Klimafreundlich mit Festpreis: Fertighausbranche spürt Rückenwind
Der Bundesverband BDF feiert 60-jähriges Bestehen in Künzelsau. Nachhaltigkeit rückt auch in der Immobilienbranche zunehmend in den Fokus. Altbundespräsident Gauck und Ifo-Präsident Fuest waren zu Gast.

Die Fertighausbranche sieht sich mit steigenden Umsatzzahlen und einem hohen Auftragsbestand gut für die Entwicklung hin zu klimafreundlicher Produktion gerüstet. Der Fertigbau legte den Baugenehmigungen zufolge im ersten Halbjahr 2021 um 14,7 Prozent zu, deutlich stärker als die Baubranche im Durchschnitt. Am Freitag (08.10.) findet im Carmen-Würth-Forum in Künzelsau die Jahrestagung statt, wo auch auf die 60-jährige Geschichte des Bundesverbands Deutscher Fertigbau (BDF) geblickt wird.
Erst einmal litt das Image
Die Entwicklung kannte zuletzt nur eine Richtung: nach oben. Vor allem der nachwachsende Werkstoff Holz gilt heute als vorbildlich im Vergleich zum Massivbau mit Beton. Das Image der Anbieter war derweil nicht immer so positiv. Nach anfänglichen Erfolgen kam die Branche in die Kritik, weil das verwendete Holz - wie gesetzlich vorgeschrieben - chemisch behandelt wurde und asbesthaltige Platten als Fassadenverkleidung verwendet wurden. Umso stärker war der Aufschwung ab Mitte der 2000er Jahre, nachdem hier gegengesteuert worden war.
Erfolg mit dem doppelten Versprechen

Die Eigenheimzulage fiel damals weg, erinnert sich BDF-Geschäftsführer Achim Hannott im Gespräch mit unserer Zeitung. "Und die Leute wussten mehr und mehr das doppelte Qualitätsversprechen zu schätzen: den Festpreis und den festen Fertigstellungstermin."
Das führte insbesondere in den vergangenen Jahren angesichts hoher Preissteigerungen und einer boomenden Baukonjunktur zu steigender Nachfrage. "Bis jetzt schwimmen wir auf dieser Welle", bringt es Hannott auf den Punkt.
Noch immer lockt das freistehende Einfamilienhaus
"Die Wertschätzung für ein eigenes Haus mit Garten ist in der Pandemie nochmal stärker angestiegen", betont BDF-Präsident Hans Volker Noller, Geschäftsführer von Fertighaus Weiss in Oberrot. Für 2021 rechnet der Verband mit einem Marktanteil von 23 Prozent. "Damit kommen wir unserer nächsten Zielmarke von 25 Prozent ein gutes Stück näher", sagt Noller. Vor fünf Jahren hatte der bundesweite Marktanteil noch bei knapp 18 Prozent gelegen. In Baden-Württemberg, wo das Eigenheim besonders hoch im Kurs steht, liegt der Anteil inzwischen sogar bei 39,6 Prozent.
Wartezeit wird länger, doch Termine offenbar gehalten

So werden die 49 industriellen und bundesweit tätigen Fertighaushersteller des BDF - großteils in Baden-Württemberg und Bayern angesiedelt - den Branchenumsatz im laufenden Jahr um 2,9 Prozent auf insgesamt 3,49 Milliarden Euro steigern. Der Auftragsbestand ist durch Abschluss zahlreicher Neuverträge branchenweit auf durchschnittlich gut 16 Monate angewachsen. Dabei sind die Lieferengpässe insbesondere bei Holz durchaus eine Herausforderung. "Die festen Termine halten unsere Unternehmen trotzdem ein", sagt Hannott.
Viele neue Mitarbeiter eingestellt
Positiv fällt die Bewertung der Haushersteller mit Blick auf die wirtschaftliche Lage sowie die Aussichten im nächsten halben Jahr aus. 81 Prozent der Befragten schätzen die gegenwärtige Lage als gut ein. In den nächsten sechs Monaten erwarten 74 Prozent eine gleichbleibende Geschäftslage, 15 Prozent eine schlechtere und 11 Prozent eine noch bessere Konjunktur. Positiv entwickelt sich auch die Beschäftigtenzahl der BDF-Unternehmen: Sie dürfte bis Jahresende bei 15 163 Mitarbeitern liegen und damit um 4,2 Prozent über dem Vorjahreswert.
Forderungen an die neue Regierung
Weil Klimafreundlichkeit zunehmend eine Rolle spielt, dürfte das als nachhaltig geltende Fertighaus weiter Rückenwind bekommen. Gleichzeitig handelt es sich beim Fertighaus typischerweise um freistehende Einfamilienhäuser, die auch in der Kritik stehen. Baugrundstücke sind ohnehin knapp. Baugenehmigungsverfahren sind ins Stocken gekommen. Der BDF fordert vor diesem Hintergrund angemessene baupolitische Rahmenbedingungen und ein eigenes Bauministerium in der künftigen Bundesregierung.
Gauck zu Gast
Im Anschluss an die BDF-Jahrestagung findet im Carmen-Würth-Forum morgen das "Forum Intelligentes Bauen" statt. Prominente Redner sind Alt-Bundespräsident Joachim Gauck sowie Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts in München, der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber und Holzbau-Experte Christopher Robeller von der Hochschule Bremen.
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