Lauda sorgt dafür, dass Wasserstoff-Lkw schnell wieder auf die Straße kommen
100 Kilo Wasserstoff in zehn Minuten zu tanken ist gar nicht so einfach. Der Temperierspezialist Lauda leistet in einem EU-Projekt Pionierarbeit. Denn manche grundsätzliche Frage muss noch geklärt werden.

Auch wenn Brennstoffzellen-Pkw das Rennen vorerst gegen die batterieelektrischen verloren haben, ist die Betankung mit rund sechs Kilogramm Wasserstoff kein Problem. Anders sieht das bei Lkw aus. Hier hat die Alternative zur Batterietechnik großes Potenzial. Doch bis zu 100 Kilogramm Wasserstoff verlässlich auch in Stoßzeiten in wenigen Minuten in einen Tank zu füllen, ist nicht trivial. Das Gas soll sich auch bei schneller Betankung nicht zu stark erwärmen. Das wird seit Februar im Rahmen eines EU-Projekts nun getestet. Der Temperierspezialist Lauda Dr. R. Wobser aus Lauda-Königshofen ist dabei.
Einheitlicher Standard ist das Ziel
"Wir wollen mitwirken, die neuen Standards zu definieren", sagt Jasper Laug, der bei Lauda für die Entwicklung des Geschäftsfelds Wasserstoff verantwortlich ist. Speziallösungen sind zwar kein Problem für Lauda. Der Temperierspezialist ist es gewohnt, sich nach den Wünschen seiner Kunden zu richten. Das Know-how von Lauda war auch in der Pandemie gefragt, bei der Impfstoff-Produktion, bei Lagerung und Transport.
Auch in der Elektromobilität kommen individuelle Lösungen aus Lauda-Königshofen zum Einsatz. Doch wenn bald überall in Europa neue Wasserstoff-Tankstellen für Lastwagen gebaut werden sollen, dann soll ein einheitlicher Standard helfen, Zeit und Geld zu sparen.
Die Anforderungen sind anspruchsvoll
Lauda ist mit seiner Technik dafür verantwortlich, den Wasserstoff mit einer exakten Temperatur zu übergeben. Minus 40 Grad ist die Vorgabe, damit das Gas im Tank auch unter ungünstigen Bedingungen nicht über 85 Grad warm wird. Kühlmittel ist dazu notwendig, das in einer separaten Einheit gekühlt wird und dann parallel zum Wasserstoff zum sogenannten Dispenser, zum Zapfhahn, geführt wird. Dort wird der Wasserstoff gekühlt.
"Unsere Technik ermöglicht es, die eigentliche Kühleinheit getrennt an einem anderen Ort unterzubringen als den Wasserstoff", erklärt Jasper Laug. Das sei sicherheitstechnisch ein Vorteil, aber auch bei der Nachrüstung. Denn je mehr Fahrzeuge zu Stoßzeiten betankt werden, desto größer muss die Kühleinheit dimensioniert sein.
Beim Pilotprojekt "Rheadhy" der EU geht es nun auch darum, herauszufinden, ob Lkw künftig wie Pkw mit 700 bar betankt werden sollen oder ob es bei den einst vorgesehenen 350 bar bleibt. "700 bar benötigen einen höheren Energieeinsatz, was den Wirkungsgrad insgesamt verschlechtert", sagt Laug, "andererseits erhöht diese Verdichtung die Reichweite." Und auch die Kühlung nagt am Wirkungsgrad. Ist sie überdimensioniert, wird viel Energie vergeudet. Ist sie unterdimensioniert, verzögert sich unter Umständen der Tankvorgang.
Die Politik braucht Antworten, die Wirtschaft Rahmenbedingungen
Vier Millionen Euro gibt es von der EU für die zwei Anlagen, rund eine halbe Million davon ist für Lauda vorgesehen. Das Projekt läuft bis 2027. Es bleibt also noch viel Zeit, bis die Infrastruktur für Nutzfahrzeuge aufgebaut werden kann. Bis dahin muss auch die Systemfrage geklärt werden. Denn auch im Schwerlastbereich gibt es Stimmen, die sich für den batterieelektrischen Antrieb aussprechen.
Andere sehen hier klar den Wasserstoff vorn. Weil es noch keine Infrastruktur gibt, sind auf den Autobahnen in Europa bisher auch so gut wie keine Brennstoffzellen-Lkw unterwegs. Das klassische Henne-Ei-Problem, wie Laug sagt. "Wir sind da auch abhängig von der Politik." Dass es schnell gehen kann, zeigt Lauda schon bei den Wasserstoff-Zapfhähnen für Pkw. Der jüngste Großauftrag aus Frankreich umfasst 36 Anlagen, weitere 34 könnten kurzfristig folgen. Und obwohl viele Fragen noch offen sind, ist Jasper Laug vom Wasserstoff auch überzeugt: "Ich habe noch nie einen Markt gesehen, der sich so schnell entwickelt."
Aktuelle Ausgabe der WirtschaftsStimme
Das Thema Künstliche Intelligenz in der Region ist auch Titelthema der WirtschaftsStimme, die am 31. Mai 2023 erscheint. Weitere Themen sind nachhaltiges Bauen und wie Gebäude und Quartiere entsprechend zertifiziert werden können, die Nachhaltigkeits-Bestrebungen in der Neckarsulmer Schwarz-Gruppe, die Lage der regionalen Chemie-Industrie in Zeiten steigender Energiepreise sowie ein Besuch in einem Steinbruch im Hohenlohekreis, in dem Unternehmen Teambuilding im Gelände buchen können. Außerdem berichtet ein Pionier der Elektromobilität von seinen Erlebnissen.
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