Modellwechsel bei Audi kostet 140 Magna-Mitarbeiter den Job
Ein erst 2015 eröffnetes Karosseriewerk von Magna Steyr in Heilbronn schließt im kommenden Jahr schon wieder. Das hängt mit einer Audi-Entscheidung zusammen.

Der Karosseriebau von Magna Steyr Car Structures in Heilbronn schließt. Das Werk mit einer hochautomatisierten Produktionsanlage in Nachbarschaft des EnBW-Kraftwerks wurde erst 2015 in Betrieb genommen. Jetzt soll Schluss sein. Grund ist, dass der einzige Kunde Audi keinen Folgeauftrag erteilt hat. 140 Mitarbeiter sind betroffen.
Es gibt einiges zu erklären, so kurz vor Weihnachten. Gleich zwei Betriebsversammlungen fanden bei Magna in Heilbronn diese Woche statt, nachdem am Montag die Entscheidung des österreichisch-kanadischen Unternehmens verkündet worden war, das Werk zu schließen.
Bei Magna in Heilbronn entstehen Karosserien für Audi in Neckarsulm
"Wir haben es kommen sehen", heißt es aus den Reihen des Betriebsrats in Heilbronn. Wenn man nur ein Produkt habe und an einem einzigen Kunden hänge, dann habe man aktuell schon mit dem Schlimmsten rechnen müssen.
Magna baut in Heilbronn bislang nahezu komplette Karosserien für den A4 und das A5 Cabrio, die in Neckarsulm produziert werden. Nur Dach und A-, B- und C-Säulen werden noch bei Audi montiert. 155 Karosserien pro Tag werden in zwei Schichten gefertigt. Dreischichtbetrieb ist möglich.
Audi will jetzt wohl sein eigenes Werk in Neckarsulm auslasten
Doch der Folgeauftrag für das neue Modell – aus dem A4 wird der A5, das Cabrio wird nicht mehr hergestellt – kam nicht. Nach Recherchen unserer Redaktion wurde der Auftrag auch nicht ausgeschrieben und an einen anderen Autozulieferer vergeben.
Audi möchte offenbar für mehr Auslastung im eigenen Werk sorgen und stellt die Karosserieteile deshalb wieder selbst her. So wie bereits vor 2015. Nach der Vergabe an Magna hatte der Autobauer laut Heilbronner Stimme allerdings erklärt: Audis neue Zusammenarbeit mit Magna sei Teil der langfristigen Werk- und Prozessplanung. Die Zeiten haben sich offenbar schneller geändert, als es damals für möglich gehalten wurde.
Keine Stellungnahmen von Audi und Magna zur aktuellen Situation
Audi äußert sich zu dem Vorgang aktuell nicht. Von Magna war am Mittwoch ebenfalls keine Stellungnahme zu erhalten, auch von der Werkleitung in Heilbronn gab es keine Reaktion auf die Stimme-Anfragen.
Wie der Betriebsrat mitteilt, soll ab Januar zusammen mit den Tarifpartnern der Sozialplan ausgehandelt werden. "Unsere Belegschaft ist sehr gut ausgebildet, wir fertigen hier ein anspruchsvolles Produkt", sagt ein Betriebsratsmitglied, das namentlich nicht genannt werden will. Daher hoffe man, dass sich für viele der Kolleginnen und Kollegen andernorts ein Türchen auftut.
Einfache Vermittlungserfolge in andere Unternehmen sind nun allerdings nicht mehr zu erwarten, angesichts der 600 Leiharbeiter, die allein bei Audi nun gehen müssen. Auch bei anderen Autozulieferern wird derzeit über Stellenabbau verhandelt.
Neues Magna-Werk in Neuenstadt bietet Chancen für Mitarbeiter
Daher hoffen die Mitarbeiter bei Magna teilweise darauf, intern noch eine Chance in einem anderen Standort in der Region zu bekommen. In Neuenstadt etwa entsteht gerade ein neues Werk, das Sitze für Audi in Neckarsulm herstellen soll. Ausdrücklich hat Audi hier offenbar auf eine Produktion in der Nähe bestanden, um lange Transportwege und damit einen hohen CO2-Fußabdruck zu vermeiden.
Mit der IG Metall wird derzeit geprüft, ob eine Transfergesellschaft zur Weiterqualifizierung eingerichtet werden kann. Beim Stellenabbau von Magna in Untergruppenbach – ehemals Getrag – war 2021 solch ein Modell in Kooperation mit der DHBW und weiteren Partnern aus dem Bündnis für Transformation zum Tragen gekommen.
Magna baut auch andernorts Stellen ab
Ansonsten stehen die Zeichen beim Autozulieferer Magna vielerorts auf Abbau. Die Transformation schlägt ins Kontor. Beobachter befürchten aber auch, dass sich das Unternehmen zunehmend aus Deutschland zurückziehen will. Mehr als 10.000 Stellen sollen in den vergangenen fünf Jahren abgebaut worden sein, viele der einst mehr als 30 Standorte wurden geschlossen.
Inzwischen ist die Mitarbeiterzahl wohl unter 13.000 deutschlandweit gesunken, vier Standorte befinden sich in der Schließung. Teilweise konnte sie, wie in Dorfprozelten in Bayern, mithilfe der Gewerkschaft verhindert werden. Von den 500 Mitarbeitern muss zwar die Hälfte gehen. Doch für den Rest gibt es nun wieder eine Perspektive.
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