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Mit mehr Impfstoff wären die Unternehmen schon weiter

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Die Dritte Impf-Säule kommt zum Tragen: Fast alle großen Betriebe in der Region machen ihren Mitarbeitern ein Impfangebot. Die Geschwindigkeit ist sehr unterschiedlich.

Die Betriebsratsvorsitzende Jutta Watzke (rechts) kontrolliert bei der öffentlichen Impfaktion für 1.500 Menschen im Elektrobus von Ziehl-Abegg, ob alle Unterlagen vollständig und richtig ausgefüllt sind. Foto: Ziehl-Abegg
Die Betriebsratsvorsitzende Jutta Watzke (rechts) kontrolliert bei der öffentlichen Impfaktion für 1.500 Menschen im Elektrobus von Ziehl-Abegg, ob alle Unterlagen vollständig und richtig ausgefüllt sind. Foto: Ziehl-Abegg

Ziehl-Abegg marschierte vorneweg. Als das Land gerade dabei war, erste Pilotprojekte in Unternehmen zu ermöglichen, fackelte der Ventilatorenhersteller aus Künzelsau nicht lange und engagierte Hausärzte, um die eigenen Mitarbeiter zu impfen. Sogar für die übrige Bevölkerung beschaffte das Unternehmen noch 1500 Dosen. Inzwischen hat die gesamte Belegschaft von 2400 Mitarbeitern ein Impfangebot bekommen. Wer geimpft werden wollte, wurde zumindest einmal geimpft. Das Thema ist damit vorerst vom Tisch. Und damit zeigte Ziehl-Abegg: So schnell kann"s gehen.

Audi führt Warteliste

Viele andere Unternehmen warteten auf die Aufhebung der Impfpriorisierung. Audi impft seit Dienstag in Ingolstadt und Neckarsulm. Die Liefermengen des Impfstoffs sind vorerst aber noch begrenzt. "Wir rechnen mit wöchentlichen Lieferungen von jeweils einigen hundert Impfdosen. Damit können wir unsere Mitarbeiter Stück für Stück und nach einem kontrollierten Plan zu einem Impftermin einladen", sagt Werner Tilling, Leiter Audi Gesundheitsschutz Neckarsulm.

Eine Mitarbeiterin wird im Gesundheitszentrum der Audi AG in Neckarsulm gegen das Coronavirus geimpft.
 Foto: Audi
Eine Mitarbeiterin wird im Gesundheitszentrum der Audi AG in Neckarsulm gegen das Coronavirus geimpft. Foto: Audi  Foto: Audi

Für die erste Woche waren es 3400 Impfdosen, davon 900 für den Standort Neckarsulm. Deshalb macht Audi im ersten Schritt vor allem Mitarbeitern mit Vorerkrankungen ein Impfangebot. Gleichzeitig habe sich die Warteliste bereits gut gefüllt, teilt eine Sprecherin mit.

EBM-Papst beginnt am Donnerstag

EBM-Papst, das sich wie Audi auch für ein Pilotprojekt angeboten hatte und nicht zum Zug kam, wird am heutigen Donnerstag seine reguläre betriebliche Impfkampagne starten. "Wir hatten in der ersten Bestellrunde für kommende Woche Impfstoff für rund 1500 Impfungen bestellt", sagt Unternehmenssprecher Hauke Hannig.

In Deutschland beschäftigt EBM-Papst knapp 6500 Mitarbeiter, davon rund 5500 in Baden-Württemberg. Im Vorfeld hatte der Mulfinger Motoren- und Ventilatorenspezialist die Impfbereitschaft abgefragt. Jetzt werde mit rund 2000 Mitarbeitern gerechnet, die das Impfangebot nutzen möchten. Viele hätten offenbar bereits einen Termin bei einem Impfzentrum oder Hausarzt vereinbart.

Würth ist gut dabei

Die Adolf Würth GmbH & Co. KG (AWKG) impft bereits seit dem 2. Juni in der alten Akademie Würth am Stammsitz in Künzelsau-Gaisbach. Bis zum Wochenende sollen dort rund 1300 Würth-Mitarbeiter geimpft sein. "Wir möchten unseren Beitrag leisten, um dem Virus entschlossen entgegenzutreten, und vor allen Dingen keine Zeit verlieren", sagt AWKG-Chef Norbert Heckmann.

Seit Montag gilt das Impfangebot auch für die weiteren in der Region ansässigen Unternehmen der Würth-Gruppe. "Sobald genügend Impfstoff zur Verfügung steht, sollen sich auch nächste Familienangehörige impfen lassen können", teilt eine Würth-Sprecherin mit. Die Impfungen erfolgen durch Ärzte des Medizinischen Versorgungszentrums Hohenlohe und durch den Betriebsarzt der AWKG.

Schwarz außen vor

Keine Pläne gibt es beim größten Arbeitgeber der Region: "Eine unternehmensweite Impfaktion wird die Schwarz Gruppe nicht anbieten, da wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht genügend Impfstoff beschaffen können."

Andere hatten da mehr Glück: Bei der Blanc & Fischer Familienholding in Oberderdingen waren 40 Dosen für den ersten Tag bestellt worden - geliefert wurden 100, berichtet Konzernchef Johannes Haupt. Diese seien alle verimpft worden. Die Nachfrage unter der Belegschaft sei groß.

Bechtle kooperiert auch mit Hausarztpraxis

Der IT-Dienstleister Bechtle bietet in Kooperation mit einer Hausarztpraxis Sonderimpftermine für die Mitarbeiter an. "Wir nehmen keinen Einfluss auf unsere Mitarbeitenden, sich impfen zu lassen", betont ein Unternehmenssprecher. Bisher haben sich so mehrere Hundert Mitarbeiter impfen lassen.

SAP hofft auch weitere Lieferungen

Beim Walldorfer Software-Riesen SAP berichtet Sprecher Björn Peter Emde: "Wir haben diese Woche um die 1100 Impfdosen erhalten, die wir am Montag und Dienstag verimpft haben. Für nächste Woche haben wir die Hoffnung, dass es etwas mehr werden könnten." Bestellt worden seien fast 9000 Stück für diese Woche für die neun Betriebsärzte. Am Stammsitz Walldorf wurden sechs Impfstraßen aufgebaut.

Läpple hat noch keinen Impfstoff bekommen

Bei der Läpple-Gruppe in Heilbronn wartet man noch auf Impfstofflieferungen. Man werde wohl erst Ende dieses Monats mit dem Impfen beginnen können, teilte eine Sprecherin mit.

Appell des Handwerks

Die Handwerkskammer Heilbronn-Franken kritisiert die Impfkampagne in den Betrieben. "Angesichts des Mangels an Impfstoff profitieren hier wieder einmal vor allem große Betriebe mit eigener betriebsärztlicher Infrastruktur", sagt Präsident Ulrich Bopp. Er und Hauptgeschäftsführer Ralf Schnörr fordern die regionalen Landräte und den Heilbronner Oberbürgermeister auf, sich sich dafür einsetzen, dass in den Kreisimpfzentren Zeitfenster für kleinere Betriebe reserviert werden. Auch das "Mitimpfen" in größeren Betrieben sei eine Option.

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