LBBW so profitabel wie zuletzt vor 16 Jahren
Die Übernahme der Berlin Hyp bringt der LBBW einen positiven Sondereffekt von fast einer Milliarde Euro.

Fast eine Milliarde Euro zusätzlich hat die Übernahme des Immobilienfinanzierers Berlin Hyp der LBBW im vergangenen Jahr in die Kassen gespült. Doch auch ohne den einmaligen Sondereffekt war die Landesbank Baden-Württemberg so profitabel wie lange nicht. Der operative Gewinn lag bei 901 Millionen Euro, ein Plus von zehn Prozent. Nur 2006 hatte der Vorsteuer-Gewinn noch höher gelegen.
Das Verwahrentgelt ist Geschichte
Die Zeitenwende sei "in ihrer Dramatik nach gar nicht abschätzbar", sagt Rainer Neske, Vorstandsvorsitzender der LBBW, bei der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart. Für die Bank machte sich das auf sehr unterschiedliche Weise bemerkbar. Erleichtert zeigte sich Neske, dass "die unsinnige Zinspolitik zu Ende gegangen ist".
Damit brach allerdings auch bei der LBBW die private Immobilienfinanzierung ein, wie bei vielen Banken und Sparkassen im Land. Umgekehrt konnte das "Verwahrentgelt", also die Negativzinsen für Bankguthaben, wieder abgeschafft werden. Neske geht zudem davon aus, dass der Gipfel der Zinsentwicklung noch "lange nicht" erreicht ist.
"Extrem erfolgreich" ist die LBBW im Schuldscheingeschäft unterwegs. Nach einem Plus von 78 Prozent auf 15,7 Milliarden Euro hat sie nun einen Marktanteil von etwa 24 Prozent und ist damit die Nummer eins in Deutschland.
Es gibt auch Belastungen
Die Aufwendungen stiegen auf 2,18 Milliarden Euro, wie Finanzchefin Stefanie Münz erläuterte. Die Integration der Berlin Hyp kostete dabei viel Geld. Ebenso die IT-Infrastruktur, die auch aufgerüstet wurde gegen Cyberangriffe. Um 37 Prozent auf 188 Millionen Euro stiegen die Ausgaben für Bankenabgabe und Einlagensicherung. Der Austritt der Bayern-LB-Tochter DKB, die in die private Einlagensicherung wechselte, kostete die LBBW 50 Millionen Euro.
Zudem floss Geld in die Risikovorsorge, mit 239 Millionen Euro ungefähr so viel wie im Vorjahr. Insgesamt beläuft sich der Bestand an sogenannten Adjustments nun auf mehr als 800 Millionen Euro. Damit sieht sich die LBBW auch für eventuelle größere Verwerfungen, die Neske durchaus für möglich hält, gut gerüstet.
Beteiligt ist die LBBW an der Finanzierung eines Flüssiggasterminals, wie der Vorstandschef bestätigt. Über die Details schwieg er allerdings ebenso wie zu den Krediten im Automobilbereich oder zum geplanten Verkauf von Transnet-BW durch den Sparkassenverband - da sei die LBBW nur beratend tätig.
Belegschaft legt durch Übernahme zu
10.400 Mitarbeiter zählt die LBBW jetzt, knapp 500 mehr als im vergangenen Jahr. Auch das ist vor allem ein Effekt der Integration der Berlin Hyp. "Der vereinbarte Mitarbeiter-Abbau ist weiterhin im Plan", sagte Neske.
Die Landesbank Baden-Württemberg gehört zu 40,5 Prozent dem Sparkassenverband Baden-Württemberg, zu knapp 25 Prozent dem Land, zu fast 19 Prozent der Stadt Stuttgart und zu 15,5 Prozent der Landesbeteiligungen Baden-Württemberg GmbH.
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