LNG und Atomkraft bescheren R. Stahl Aufträge
Lieferschwierigkeiten behindern weiter das Geschäft, der Auftragsbestand wächst. Die Aktionäre bleiben äußerst zurückhaltend. Doch Vorstandschef Mathias Hallmann ist sicher: R. Stahl stehe vor einem lang anhaltenden Aufschwung.

Die Puzzleteile ergeben noch kein einheitliches Bild. Die R. Stahl AG in Waldenburg könnte theoretisch das beste Geschäftsjahr ihrer Geschichte schreiben, denn die Aufträge sind auf Rekordniveau. Explosionsschutz ist auf lange Sicht bei vielen alten und neuen Technologien nicht wegzudenken. In der Praxis kann vieles derzeit nicht produziert werden. Doch sollte zumindest der Ausblick die Aktionäre überzeugen. Der Aktienkurs ist aber auf dem langjährigen Tiefpunkt bei unter zwölf Euro angelangt.
Hallmann: Wir sind absolut unterbewertet
Anfang 2005 war der Aktienkurs zuletzt in dieser Region. "Wir sind absolut unterbewertet", findet Konzernchef Mathias Hallmann. Allerdings wird er auch in diesem Jahr keinen Gewinn verbuchen können. Das soll sich ändern, wenn endlich die Aufträge abgearbeitet werden können.
Einen Auftragsbestand von 95 Millionen Euro hat das Unternehmen im ersten Halbjahr gemeldet. "Und ich sehe nicht, dass sich der Auftragseingang abschwächt", sagt Hallmann. "Wenn wir allein den in diesem Jahr aufgebauten Auftragsbestand hätten verumsatzen können, wären wir sehr profitabel."
Beim Flüssiggas in einer sehr guten Position
Es sind eher abstrakte Indikatoren. Und von denen lassen sich die Aktionäre bisher nicht überzeugen. Hallmann hat deshalb auch inhaltliche Argumente parat, warum R. Stahl eine positive Perspektive hat.
Da sind jetzt vor allem mal die LNG-Tanker und Terminals, die kurzfristig mit explosionsgeschützter Technik ausgerüstet werden müssen. "Wir sind Weltmarktführer bei Schiffen, bei der Automatisierung haben wir dort einen Anteil von 80 Prozent", erzählt Hallmann. Ebenso sei R. Stahl stark bei der Verflüssigung, bei Verladung und Entladung. "Wir können Kunden teilweise bloß nicht bedienen, weil wir die Elektronik nicht beikriegen."
R. Stahl würde von etwas mehr Regulierung profitieren

Chemie und Pharma sind die Branchen, mit denen R. Stahl bisher das meiste Geschäft macht. Die Petrochemie spielt noch immer eine Rolle. Irgendwann könnte aber der grüne Wasserstoff ein Zukunftsthema werden. R. Stahl sieht sich dafür gerüstet. 90 Prozent der eigenen Produkte hätten eine Wasserstoff-Zulassung. Doch sowohl bei Wasserstoff als auch bei Biogas fehlten teils klare Vorgaben, Regulierungen. "Das könnte und sollte nachgeholt werden", meint Hallmann.
Wieder ins Blickfeld rückte zuletzt die Atomkraft. Ein Großauftrag kommt aus Großbritannien, wo sich das AKW Hinkley Point im Bau befindet. "Wir dürfen die komplette Notlichtausstattung liefern", erzählt Hallmann. Über mehrere Jahre betrachtet sei damit ein Umsatz in zweistelliger Millionenhöhe verbunden.
Und da in Frankreich zahlreiche Kernkraftwerke saniert werden müssten, könnte auch von dort noch einiges kommen. "Damit hatten wir nicht mehr gerechnet." Alles in allem stehe R. Stahl vor einem "lange anhaltenden Aufschwung".
Teuerung ist bei einzelnen Komponenten extrem
Die Preissteigerungen belasten weiterhin. Bei einzelnen Komponenten gebe es große Preissprünge. "Da steht auch mal der Faktor zehn." Doch die Margenstruktur habe sich insgesamt nicht verschlechtert. "Kunden bestellen, obwohl wir ihnen sagen müssen, mit welchen Unsicherheiten zu rechnen ist", sagt Hallmann. Und bisher springe auch kaum einer ab.
Noch immer nicht besetzt ist bei R. Stahl der zweite Vorstandsposten neben Hallmann. Chief Operating Office (COO) Bernardo Kral verließ die Waldenburger. Die Nachfolgersuche obliegt nun dem Aufsichtsrat. Auch einige weitere Posten müssen neu besetzt werden.
Ein Regionsverantwortlicher musste gehen, ebenso zwei Mitarbeiter aus dem Management in Waldenburg, weil Hallmann die Strategieabteilung auflöste. Der Konflikt mit dem Betriebsrat habe sich "abgekühlt", wie Hallmann sagt. Mit dem Ausscheiden einer anderen ehemaligen Führungskraft beschäftigt sich noch das Arbeitsgericht.
Russland läuft wieder
Die Wertberichtigung der russischen Tochter Zavod Goreltex um 3,1 Millionen Euro kann R.-Stahl-Chef Mathias Hallmann zufolge möglicherweise zurückgenommen werden. Verkaufen könne man das Geschäft derzeit nicht, da gebe es Restriktionen. Man habe auch keinen Einfluss. "Aber das Geschäft läuft ohne uns", so Hallmann.


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