die Missionen zu schicken - mindestens zwei. Hinter dem dritten stehe noch ein Fragezeichen. "Aber wir versuchen die Nasa davon zu überzeugen: Dieser dritte Europäer auf einer Mondmission soll der erste sein wird, der den Mond betritt", sagt Deloo.
Momentan werden noch die Daten der ersten Mission ausgewertet, erzählt Hu. Bisher sei noch nichts gefunden worden, was den weiteren Zeitplan gefährde. Die Crew wird in diesem Sommer mit ihrem Training beginnen. Die mit vier Astronauten bemannte Mission soll dann Ende 2024/Anfang 2025 starten und in 21 Tagen mehrfach den Mond umrunden.
Der Ritterschlag für den Standort Lampoldshausen

Für den Standortleiter der Arianegroup in Lampoldshausen, Stefan Hässler, ist der Besuch aus den USA einer der Höhepunkte der vergangenen Jahre und quasi ein Ritterschlag. "Höhepunkte gab es zuletzt einige", sagt Hässler.
Neben Artemis war Lampoldshausen auch an der Jupiter-Mission Juice beteiligt, und ebenso an der Mondmission des japanischen Start-ups Ispace, das seine Sonde vor wenigen Wochen beim Anflug auf den Mond leider verloren hat. Als nächstes stehe noch ein Beitrag für die Blue-Origin-Raketen von Amazon-Gründer Jeff Bezos auf dem Programm.
Das komme jetzt schon geballt, sagt Hässler, bedeute für die Mitarbeiter Rückenwind. "Allerdings haben wir ohnehin nicht das Problem, dass wir unsere Leute hier motivieren müssen", sagt er. Eher müsse man schauen, dass der eine oder andere auch irgendwann mal wieder nach Hause geht.
Der andere Ansatz

Geld ist immer ein Thema bei der Raumfahrt. Zuletzt hatte vor allem das amerikanische Unternehmen SpaceX von Elon Musk gezeigt, wie man Technik skaliert und möglichst viel Fracht möglichst günstig in den Weltraum bringt. Kosten zu senken sei auch bei Esa und Nasa ein Ziel, sagt Nasa-Programm-Manager Howard Hu. "Aber unser Ansatz ist doch ein anderer" - weil jedes Mal neue Herausforderungen gesucht würden. "Mit jeder unserer Missionen lernen wir mehr. Das muss man bei der Frage, ob es erschwinglich ist, berücksichtigen."



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