Lkw stapeln statt Tausende neue Parkplätze bauen
Der Weinsberger Logistikspezialist Vollert will mit Partnern dem Chaos an Raststätten den Truck Tower entgegensetzen. Kostenlos ist der nicht zu haben. Doch der Druck zu handeln wächst.

Wer auf deutschen Autobahnen unterwegs ist und eine Pause einlegen will, muss auf der Hut sein. Wie der ADAC jüngst festgestellt hat, gefährden an jeder zweiten Rastanlage falsch abgestellte Lkw den Verkehr. Das Problem: Es gibt zu wenig Parkraum für Lkw. Der Weinsberger Anlagenbauer Vollert hätte dafür eine Lösung: Den Truck Tower. Ob er eine Chance hat, liegt letztlich an der Durchsetzung bestehender Gesetze.
Vollautomatisch werden die Lkw verstaut
Günstig ist die Lösung nicht. Aber bei mehr als 20 000 zusätzlichen Lkw-Parkplätzen, die nach offiziellen Angaben in Deutschland gebaut werden müssten, "würden die Truck Tower immerhin nicht noch mehr Landschaft versiegeln", sagt Hans-Jörg Vollert, der geschäftsführende Gesellschafter des Weinsberger Schwerlastregal-Spezialisten.
Nichts anderes ist der Truck Tower übrigens: ein Hochregallager, das auf Rastplätzen platzsparend und vollautomatisch die Lkw verstaut, während die Fahrer in der Nachbarschaft ihre Ruhezeiten einhalten. Angestoßen wurde das Thema vom Softwareentwickler Abona in Bruchsal, der dann auf Partnersuche ging. Über den Antriebsspezialisten SEW in Bruchsal kam Vollert dazu. Deutschlandweit gibt es nicht viele Unternehmen, die Lasten in dieser Größenordnung bewegen.
Brummi-Fahrer dürfen oft nicht mehr in ihrer Koje übernachten

Mehrere Herausforderungen gibt es bei dem Thema. Da ist zum einen das Gesetz. Das sieht vor, dass Lkw-Fahrer nicht dauerhaft in ihren Kabinen übernachten dürfen. Einen Teil ihrer Pausen dürfen sie dort zwar verbringen, doch spätestens seit 2020 dürfen sie während der wöchentlichen Ruhezeit von mindestens 45 Stunden nicht in der Koje hinter dem Fahrerhaus schlafen. 60 Euro pro angefangener Stunde an Bußgeld droht bei einer Missachtung.
Die Frage ist, wie häufig diese Vorgaben durchgesetzt werden. Es ist seit Jahren bekannt, dass die Autobahn-Polizei schon Schwierigkeiten hat, die wirklich gefährlichen Stopps der Lkw-Fahrer in Nothaltebuchten und auf Stand oder gar Beschleunigungsstreifen zu verfolgen. Der bei Vollert für das Thema zuständige Vertriebsleiter Lars Strobel sagt: "Es wird einfach nicht kontrolliert."
Ohne Kontrolldruck haben es kostenpflichtige Lösungen schwer
Es ist ein Knackpunkt. Denn drohen keine Bußgelder, gibt es insbesondere für die häufig schlecht bezahlten Lkw-Fahrer aus dem Ausland bislang keinen Grund, in einem Hotel zu übernachten und einen kostenpflichtigen Parkplatz in Anspruch zu nehmen.
Eine SWR-Reportage hat vor einigen Tagen dokumentiert, dass kostenpflichtige Autohöfe wie in Bad Rappenau allenfalls dann genutzt werden, wenn gar nichts anderes mehr zu finden ist. Und in den Industriegebieten oder an Überlandstrecken ist fast immer ein Fleck frei - wenn man lange genug sucht.
Übernachten im Container-Hotel?
Von daher wird es kein Selbstläufer werden, Lkw-Fahrern das Angebot zu unterbreiten, für 80 Euro pro Nacht einen Stellplatz im Truck Tower zu mieten - wo man dann auch nicht im Fahrzeug übernachten kann. "Dazu kommt also noch die Infrastruktur drumherum, mit sanitären Anlagen und Schlafplätzen", sagt Vollert.
Dafür brauche es Partner. Doch das sei alles machbar. In Bad Dürkheim etwa gibt es bereits den Versuch, Truckern in einem Container-Hotel günstige Übernachtungen zu bieten. Doch statt den Lkw-Fahrern übernachten dort vor allem Monteure und andere Reisende.
"Es braucht den politischen Willen", sagt Vollert. Kontakt zu Politikern hat er aufgenommen. Doch das Thema habe derzeit nicht die gleiche Priorität wie etwa der Ausbau der Schieneninfrastruktur. "Dabei geht es auch hier um ein Umweltthema. Schließlich sollen 2800 Fußballplätze bis 2030 versiegelt werden."
Andere Nutzungsmöglichkeiten
Auch wenn Vollert mit dem Truck Tower auf Raststätten und Autohöfen abzielt, gibt es weitere Einsatzmöglichkeiten. Es gebe beispielsweise Kontakt zu Speditionen, die weitere Lkw kaufen wollen und keinen Platz mehr auf dem Betriebsgelände haben. Auch der Verband der Automobilindustrie sei schon auf die Idee aufmerksam geworden.
"Wichtig ist, dass wir bald irgendwo ein Pilotprojekt zeigen können", sagt Hans-Jörg Vollert. Auf Messen sei die Resonanz zuletzt sehr gut gewesen. In seiner geplanten Größe soll ein Truck Tower bis zu vier Lkw übereinander stapeln können. Auf einer Grundfläche von gut vier Lkw-Parkplätzen könnten dann also 16 große Sattelschlepper untergebracht werden, erklärt Lars Strobel, der bei Vollert den Vertrieb Intralogistiksysteme leitet. "Der Truck Tower hat dann auch noch den Vorteil, dass die Ladung geschützt ist." Planenschlitzer, die auf Raststätten häufig unterwegs sind, hätten hier keine Chance.



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